The Rolling Stones

Soul Family Tree (50): Harlem Shuffle

Black Friday mit einem Beitrag von Stefan Haase, unter anderem über einen R&B-Klassiker aus den frühen Sechzigern, here we go:

Heute geht es um die Geschichte des Songs „Harlem Shuffle“, und um das Original. Dann gibt es starke Intros zu hören von Yvonne Baker und Sam & Dave. Roy Ayers spielt unplugged seinen größten Hit und die stimmgewaltige Big Maybelle stimmt auf das Wochenende ein. Viel Spaß!

Die meisten kennen den Song „Harlem Shuffle“ in der 1986er Cover-Version der Rolling Stones. Man kann bei dieser Aufnahme Bobby Womack als Background-Sänger hören. Der Song wurde ein Top 10 Hit in den amerikanischen Billboard Charts. Doch machte die Cover-Version auch neugierig auf das Original, was 20 Jahre vorher erschien.

Bobby Byrd und Earl Nelson waren in einer Vokal-Gruppe namens The Hollywood Flames engagiert. Der größte Hit der Flames erschien 1958 mit dem Titel „Buzz Buzz Buzz“. Anfang der 1960er Jahre veröffentlichten Bob und Earl als Duo bei Class Records. Doch ihre Aufnahmen waren nicht erfolgreich. Bobby Byrd machte als Solosänger unter den Namen Bobby Day weiter. Earl Nelson war trotzdem vom Duo-Konzept überzeugt und fand einen neuen Bob. Mit Bobby Relf, bekannt von den Formationen Laurels und Upfronts aus Los Angeles. Interessant: Barry White, der Jahre später als Solo-Sänger berühmt wurde, sang und spielte Klavier bei beiden Bands.

Ein weiterer Sänger aus Los Angeles, Round Robin, veröffentlichte den Song „Slauson Shuffletime“. Das neue Duo Earl Nelson und Bobby Relf adaptierten den Song für ihr „Harlem Shuffle“. Und bei der Produktion war auch wieder Barry White mit dabei. Der Song erschien 1963 bei Marc Records und wurde kein großer Hit. Das spätere Album von Bob & Earl war zwar erfolgreicher, doch Folge-Hits blieben aus. Der besondere Vokal-Sound inspirierte jedoch später den Stil u.a. von Sam & Dave beim Stax-Label.

Ende der 1960er Jahre wurde der Song in England wiederveröffentlicht und er wurde ein Top 10 Hit. Bob & Earl gingen da bereits getrennte Weg. Earl Nelson nahm unter dem Namen Jackie Lee 1965 einen weiteren Hit mit „The Duck“ auf. Als „Harlem Shuffle“ in England die Charts stürmte, tat sich das Duo wieder zusammen und ging auf Reunion-Tournee. In den frühen 1970er Jahren trennten sie sich, wie es heißt im Guten, endgültig.

The Hollywood Flames – Buzz Buzz Buzz → youtube-Link

Round Robin – Slauson Shuffletime → youtube-Link

Bob & Earl – Harlem Shuffle → youtube-Link

The Rolling Stones – Harlem Shuffle → youtube-Link

Kommen wir zu zwei Nummern, die eines gemeinsam haben: ein gutes Intro. Schon nach wenigen Sekunden weiß man… es wird ein guter Song. Yvonne Baker nahm in den 1960er Jahren für verschiedene Labels Songs auf. 1966 nahm sie „You Didn´t Say A Word“ auf, das leider nicht für einen James Bond Film verwendet wurde. Der Titel wurde Ende der 1960er Jahre in England durch die Northern Soul Szene wieder bekannt auf und gilt heute zurecht als Klassiker. Ein Northern Soul Allnighter Classic!

Yvonne Baker – You Didn’t Say A Word → youtube-Link

Sam & Dave, der Name fiel bereits. Sam war Samuel „Sam“ David Moore, und Dave war David „Dave“ Prater. Sie machten den Memphis Soul weltweit bekannt. Über Stax Records wurden viele ihrer Songs berühmt. „Soul Man“ oder „Hold On I´m Coming“ und viele andere Nummern waren große Hits. Sam nahm zusammen mit Lou Reed den Song „Soul Man“ für den gleichnamigen Film neu auf. Denn mit dem Erfolg der Blues Brothers kam auch der Erfolg in den 1980er Jahren zurück. Ich habe eine B-Seite ausgesucht, die ebenfalls ein starkes Intro hat. Kaum zu glauben, das Stax Records diesen Song auf eine B-Seite presste.

