The Burning Hell

The Burning Hell + Inside Golden @ Milla, München, 2016-05-31

THE BURNING HELL Milla München 2016-05-31 --- DSC04387

Einen sehr guten ersten Eindruck hinterließen die Münchner Newcomer von Inside Golden um den Frontmann und Glockenbachwerkstatt-Fish’n-Blues-Veteranen Mateo Navarro bei ihrem Support-Auftritt am vergangenen Dienstag im Münchner Milla im Vorfeld zum Burning-Hell-Hauptact, selbst bezeichnen sie ihr würziges musikalisches Gebräu als „Indie-Rock mit einem Schuss Soul und punkiger Attitüde“, aus dem Independent-Bereich war immerhin eine gehörige Portion Grunge im Klangbild zu identifizieren, ansonsten darf man der Band vermutlich wohlwollend unterstellen, dass sie sich hinsichtlich Historienforschung am Plattenschrank der Väter-/Großväter-Generation in der Abteilung circa zwischen Paul Butterfield Blues Band und Led Zeppelin ausgiebigst getummelt hat, das Herüberretten in das Hier und Jetzt der schweren, Blues-getränkten Gitarrenriffs und die adäquate Umsetzung von im Geiste der End-Sechziger verhafteten, technisch brillant gespielten Soli gelang auf das Vortrefflichste.
Da scheinen neben Jesper Munk und der Whiskey Foundation weitere gewichtige Münchner Fackelträger des schweren, von beherztem Soul-Gesang begleitetem Bluesrock heranzuwachsen – feine Sache, bei Inside Golden darf man auf die weitere Entwicklung gespannt sein.
(**** – **** ½)

Nachdem der erste, schwere und ernsthaftere Teil des Abends abgefeiert war, glänzte das hochsympathische kanadische Quintett The Burning Hell um den Songwriter und Geschichtenerzähler Matthias Kom mit luftigem und extrem Pop-orientiertem Indie-Folkrock, die Band präsentierte im Schwerpunkt ihr jüngst erschienenes Album ‚Public Library‘, die hier bereits gepriesene Mitsing-Nummer „Fuck the Government, I Love You“ entpuppte sich als autobiographische Erzählung über das erste Kennenlernen Koms und seiner Mitmusikerin und Partnerin Ariel Sharratt, die an dem Abend vor allem an Klarinette und Saxophon zu glänzen wusste.
Der Vortrag der aktuellen Single „The Road“ war bestimmten Automechanikern in Schottland und München gewidmet, nach diversen Autopannen bei früheren Konzertreisen wurde der Combo in der Vergangenheit Hilfe zuteil, die bis zum Band- und Instrumente-Transport von Mechaniker-Seite für den Rest der kompletten Tournee reichte. Aber mal Hand aufs Herz: Der Song handelt unter anderem vom Abspielen von Joni-Mitchell-Kassetten während der Autofahrt, welche Karre hätte sich nicht über kurz oder lang gestreckt beim unsäglichen Geleier dieser ätherischen Heulboje? Eben.
Absolut erwähnenswert auch die Frage Koms nach der ersten vom eigenen Geld gekauften Platte an das Publikum, beste Rückmeldung kam von einem Spaßvogel, der ein beherztes „Samantha Fox“ ins Rund schallerte… ;-))
Sehr schön auch das Erzeugen von Feedbacks im Sonic-Youth-Geist via Klarinette – sieht und hört man in der Form nicht alle Tage – sowie das Konzert-beschließende Interpretieren des Ritchie-Valens-Klassikers „La Bamba“ (geschätzt beste Version seit der Half-Japanese-Einspielung), bei dem Gitarrist Darren Browne die ganz großen Entertainer-Qualitäten auspackte, nachdem zuvor der Superstar-Walk auf den Treppen der Milla-Bühne wegen zu kurzem Gitarren-Kabel eine so nicht geplante Wendung in Richtung unfreiwilliger Humor nahm…
(**** ½)

Reingehört (166)

photo_BurningHell_Library_byJonathanBriggins2016

The Burning Hell – Public Library (2016, BB*ISLAND)
Acht neue Wunderwerke der Indie-Folkrock-Combo Burning Hell um den Kanadier Mathias Kom, wie es sich für eine öffentliche Bücherei ziemt, jedes Stück thematisch nach Literatur-Gattung katalogisiert.
Das nicht nur aufgrund seines Titels ein breites Grinsen ins Gesicht der Hörerschaft zaubernde „Fuck the Government, I Love You“ firmiert beispielsweise unter „Romantic Comedy“ auf dieser vor Pop-Wohlklang, flotten Folksongs und getragenen Walzern strotzenden und insbesondere in den Texten vor Ideen-Reichtum überquellenden Indie-Perlen-Sammlung, die vergessen lässt, das ähnlich begnadet-skurrile Geschichtenerzähler wie die Silver Jews lange nichts mehr veröffentlicht und das neue Werk vom Folk-Ohrwurm-Großmeister Jonathan Richman immer noch nicht verfügbar ist.
Mathias Kom muss tatsächlich ein äußerst netter Mensch sein, er schreibt nicht nur wunderschöne Indie-Popsongs, er empfindet sogar sowas wie Empathie für das Frankenstein-Kunstprodukt Michael Jackson, das aus dem Operationsverschnitt von – genau – dem ehemaligen Soulsänger Michael Jackson zusammengeflickt wurde und das nach den Ausführungen Koms im Song „Two Kings“ in North Ontario lebt und gerne mal mit dem einzig echten King auf einen Spaziergang unterwegs ist.
(**** ½)

The Burning Hell werden ihr neues Folkpop-Füllhorn am 31. Mai konzertant im Münchner Milla präsentieren und an den darauf folgenden Tagen zu diesen weiteren, ausgewählten Terminen, das wird ein Spaß:

01.06. Rosenheim – Hang Loose Bar
02.06. Wien – Haus der Musik
03.06. Nürnberg – Hemdendienst
04.06. Köln – Stereo Wonderland
05.06. Arnhem – Park Open Festival
06.06. Groningen – Vera
07.06. Hannover – Cafe Glocksee
08.06. Berlin – Schokoladen
09.06. Berlin – Schokoladen
10.06. Erfurt – Franz Mehlhose
11.06. Hardegsen – Hardeg Castle