Townes Van Zandt

Soul Family Tree (59): Soul goes Country, again – und eine Handvoll Jubiläen…

Black Friday, heute mit einem neuen Beitrag vom Hamburger Freiraum-Blogger Stefan Haase: „Soul goes Country“ hieß es in dieser Reihe bereits im November 2017 mit der Würdigung der „Dirty Laundry“-Sampler aus dem Hause Trikont, mit Johnny-Cash-Nummern in der Soul-Interpretation von Brian Owens und ausgewählten Songs der Altmeister Solomon Burke und Charlie Rich, heute knüpft Stefan an das Thema an und erinnert darüber hinaus an einige Jubiläen aus der Welt des Hip Hop:

Heute geht es im Soul Family Tree um die Begegnung von Country und Soul. Countrystars singen Soul. Und mit Ray Charles gibt es einen recht prominenten Vorreiter des Soul-Genres, der gleich mehrere Country-Alben aufnahm. Bereits 1959 legte er mit dem Album „Modern Sounds In Country & Western“ einen Meilenstein vor. Dazu blicken wir 30 Jahre zurück und erinnern an das Debüt von De La Soul und an das vor 15 Jahren erschienene Meisterwerk von Madvillain. Und als Bonus gibt es obendrauf eine sehr gute Musik-Dokumentation.

Kommen wir gleich zu Beginn zu Ray Charles. Er perfektionierte seinen eigenen Stil aus Blues, Gospel und Jazz und hatte bereits früh einen Plattenvertrag bei Atlantic Records. Angetrieben von dem Wunsch, ganz nach oben zu kommen, nahm er zahlreiche Hits auf: „What I’d Say“ oder „Hit The Road Jack“ stürmten die R&B- und Pop-Charts. Ende der 1950er Jahre war er bereits auf dem Höhepunkt seiner Karriere und wechselte zu ABC Paramount. Dort bekam er volle künstlerische Freiheit und schrieb mit dem Album „Modern Sounds In Country & Western“ Musikgeschichte.

Als Kind saß er vor dem Radio und hörte die Sendung „Grand Ole Opry“, die bekannteste Country-Show des Landes. Seitdem träumte er davon, ein Country-Album aufzunehmen. Mit dem neuen Plattenvertrag ist er selbstbewusst genug, es zu tun. Doch spielte er die Songs nicht einfach nach. Er machte daraus swingende Pop-Nummern mit üppigen Streicher- und Bläser-Arrangements.

„Modern Sounds In Country & Western“ gilt als eines der erfolgreichsten Country-Alben überhaupt. Aber Ray Charles erreicht damit sehr viel mehr als ein paar Hits in den Billboard Charts. Auf seinen Konzerten tanzen schwarze und weiße Jugendliche gemeinsam. Er verband beide Welten, was einer kleinen Revolution im Amerika der Rassentrennung gleichkam.

Ray CharlesJust A Little Lovin‘

Und hier ein Wiederhören mit dem König des Swamp-Rock, Tony Joe White, der leider im Oktober letzten Jahres verstarb:

Tony Joe WhiteDid Somebody Make A Fool Out Of You

Townes Van ZandtBlack Widow Blues

Bobbie GentryMississippi Delta

Johnny DayeStay Baby Stay

The Country Soul ReviewSapelo (feat. Larry John Wilson)

Millie JacksonPick Me Up On Your Way Down

Blicken wir zurück. Im März 1989 veröffentlichten De La Soul ihr Debüt „3 Feet High And Rising“. Das Hip-Hop-Trio aus New York begründete damit einen Stil-Wechsel. Weg vom Gangsta-Rap und hin zu einem mehr freundlicheren Auftritt. Das nannte sich Native Tongues Posse und erlebte in den 1990er-Jahren seine Blütezeit. Aus dieser Zeit stammen Künstler wie Queen Latifah, Jungle Brothers oder A Tribe Called Quest.

De La SoulPlug Tunin‘ (Last Chance To Comprehend)

Und vor 15 Jahren erschien das Debüt vom Hip-Hop-Duo Madvillain. Damals zunächst kein großer kommerzieller Erfolg, dieser sollte sich erst mit den Jahren einstellen. Heute zählt das Debüt zu den besten HipHop-Alben aller Zeiten. Besonders die gekonnte Sample-Technik, unter anderem der Einfluss von Jazz-Samples, macht dieses Album auch heute noch zu einem hörenswerten Kunstwerk.