Sam & Dave – Wrap It Up → youtube-Link

Über Roy Ayers könnte man ein großes Special schreiben. Der aus Los Angeles stammende Vibraphonist gilt als einer der Großen des Jazzfunks. Er spielte mit vielen anderen Künstlern zusammen und erlebte in den 1980er Jahren im Zusammenhang mit der Acid Jazz Welle in England ein Revival. DJs entdeckten seine alten Platten und spielten sie wieder. Hier eine Unplugged-Version seines bekanntesten Song „Everyboy Loves The Sunshine“. Man achte auf das Funkeln in seinen Augen. Die Aufnahme entstand in den Brownswood Studios in London. Und wann gibt es schon ein Vibraphon zu hören…

Roy Ayers – Everybody Loves The Sunshine → youtube-Link

Der Rausschmeißer kommt von der hier bereits des Öfteren erwähnten Big Maybelle. Aus ihrer erfolgreichen Zeit bei Okeh Records habe ich „I´ve Got A Feeling“ ausgesucht. Einen guten Einstieg wie Überblick über ihre Zeit bei Okeh und Savoy Records bietet das Doppelalbum „The Complete King, Okeh & Savoy Releases 1947-1961“. Es erschien 2016 in England.

Big Maybelle – I’ve Got A Feeling → youtube-Link

Beim nächsten Mal gibt es ein Special über Trojan Records, das Label wurde im Juli 50 Jahre jung. Trojan Records ist nicht einfach ein Plattenlabel in London, sondern ein Lebensgefühl. Und dazu gibt es viel Musik, u.a. vom DJ, Regisseur, Autor und Tausendsassa Don Letts. Er brachte den Reggae zum Punk. Eine spannende Geschichte…

Peace and Soul

Stefan aka Freiraum

Soul Family Tree (41): Southern Soul und eine Hommage an Rick Hall

Soul-Freitag mit Stefan Haase vom Hamburger Freiraum-Blog, heute mit seiner Erinnerung an den im Januar verstorbenen Songwriter, Produzenten, Musiker und Muscle-Shoals-Studio-Boss Rick Hall:

Spricht man vom Südstaaten-Soul, so denkt man vermutlich zuerst an den Memphis-Soul. Heute gibt es eine Hommage an einen der Großen in der Musik und dem Erfinder von Southern-Soul. Rick Hall liebte den Rhythm & Blues, er ging in den späten 1950er Jahren ins stark segregierte Alabama und gründete die Florence Alabama Music Enterprises (FAME), bestehend aus dem Musikverlag FAME Publishing, dem Plattenlabel FAME Records und dem Aufnahmestudio FAME Recording Studios. Hall, ein Weißer, der in den Muscle Shoals Studios schwarze Musik produzierte und arrangierte. Die Geschichte klingt auch heute noch wie ein Wunder. Anfang der 1960er Jahre hatte Rick Hall sein Studio aufgebaut und verfügte über hervorragende Session-Musiker. Nebenbei überwand er Brücken zwischen Weiß und Schwarz und brach damit ein Tabu. Seine erste Session-Band bestand aus weißen Musikern, die zusammen mit afroamerikanischen Kollegen spielten.

Bereits eine der ersten Aufnahmen wurde ein Hit. Arthur Alexander nahm bei ihm seinen größten Hit „You Better Move On“ auf. Der Anfang war gemacht. Mit dem verdienten Geld baute Hall sein Studio weiter aus und es dauerte nur wenige Jahre, bis die großen Namen nach Muscle Shoals in die gleichnamigen Studios kamen. Und Rick Hall hatte Glück. Jerry Wexler (Atlantic Recordings) hatte gerade Aretha Franklin unter Vertrag genommen und schickte sie zu ihm für die Aufnahmen einiger Songs. Schon das erste Stück „I Never Loved a Man (The Way I Love You)“ wurde zum Inbegriff von Modern Soul und Aretha ein Star. Schnell entstand ein eigenständiger Sound. Was den Muscle Shoals Sound von Motown und Memphis unterschied, war die Instrumentierung. Hall setzte auf harte Arrangements und Dynamik, er spielte geschickt mit den musikalischen Genres und kreierte so den Southern-Soul.

