The Men

Reingehört (434): The Men

The Men – Drift (2018, Sacred Bones Records)

Die Welt der (ex-)Punk-Rocker The Men aus Brooklyn/NY hat sich weitergedreht, wo das Vorgänger-Werk „Devil Music“ noch fest verankert war im hingerotzten Garagen-Trash und Wipers-infizierten 70er-Jahre-Ami-Punk, reißen die Männer zurückgekehrt zum neuen alten Label Sacred Bones auf „Drift“ die Türen sperrangelweit auf für weitere, experimentellere Einflüsse und stilistische Ausprägungen ihres Songwritings, im Sinne des Album-Titels treibt es das ehemals lärmende Quartett an bisher von der Band so nicht angesteuerte Gestade des Psychedelic- und Desert-Rock, ohne eine eindeutige Richtung einzuschlagen. Ein heterogenes und eigenwilliges Unterfangen, das trotz latent erratischer Ansätze durchaus als Gesamtwerk funktioniert.
Der Opener „Maybe I’m Crazy“ kommt als beunruhigender, Synthie durchwabernder Großstadt-No-Wave-Entwurf, im weiteren Verlauf verirrt sich die Band in verwaschenen, getragenen Prog-Indie und wiederholte Male in lockeren Westcoast-Desert-Sound, in „Secret Light“ stimmen The Men gar psychedelischen 70er-Jazz-Fusion-Rock an, inklusive Saxophon-Getröte und Dekaden-typischem E-Piano. In „Killed Someone“ dann als Intermezzo die kurzzeitige Rückkehr zur altbewährten, in vergangenen Tagen gepflegten, Gitarren-jaulenden Punk-Rock-Heftigkeit im Uptempo-Bereich inklusive vehementer Fuzz-Rock-Herrlichkeit und verzerrtem Verzweiflungs-Geplärr, im Anschluss mit „Sleep“ dann postwendend zurück zu Tonträger-dominierender Getragenheit im Düster-Balladen-Modus, der im folgenden „Final Prayer“ nochmal Steigerung hinsichtlich gespenstischer Wüsten-Psychedelic erfährt und die gute halbe Stunde mit dem Wandergitarren-begleiteten Southern-Gothic-/Americana-Kleinod „Come To Me“ ausklingen lässt.
Eine weitläufige Song-Sammlung, die altgediente Sympathisanten der Combo vermutlich an der ein oder anderen Stelle für’s Erste ihrer Ratlosigkeit überlässt, mit jedem neuen Durchlauf aber zunehmend mehr Qualität und Hörgenuss offenbart. Zur Not ein paar Chancen mehr geben, lohnt.
(**** ½ – *****)

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Reingehört (247): The Men

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The Men – Devil Music (2016, We Are The Men Records)
Begeistern seit ihrem „Leave Home“-Debüt bei Sacred Bones Records aus dem Jahr 2011 das Punk-Volk, und daran wird sich wohl auch mit dem neuesten Album von The Men aus Brooklyn/NY nichts ändern. Trashiger, entfesselter Rock’n’Roll-Garagen-Stoff, schöne Fuzz-Gitarren, die im Moll-Anschlag auch gerne mal die Surfrock- und (wenn auch sehr dezenten) Alternative-Country-Einflüsse würdigen. Alte Wipers- und Dead-Moon-Schule, an einem Wochenende im Übungsraum im vergangenen Januar in wütender Punkrock-Manier rausgehauen und mit verzerrten, zum Teil unverständlichen Stimmen der Gitarristen Mark Perro und Nick Chiericozzi besungen, mitunter mehr wütendes Schnauben als klare Artikulation. Zur Auflockerung rockt die Psychedelic und der Noise, jammert eine verzerrte Blues-Gitarre oder trötet ein atonales Saxophon und sorgt für kreischendes Chaos, das nimmt man in dem Kontext auch gerne mit.
„Ain’t looking for salvation, I ain’t that kind of man“, und ansonsten scheint den vier Männern auch alles wurscht zu sein, mit dem aktuellen Tonträger kauft man ihnen die fatalistische Grundhaltung allemal bedenkenlos ab.
(**** ½)