The Jason Serious Band

Jason Serious Band @ Theatron Musiksommer, München, 2017-08-18

Weit tragen sie, die Songs und Geschichten des Jason Serious, „from the red dirt of Lynchburg to the Chesapeake Bay“, bis an die Gestade des Münchner Olympiasees und von dort direkt in die Herzen der Hörerschaft. Optimale Bedingungen am vergangenen Freitagabend für das Konzert des aus Maryland stammenden US-Songwriters, der 2011 seine Zelte an der amerikanischen Ostküste abbrach, in der Isarmetropole anlandete und seitdem mit wechselnder Bandbesetzung seine Sangeskunst pflegt: Auf der großen Bühne vor den Amphitheater-artigen Rängen beim Theatron-Sommerfestival am Olympiagelände fanden Serious und seine versierte Band bei wunderschöner Illumination den perfekt abgemischten und austarierten Sound vor zur Präsentation ihrer No-Depression-/Alternative-Country-Perlen, der jederzeit qualitativ mit Material von Genre-Größen wie Son Volt oder Mr. Farrars Vorgängerband Uncle Tupelo mithaltende Americana-Vortrag des Wahl-Münchners und seiner Mitmusikanten variierte punktuell in Richtung Ragtime, Bluegrass, Folk-Ballade und speiste sich vornehmlich aus den Songs des vorzüglichen, im vergangenen Jahr veröffentlichten „Kin“-Tonträgers, für den Jason Serious seinerzeit als Regie-führenden Produzenten keinen Geringeren als den Grammy-nominierten Briten Grant Showbiz gewann, der sich seine Sporen in dieser Funktion bereits bei weltweit bekannten Musikern/Bands aus dem Indie-Bereich wie Billy Bragg, Wilco, The Fall und den Smiths verdiente – allein das ein mehr als dezenter Beleg für die internationale Klasse der Serious-Tondichtungen.
So war es nicht weiter verwunderlich, dass dieses beseelte Konzert den gebührenden Applaus von den gut besuchten Rängen des Theatron erntete, die wie für den Country-Gesang mit Volumen und dem nötigen Schmelz ausgestattete Singstimme des Bandleaders und eine inspirierte Band, bei der vor allem das exzellente, wunderschöne Lapsteel-Spiel hervor stach, befeuerten ein Vorbeiziehen des amerikanischen Highways und seiner angrenzenden Landschaften und Kleinstädte vor dem inneren Auge, quasi kontemplative Americana-Momente von fast meditativer, tiefenentspannter Qualität.
Auch hinsichtlich Timing hat die Jason Serious Band am Freitagabend alles richtig gemacht, „before the flood“, wie Literaturnobelpreisträger-Bob treffend anmerken würde, kurz nach Konzertende öffneten sich die Wolken-Schleusen und tauchten den Isar-County orkanartig in vehementes Nass, das Einwässern der ungeliebten Lokalrivalen beim zeitgleichen Bundesliga-Start an den Nord-Toren der Stadt in der Plastikwelt neben dem Müllberg nahm man in dem Zusammenhang schadenfroh grinsend als perfekte Abrundung des schönen Konzertabends gerne und dankbar zur Kenntnis… ;-)))
(*****)

Konzert-Vormerker: Jason Serious Band

Support Your Local No-Depression-Heroes: Die Combo um den in München angelandeten US-Songwriter Jason Serious präsentiert am kommenden Freitag, 18. August, ab 19.00 Uhr ihre wunderbar-beseelten Alternative-Country-, Americana-, Folk- und Bluegrass-Songs auf der Theatron-Bühne am Münchner Olympiagelände, dank wie in jedem Jahr umfänglichem Festival-Sponsoring für umme.