In den 1960er Jahren nahmen viele namhafte Künstler bei Hall ihre besten Platten auf. Percy Sledge („When A Man Loves A Woman“) war ebenso dort wie Otis Redding, Arthur Conley, Clarence Carter, Wilson Pickett oder die Rhythm & Blues Queen Etta James. Alles was damals einen Namen hatte, ging in die Muscle Shoals Studios. Dem Atlantic-Mann Jerry Wexler war dieser Erfolg ein Dorn im Auge, und so machte er den Session-Musikern Anfang der 1970er Jahre ein finanzielles Angebot, das diese nicht ablehnen konnten. Rick Hall blieb der Stadt Muscle Shoals und seinem Studio dennoch treu und wandte sich vom Soul hin zu Country und Easy-Listening-Musik.

2013 erschien die Dokumentation „Muscle Shoals“ über sein Leben, die nicht nur wegen dem Soundtrack sehenswert ist. Rick Hall hatte sie alle im Studio gehabt. Wenn die Rolling Stones „schwarzer“ klingen wollten, gingen sie in die Muscle Shoals Studios. So entstanden dort Aufnahmen wie „Brown Sugar“ oder „Wild Horses“. Duane Allman und die Allman Brothers waren ebenso dort wie Lynyrd Skynyrd, die in den Studios ihr legendäres „Sweet Home Alabama“ aufnahmen.

Im Januar ist der „Father of Muscle Shoal“ im Alter von 85 Jahren gestorben.
Thank you Rick Hall.

Hier kommen 5 Songs aus den 1960er Jahren, alle produziert und arrangiert von Rick Hall und den berühmten Session-Musikern: Barry Beckett (Keyboards), Roger Hawkins (Schlagzeug), Jimmy Johnson (Gitarre) und David Hood (Bass).

Los geht es mit Queen Etta James mit „Tell Mama“. Es folgt Wilson Pickett, der eigentlich als Gast für Musik-Sessions nach Alabama kam und dann mit der verrückten Idee zu Hall ging, von den Beatles „Hey Jude“ zu covern. Zusammen u.a. mit Duane Allman wurde der Song eingespielt. Aretha Franklin folgt mit der Nummer, die der Inbegriff des Modern Souls wurde. Aretha nahm später dort auch ihren Hit „Respect“ auf. Otis Redding darf nicht fehlen, mit einer starken Nummer, „You Left The Water Running“. Zum Schluss kommt die Hymne schlechthin: „Sweet Soul Music“ von .

In vier Wochen gibt es gibt es wieder raren Rhythm & Blues mit weiteren musikalischen Ausgrabungen und Schätzen.

Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum

Soul Family Tree (38): Christmas Shopping mit den Stones

Letzter Black Friday vor dem Kalender-Wechsel. Vorweg ein paar Worte zum Soul Family Tree, der mit Veröffentlichung der heutigen Ausgabe das komplette Jahr 2017 im Kulturforum-Blog begleitet hat. Geboren wurde die gemeinsame Reihe aus einer Anregung des Hamburger Freiraum-Bloggers Stefan Haase, der hier regelmäßig Beiträge für die Serie schrieb und damit Spannendes, Vergessenes und vor allem musikalisch Erbauliches aus den Sparten R&B, Soul, Blues, Jazz und Artverwandtem zu Gehör brachte – herzlichen Dank, Stefan, für stets verlässliche Lieferung, unermüdliches Engagement, thematische Anregungen und vor allem exzellent groovende Beschallung. Im Ausblick auf 2018 bleibt uns nur, die Köpfe des Münchner Indie-Labels Trikont zu zitieren: „Wir machen weiter. Versprochen.“