MadvillainAll Cabs

Vor fast 20 Jahren kamen die damaligen Rapper Dr. Dre, Snoop Dogg, Ice Cube und Eminem für eine Konzerttour zusammen. In der Arte-Dokumentation „Up In Smoke“ sieht man nicht nur eine grandiose Hip-Hop-Show, sondern erhält auch einen Blick hinter die Kulissen. Gefilmt wurde die Tournee und das Konzert am 20. Juli 2000 in Worcester, Massachusetts. Und diese sehenswerte Dokumentation gibt es noch bis zum 1. Juni in der arte-Mediathek.

Bis zum nächsten Mal.

Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum.

Willie Nelson Tribute @ Unter Deck, München, 2015-11-09

Der große Willie Nelson Tribute Abend mit Franz Dobler, Philip Bradatsch und Markus Naegele zum Erscheinen der Willie-Nelson-Biografie „Mein Leben: Eine lange Geschichte“ bei Heyne Hardcore.

„Was ist der Unterschied zwischen einem Steuerfahnder und einer Hure? Eine Hure hört auf, dich zu ficken, wenn du tot bist.“
(Willie Nelson)

Eine großartig-launige Country-Nacht wurde am vergangenen Montag im Münchner Unter Deck von Markus Naegele anmoderiert und spaßig kommentiert, der Chef-Lektor des Heyne-Hardcore-Programms hat die Werbetrommel mächtig-prächtig gerührt für die in diesen Tagen erscheinende Lebensrückschau der amerikanischen Country-Ikone Willie Nelson, zum Vorlesen aus dem Werk war kein Geringerer als der Augsburger Autor, Journalist und Country-Music-Experte Franz Dobler angereist, wer sollte sich auch besser für den Job eignen als er, hat er doch selbst vor einigen Jahren eine gewichtige, absolut lesenswerte Biografie über den großen Johnny Cash verfasst, die Nummer bereits vor einiger Zeit mit Ry Cooders Story-Sammlung „In den Straßen von Los Angeles“ mustergültig durchexerziert und fortwährend vor allem auf seinem Blog blitzgescheite Kommentare zur amerikanischen Volksmusik zum Besten gegeben.

In ausgewählten Passagen gewährte uns Dobler mit seinem Vortrag erste Einblicke in die Willie-Nelson-Welt, die musikalische Prägung in Willies Kindheit, den Stress mit den Frauen, das Versinken im Keinen-Job-finden-Blues, den Zirkus mit der amerikanischen Steuerbehörde, seinen Zugang und seine Gedanken zum Bewusstseins-erweiternden Kraut, sein Verhältnis zur Hippie-Kultur und die Erlebnisse mit Präsident Jimmy Carter auf dem Dach des White House, bei dem der Konsum vom Cannabis-Produkt eine nicht unwesentliche Rolle spielte.
Eine Neugier-anregende Lesung, die ohne große Umschweife die gewichtige Frage klärte, was sich der Kulturforums-Gringo dieses Jahr als Lektüre unter den Christbaum schmeißt. Howdy, Cowgirls and Cowboys, I’ll keep you informed…

Da sind sie extra aus Augsburg angereist, die Country-Experten, um uns Münchner Hillbillies zu zeigen, wo der Bartel in Sachen Cowboy-Musik den Most holt:
Der ebenfalls aus der schönen Fuggerstadt stammende Philip Bradatsch, Bandmitglied bei der Allgäuer Americana-Combo The Dinosaur Truckers und Deutschlands derzeit vielleicht bester Bluegrass- und Country-Musiker, gab dem Abend zur Ehre gereichendes Liedgut des großen alten Mannes der amerikanischen Country-Musik in den Lesepausen wie „On The Road Again“, „Crazy“ oder „Red Headed Stranger“ zum Besten, eine anrührende Fassung von „Always On My Mind“ und den All-Time-Klassiker „Pancho And Lefty“ vom größten Songwriter aller Zeiten, the late and great Townes Van Zandt, und zum Ausklang des Abends glänzte Bradatsch mit eigenem, nicht minder großartigen Songs aus seinem jüngst erschienenem Solo-Werk ‚When I’m Cruel‘ (2015, Off Label Records), auch darüber wird hier noch zu berichten sein.

Jetzt aber erstmal das Pferd gesattelt, den Stetson auf die Birne gepflanzt, die Flinte durchgeladen, den Flachmann klargemacht und in den Sonnenuntergang geritten. So long, Brothers and Sisters…

Soundtrack des Tages (49)

Townes Van Zandt – Pancho And Lefty


 
Townes Van Zandt – The Story Behind „Pancho And Lefty“


 
Dropkick Murphys – The Green Fields Of France


 
The Men They Couldn’t Hang – The Green Fields Of France