The Ukelites + The Jason Serious Band @ Südstadt, München, 2015-10-22

the ukelites + jason serious band südstadt

Einen entspannt-angenehmen musikalischen Doppelpack haben die Mädels vom Südstadt am vergangenen Donnerstag in ihrer Indie-Musik-durchwehten Kult-Kneipe präsentiert, den Auftakt machte das Münchner Trio The Ukelites, das, wie der Bandname vermuten läßt, Ukulelen-dominierten, entspannten Western-Swing und Country-Blues-infizierten Wohlklang zum Besten gab, der Einstieg in den Konzertabend mit einer Calexico-artigen Interpretation des Chris-Issak-Klassikers „Wicked Game“ gelang optimalst, und wir sprechen hier von den sehr guten, frühen Calexico, die den Arizona-Wüstenstaub mit ihren Instrumental-Preziosen seinerzeit förmlich in den Hälsen kratzen ließen, nicht von den späten, austauschbaren, glattgebügelten, mainstreamigen Calexico…
Im weiteren Verlauf präsentierte die Combo Interpretationen von zum Teil längst vergessenen 20er- und 30er-Jahre-Jazz-Standards, die durch den Einsatz von Slide-Gitarre und eben der Ukulele mächtig Swing- und Country-Spirit atmeten und vor allem durch die mit viel Soul ausgestattete Stimme der Sängerin Miriam Hein eine Vorstellung von Konzerten in Blues-Kaschemmen im amerikanischen Süden der frühen Jahre des 20. Jahrhunderts erahnen ließen, der voluminöse, gehaltvolle, höchst angenehme Gesang der Münchnerin hätte auch in dem Umfeld vermutlich jederzeit für Furore gesorgt.
Auch Liedgut der Neuzeit kam zum Einsatz, die beherzt-beschwingte Interpretation des Violent-Femmes-Indie-Hits „Blister In The Sun“ erntete ebenso gebührenden Applaus wie zum Ausklang die Western-Swing-Bearbeitung des Kraftwerk-Dauerbrenners „Das Model“, das die Band Tags darauf beim „Same Old Song“ in der Nachtkantine präsentieren sollte.
Steffen Günter mag sich über die technischen Probleme mit seinem Ukulelen-Bass geärgert haben, der Stimmung tat dies keinen Abbruch, den Ausfall hat die Band souveränst gemeistert, insofern gilt, wie für den gesamten Auftritt: alles gut!
(**** ½)

The Ukelites / Homepage

Von technischen Problemen blieb leider auch die zweite Band des Abends nicht verschont, Jason Serious, der an dem Abend mit seinen Mitmusikern Johannes Jooß am Schlagzeug und Alto Kraus an elektrischem und Stand-Up-Bass antrat, kämpfte ein ums andere Mal mit seiner an diesem Abend erstmals konzertant eingesetzten neuen Klampfe, was der Kontinuität des Auftritts nicht unbedingt förderlich war. Das Liedgut des seit 2011 in München ansässigen Amerikaners aus Maryland hat absolut das Zeug für einen runden Konzertabend, die Mischung aus Americana und Alternative Country bewegt sich durchwegs auf internationalem Niveau, die Nummer „Caddy“ hätte jede Handsome-Family-Platte veredelt, überhaupt ist das Material des 2015 erschienenen Albums ‚KIN‘ von exzellenter Güte, wie die Live-Präsentation von Perlen wie der schmissigen Rock’n’Roll-Nummer „Love Me Wild“ oder der konzertanten Eröffnungsnummer „Trembling Rose“ bewiesen, die herausragendes, atmosphärisch dichtes Songwriting bieten, auch die ans Herz gehende Ballade „Sand Dollar Darling“ oder die Americana-Glanztaten wie „One More Crazy Idea“ und „Summer Idiots“ sollen nicht unerwähnt bleiben.
In welcher Liga die aktuellen Songs des Wahl-Münchners spielen, zeigt der Produzent des kürzlich erschienenen Longplayers, die Combo konnte für den Job den Briten Grant Showbiz gewinnen, der in der Funktion bereits für Größen wie Billy Bragg (inklusive dessen Mermaid-Avenue-Kollaborationen mit der amerikanischen Band Wilco), The Smiths, The Fall und der britischen Punk-Folk-Legende Blyth Power tätig war.
Neben dem exzellenten Eigenwerk brachte die Band die Country-Perle „The Losing End“ vom Neil-Young-Überwerk ‚Everybody Knows This Is Nowhere‘ (1969, Reprise) zum Vortrag und eröffnete damit den Gratulationsreigen frühzeitig, am 12. November feiert die kanadische Songwriter-Ikone ihr siebzigstes Wiegenfest, das Südstadt wird im Übrigen den Anlass am 17. November mit Musik und Lesungen von Laura Wachter, Thomas Kraft und Steven Lichtenwimmer gebührend würdigen und feiern.
Auch wenn Jason Serious am Donnerstagabend irgendwann mit den Worten „The Guitar is fucked up“ entnervt die Segel strich, den guten Eindruck, den die Band im Vorprogramm beim sommerlichen Konzert von Carrie Nation & The Speakeasy im Milla hinterlies, konnte sie durchaus unterstreichen, und beim nächsten Mal klappt’s auch ohne permanentes Nach-Stimmen des Instrumentariums, da bin ich ganz zuversichtlich…
(**** ½)

The Jason Serious Band / Homepage

Südstadt / Homepage

Carrie Nation & The Speakeasy + The Jason Serious Band @ Milla, München, 2015-07-10