Nun zum heutigen Thema: Man kennt das. Weihnachten steht vor der Tür, und die Mega-Acts des Musik-Business wollen auch alle ein Stück abhaben vom Christstollen, im Rahmen des kommerziellen Kaufrauschs, der absolut nichts mit dem Wiegenfest unseres Herrn zu tun hat, greifen die Rock’n’Roll-Topverdiener regelmäßig in die Portemonnaies derer, die händeringend noch ein Geschenk für die Oma suchen, Ober-Heuchler Bono lotst die Millionen via neuem, völlig belanglosem U2-Auswurf direktemang ins Steuer-freie Schwarzgeld-Paradies, für Ober-Langweiler McCartney ist dank völlig belanglosem Archiv-Abgrasen der Beatles-Cash-Cow eine weitere Top-Immobilie in bester Londoner City-Lage drin – und selbstredend darf auch die größte, altgedienteste, Tot-gespielteste Zombie-Show im Stadionrock-Zirkus, die Rolling Stones, in diesem Reigen der vorweihnachtlichen Moneten-Abgreifer nicht fehlen.
Im letzten Jahr haben sich The Walking Dead Richards, der notorische Dauerzappler Jagger und ihre Bagage immerhin dazu bequemt, mit „Blue & Lonesome“ ein neues Album einzuspielen, auch wenn ihnen hinsichtlich Titelauswahl nichts anderes eingefallen ist als das, was sie bereits zu Beginn ihrer Karriere weit über 50 Jahre zuvor praktizierten: Das Interpretieren von Songs schwarzer, US-amerikanischer Blues-Musiker wie Howlin‘ Wolf, Willie Dixon, Little Walter oder Jimmy Reed.
Heuer hat man sich die Neuinterpretationen gespart und stattdessen auf gut und lange Abgelagertes aus der Frühphase der Band zurückgegriffen, „On Air“ enthält von der BBC ausgestrahltes Live- und Studio-Material aus den Jahren 1963 bis 1965, neben ein paar Stones-Originalen wurden seinerzeit hauptsächlich Nummern aus dem amerikanischen R&B und elektrischen Chicago-Blues gecovert.
Die genannten aktuellen Stones-Tonträger kann man beide getrost in den Regalen der Media-Märkte, Saturn-Läden und Online-Versender verstauben lassen, ein Reinhören bei den Originalen, die der in den frühen Sechzigern aufstrebenden Briten-Combo als Vorlage dienten, ist indes über die Feiertage allemal ein lohnendes Unterfangen, in diesem Sinne sei zusätzlich auf die lesenswerten Ausführungen von form7-Blogger Gerhard Mersmann in seinem Beitrag „Wie der amerikanische Blues importiert wurde“ als begleitende Lektüre verwiesen.

„I’m really glad someone from the Rolling Stones is here. I love them very much. If it wasn’t for the Stones, none of the white Kids in the States would have heard of Muddy Waters, B.B. King or any of ‚em. Nobody knew my Music in the States until they played it.“
(Muddy Waters, Hampstead Country Club, London, 1970)

Die Rolling Stones haben ihre Interpretation der R&B-Ballade „You Better Move On“ des afroamerikanischen Soul- und Country-Songwriters Arthur Alexander im Januar 1964 auf ihrer Debüt-EP veröffentlicht. Das Stücke wurde unzählige Male gecovert, eine besonders gelungene, mit viel Seele im Gesang vorgetragene Fassung findet sich auf dem exzellenten Mink-DeVille-Album „Coup de Grâce“ aus dem Jahr 1981.
Arthur Alexander nahm sein Original 1961 in den berühmten FAME-/Muscle-Shoals-Studios in seiner Heimat Alabama auf, viele seiner eigenkomponierten Songs und Interpretationen aus der Feder anderer Autoren wurden in den frühen Sechzigern Hits und im Nachgang von zahlreichen berühmten Bands und Gesangs-Stars neu eingespielt. Er ist der einzige Songwriter, der auf Studio-Alben der Stones, der Beatles und von Bob Dylan gecovert wurde.
Ab Mitte der Sechziger blieb der Erfolg für Alexander aus, in den Siebzigern reichte es nochmal für ein kurzes Comeback. 1972 hat er im Original die Nummer „Burning Love“ aus der Feder des Country-Songwriters Dennis Linde aufgenommen und als Single bei Warner Brothers veröffentlicht, Elvis Presley verwertete das Stück noch im selben Jahr als 7“, es sollte der letzte Top-Ten-Hit des Kings in den Staaten sein.
Ab Mitte der siebziger Jahre hat sich Arthur Alexander aus dem Musikgeschäft zurückgezogen und viele Jahre als Busfahrer gearbeitet. 1993 veröffentlichte er nach 21 Jahren Auszeit ein neues Album und gab wieder Konzerte, kurz darauf ist er im selben Jahr im jungen Alter von 53 Lenzen einem schweren Herzinfarkt erlegen.