So darf meinetwegen jede Woche ihren Ausklang finden. Bevor es am vergangenen Freitag auf der Bühne des Milla hochenergetisch zur Sache ging, groovte die Jason Serious Band im Vorprogramm das Wochenend-Publikum im Milla mit gepflegtem Alternative-Country-Rock ein, wer dem Sound von Bands wie Son Volt oder artverwandten Artisten vom baden-württembergischen Blue-Rose-Label wie Dustin Bentall, Slobberbone, den kanadischen Hooblers oder der Band Of Heathens etwas abgewinnen kann, fühlte sich bei der Münchner Band und ihrem aus Maryland stammenden amerikanischen Sänger Jason Serious bestens aufgehoben. Uptempo-Folkrock und feine Country-Schmachtfetzen hielten sich die Waage, Gram Parsons hätte an dem Abend mindestens einmal vor Rührung geweint. Serious, der vor allem stimmlich alle Anlagen für diese Art von Musik mitbringt, und seine ortsansässigen Mitmusikanten freuten sich sichtlich, dass an dem lauschigen Abend nicht ganz München an der Isar beim Grillen, Koma-Saufen und Umweltverschmutzen rumlümmelte und gingen den Abend dementsprechend locker-beschwingt an. Well Done, Boys!
(****)

Jason Serious / Homepage

„Carrie Nation & The Speakeasy“ is a high energy, acoustic brass n grass 5-piece band, whose sound has been described as a stagecoach in overdrive, has brought their eclectic blend of punk, bluegrass, and dixieland to packed bars, basements, and festivals across the US.“
(Sebastian Weidenbach/Shadow Cowboy, Strange & Dangerous Times, New American Roots, Real Music For The 21st Century, Trikont)

Aus den „5 pieces“ wurde einer mehr, die Combo Carrie Nation & The Speakeasy um Berserker Jarrod Starling aus Wichita, Kansas, stand als Sextet auf der Bühne des Milla, und was sie von dort auf die Kopeiken im Saal niederprasseln lies, dürfte zum Besten gehören, was diese Stadt in den letzten Monaten konzertant erleben durfte. Seit 2007 auf Achse, spielt die Band mittlerweile mehr als 250 Konzerte pro Jahr in so ziemlich allen Staaten der USA und hat sich dort den Ruf eines herausragenden, Energie versprühenden Live-Acts erworben, welcher derzeit bei ihrer ersten Tournee im alten Europa allabendlich imposant untermauert wird.
Am Freitag begeisterte die Band schwerst mit ihrem Swing-unterfütterten Speed-Bluegrass, gepaart mit New-Orleans-angehauchten Funeral-Brass-Band-Sound und ihren düster-morbiden Texten aus der Welt der Arbeiterklasse, der Drop-Outs und der amerikanischen Highways. Der perfekte Soundtrack für die Literatur von William Faulkner, Jim Thompson, Donald Ray Pollock und Daniel Woodrell, und wäre die erste Staffel von „True Detective“ nicht ebenso genial-musikalisch von der Handsome Family unterlegt worden, Carrie Nation hätten sich für den Job mehr als aufgedrängt.
Ein weiteres konzertantes Gusto-Stückerl aus der wundersamen, intensiven, bis zum Geht-nicht-mehr authentischen und Trost-spendenden Muddy-Roots-Welt, für das ich mich vor allem auch bei „Shadow Cowboy“ Sebastian Weidenbach bedanke, ohne seinen Hinweis bei unserem Treffen anlässlich des vor Kurzem stattfindenden Delaney-Davidson-Auftritts hätte ich diesen wunderbaren Abend höchstwahrscheinlich schlichtweg verpennt…
Der Bandname bezieht sich im Übrigen auf die Vorkämpferin der Prohibition, Carrie Nation (1846 – 1911), die Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts dafür berühmt-berüchtigt war, Alkohol-servierende Bars, Tavernen und Wirtshäuser in Kansas mit einer Axt zu attackieren. Die Carrie Nation des 21. Jahrhunderts ist gottlob gefeit vor solchen Anwandlungen und begrüßt es durchaus, wenn man sein Unertl gepflegt vor der Bühne einverleibt… ;-))
(***** ½)

Carrie Nation & The Speakeasy / Homepage

Während ihrer restlichen Europa-Tournee sind Carrie Nation & the Speakeasy noch zu folgenden Terminen zu bestaunen, wer sich das entgehen lässt, braucht eine wasserdichte Ausrede:

14.07. (Heute Abend!) Dreikönigskeller / Frankfurt
15.07. Sonic Ballroom / Köln
16.07. Spatz & Wal / Unna
17.07. Ut Babelaertje / Middleburg, Netherlands
18.07. Wantwotrash Frikanitval / Breda, Netherlands
19.07. De Harmonie / Edam, Netherlands
20.07. Blues-Phere / Liege, Belgium
21.07. Roots In Het Park / Aarschot, Belgium
22.07. Bluescafe / Apeldoorn, Netherlands
23.07. De Melkbus / Dordrecht, Netherlands