Willie Dixon war einer, bei dem sich die Stones immer gern bedient haben, das war 1964 so mit der Nummer „I Just Want To Make Love To You“, die vor allem in der ersten Einspielung von Muddy Waters bekannt wurde, ihrer Single „The Little Red Rooster“ aus dem selben Jahr, und das war viele Jahrzehnte später auf dem „Blue & Lonesome“-Album nicht anders, wo Dixon gleich zweimal als Autor genannt wird. Hier eine Interpretation des Songs über den kleinen roten Hahn vom Songschreiber selber, die er auf seinem wunderbaren Album „I Am The Blues“ im Jahr 1970 für Columbia Records einspielte. Der Longplayer enthält neun Willie-Dixon-Kompositionen, darunter bekannte Titel wie „Back Door Man“, „Spoonful“ und „(I’m Your) Hoochie Coochie Man“, die im Original von Blues-Größen wie Howlin‘ Wolf und Muddy Waters interpretiert wurden, oft mit Willie Dixon selbst am Bass bei den Studio-Aufnahmen.

„Ich habe jedes Lick geklaut, das er jemals gespielt hat“ bekennt Keith Richards in Bezug auf Chuck Berry in seiner ellenlangen, selbstbeweihräuchernden, selten das Niveau eines schlechten Schüleraufsatzes verlassenden Autobiografie „Life“ auf Seite 618, da hätte The Walking Dead nicht explizit drauf hinweisen müssen, jeder, der zwei gesunde Ohren und etwas Gespür für Musik besitzt, hätte das auch so ohne Weiteres rausgehört. Ohne Chuck Berry keine Rolling Stones, eine Binsenweisheit, die Jagger/Richards & Co durch wiederholtes Bedienen bei den Klassikern des Godfathers of Rock’n’Roll auf ihrem Frühwerk untermauern. 1963 haben sie die Berry-Nummer „Come On“ als Debüt-Single veröffentlicht, das Stück „Carol“ sollte ein Jahr später folgen. Hier das Original vom Mann mit dem Duck-Walk, der im vergangenen März im gesegneten Alter von 90 Jahresringen in den Rock’n’Roller-Himmel aufgefahren ist.
„Carol“ von Chuck Berry, „A Christmas Carol“, quasi, eingedenk der Tatsache, dass übermorgen das Christkind kommt…

Die Stones selbst haben in ihrer jahrzehntelangen Karriere immer wieder gerne mit ihren schwarzen Blues-Vorbildern zusammengespielt, bei den Aufnahmen zum Martin-Scorsese-Konzertfilm „Shine A Light“ 2006 im New Yorker Beacon Theatre etwa mischte Gitarristen-Legende Buddy Guy mit, 1981 trafen sich die Steine mit ihrem großen Idol Muddy Waters zu einem gemeinsamen Konzert in einem Blues Club in der Southside von Chicago, nachzuhören auf dem 2012 veröffentlichten Live-Album „Live At The Checkerboard Lounge, Chicago 1981“.
Bereits Anfang der Siebziger waren Mitglieder der Rolling Stones an einer der ersten sogenannten „Blues Super Sessions“ beteiligt, unter maßgeblichem Engagement von Eric Clapton wurde Mr. Chester Burnett aka Howlin‘ Wolf mit seinem langjährigen Gitarristen Hubert Sumlin im Frühsommer 1970 nach London eingeflogen, in den Olympic Sound Studios der Themse-Metropole traf die Südstaaten-Blues-Legende zu mehrtägigen Sessions auf prominente britische Verehrer der nächsten Generation wie eben Clapton selbst, Beatle Ringo Starr und die Rhythmus-Abteilung der Rolling Stones in Person von Drummer Charlie Watts, Basser Bill Wyman sowie dem sechsten Stone, den Pianisten Ian Stewart.
Einige Passagen wie etwa die Keyboard-Parts von Steve Winwood und die Trompete von Jordan Sandke wurden später per Overdubbing in den Chicagoer Chess-Studios ergänzt.
Aus „The London Howlin‘ Wolf Sessions“ hier die Willie-Dixon-Nummer „Built For Comfort“:

Das war’s an der Stelle mit Black Music für 2017, habt ein friedliches und besinnliches Weihnachtsfest, verrenkt Euch nicht den Magen mit zuviel Glühwein und dem anderen Süßkram, und singt schön mit beim Krippen-Spiel, zur Not einen Song von Soul-Preacher Solomon Burke (bei dem haben die Stones im Übrigen auch gern geklaut). Merry Soulful Christmas!

Soul Family Tree (22): Tanzbar Special

Black Friday, my dudes, heute mit einem Gastbeitrag vom Hamburger Freiraum-Blogger Stefan Haase mit Dance-Grooves zum Abhotten, schwingt die Tanzbeine, Disco-Fox und ab dafür:

Heute heißt das Motto: Tanzbar. Es gibt Soul und R’n’B fürs Herz aber auch für die Arme und Beine. Floorfillers zum Vorglühen auf das Wochenende. Rare, teils abgefahrene Grooves und „Foot Stompin Soul“ für die musikalische Fahrt ins Vergnügen. All Filler, No Killer!

Los geht es mit Geno Washington, der als amerikanischer Soldat in den 1960er Jahren nach England kam und blieb. Er gründete seine Band The Ram Jam und legte im damaligen hippen London los. Mit seinem Album „Foot Stompin Soul“ wurde die Richtung vorgegeben. Dexys Mindnight Runners ehrten ihn in ihrem Song „Geno“. Zum Einstieg gibt es eine ruhigere Nummer. Doch wer seine Live-Version von „Que Sera“ hören möchte, klickt hier. Oder ein Ausschnitt eines Konzertes im Londoner Marquee Club.

Marsha Gee ist nach wie vor ein Geheimnis. Aufgenommen wurde die Single „Peanut Duck“ 1965 in einem amerikanischen Studio. Doch sie wurde nicht veröffentlicht. Erst in den 1980er Jahren entdeckte sie ein DJ, und erst 2005 wurde die Single erstmals veröffentlicht. Der Name der Sängerin soll auch nicht Marsha Gee sein. Doch das ist egal. Denn dieser Song ist nach wie vor eine rare Perle.

Der Texaner Roy Head veröffentlichte seine Single „Treat Her Right“ 1965, und sie wurde sein größter Hit. Andere Künstler wie George Thorogood oder Johnny Thunders coverten den Song.

Della Reese ist eine amerikanische Sängerin und Schauspielerin mit einer Bandbreite zwischen Gospel, Soul und Pop. 1960 nahm sie das Album „Della Della Cha Cha Cha“ auf. Und wir hören daraus „Come On A My House“.

Mit Georgie Fame geht es nach England. Er ist Keyboarder und Songschreiber und hatte früh den Groove heraus, in dem er z.B. den Song „Sunny“ coverte, aber auch mit Eigenkompositionen. Seine berühmteste war „The Ballad Of Bonnie And Clyde“.

Mit abgedrehten Klängen von Ananda Shankar beenden wir die heutige Tanzbar. In den späten 1960er Jahren ging Shankar in die USA, spielte u.a. mit Jimi Hendrix zusammen und nahm ein Album nur mit Coverversionen auf. Hier gibt es die Rolling Stones im Indien-Style:

Ich hoffe, es hat Spaß gemacht. Bis zum nächsten Mal.

Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum

Soul Family Tree (3): Sharon Jones, Shirley Bassey, Slim Harpo, David Bowie

cephaswiggins

Black Friday, once again, das nächste Menü aus der Soul Kitchen, serviert von Stefan Haase vom Hamburger Freiraum-Blog, heute unter anderem mit einer Reminiszenz an den Thin White Duke – do the hip shake, Brothers and Sisters:

Wer noch nach einer guten Anleitung für das angebrochene Jahr sucht, dem sei „Shake Your Hips“ empfohlen. 2016 beschäftigt auch im neuen Jahr. Und es bleibt bewegend und abwechslungsreich mit Sharon Jones, Shirley Bassey, Slim Harpo und mit einer Erinnerung an David Bowie.

Wenn das Leben eine lebenslange Prüfung ist, dann wurde Sharon Jones besonders hart geprüft. 20 Jahre lang versuchte sie, einen Plattenvertrag zu bekommen. Unbeirrt verfolgte sie ihr Ziel, nahm verschiedene Jobs, u.a. als Gefängniswärterin, an. Sie wurde als zu alt, zu klein, zu dick abgelehnt und es dauerte bis 2002, als sie bei dem neu gegründeten Plattenlabel Daptone Records ihr Ziel erreichte und einen Plattenvertrag unterschrieb. Mit 46 Jahren startete sie ihre erfolgreiche, wenngleich zu kurze Musikkarriere. Denn das Schicksal schlug wieder zu. 2013 wurde bei ihr Krebs diagnostiziert. Bereits wenige Monate später in 2014 stand sie wieder auf der Bühne. Mit kurz geschorenen Haaren trat sie auf, was man auch als klares Statement verstehen kann. Die Liebe und Zuneigung ihrer Fans war ihre Medizin, wie sie in Interviews betonte. Mittlerweile hatte sie auch Erfolg und spielte vor ausverkauften Häusern. Doch der Krebs streute wieder und im November 2016 starb sie an ihrer Erkrankung.
Dem Fernsehsender ARTE sei Dank. Sie filmten ein Konzert aus 2014 im Pariser Olympia, was natürlich ausverkauft war. Ganz wie die Großen des Soul in den 60er Jahren ließ sie sich von ihrer formidablen Band The Dap Kings ankündigen, betrat nach ca. 15 Minuten die Bühne und lieferte ein energiegeladenes Konzert ab.
Sharon Jones hat nie aufgegeben, an sich zu glauben, und stets Haltung gezeigt. Eines meiner Lieblingslieder von ihr ist eine ruhige Nummer: „Slow Down Love“. Doch bitte nicht vergessen: auf ARTE das Konzert anschauen. Es lohnt sich.

„Don’t have to move yo‘ head
Don’t have to move yo‘ hands
Don’t have to move yo‘ lips
Just shake yo‘ hips…“

Slim Harpo (1924-1970) gehört zu den Legenden im Blues. Besonders sein Harmonika-Spiel begeisterte das Publikum. Nicht zu vergessen: sein Einfluss auf andere Künstler war groß und ist es immer noch. Das Lied „Shake Your Hips“ wurde u.a. von den Rolling Stones (auf dem Album „Exile On Main St.“) aufgenommen. Und den Gitarrenriff kann man z.B. bei ZZ Top´s „La Grange“ hören. In den 60r Jahren hatte er zudem großen kommerziellen Erfolg und war einer der erfolgreichsten Blueskünstler seiner Zeit. Also folgen wir doch einfach Slim Harpos Worten „Shake Your Hips“.

Die gebürtige Waliserin (Dame) Shirley Bassey wurde am 8. Januar 80 Jahre alt. Die meisten kennen sie u.a. durch ihre Zusammenarbeit mit Yello („The Rythm Divine“) oder mit Propellerheadz („History Repeating“) und als einzige Sängerin, die in drei Filmen einen James- Bond-Titelsong sang („Goldfinger“, „Diamonds Are Forever“, „Moonraker“). Vor 60 Jahren erschien ihre erste Single und sie hatte das Glück, über mehrere Jahrzehnte erfolgreich zu sein. Und das, obwohl es wenige Single-Hits von ihr gibt. Schon früh verkörperte sie die Diva auf der Bühne. Besonders hervorzuheben ist ihre kraftvolle Stimme. Der Zufall wollte es zudem, dass mir ein Remix vom amerikanischen DJ Kenny Dope in die Ohren kam, der ihre Interpretation von „Light My Fire“ von 1970 remixte und in die Neuzeit hob. Das ist Entertainment.

Am 8. Januar hätte David Bowie seinen 70. Geburtstag gehabt. Und am 10. Januar war sein Todestag. In einem Nachruf schrieb ich: „Er schaffte den Sprung vom Künstler zum eigenen Kunstwerk früh. Etwas was nur wenige schaffen. Nicht das er als Künstler nur seine Äußerlichkeit und den Musikstil änderte. Nein, er änderte den ganzen Hintergrund seines eigenen Gemäldes und wurde damit früh künstlerisch unsterblich.“

Und sein Produzent, auch vom letzten Album, Tony Visconti, sagte: „His death was no different from his life – a work of Art.“ In Erinnerung an einen der großen Künstler in der Musik. David Bowie mit „Lady Grinning Soul“.

Und beim nächsten Mal werde ich u.a. an den 10. Todestag von James Brown erinnern.

Peace and Soul.