Video

Weihnachssoundtrack 2019

Der Sänger der österreichischen Punk-Band The Forum Walters aus Vöcklabruck haut einen raus: Ein Winterlied aus der alpenländischen Folklore. Mit Weißen Weihnachten is eh nix, da kann man auch im Dezember in Shorts rumrennen. Frohes Fest allerseits.

The Thurston Moore Group + Rattle @ Strom, München, 2019-10-27

Als „The Ultimate Church Of Sound“ beschrieb einst in einem Interview der englische Throbbing-Gristle-/Psychic-TV-Weirdo Genesis P-Orridge die eruptiven Erschütterungen der Jimi Hendrix Experience, was der Gitarrengott aus Seattle für die Rockmusik der späten Sechziger im Alleingang leistete, darf sein Landsmann Thurston Moore zwanzig Jahre später für den No-Wave-, Noise, Experimental- und Alternative Rock vermutlich nicht ausschließlich komplett für sich selbst in Anspruch nehmen, maßgeblich mit stilbildend für den Indie-Sound ab den auslaufenden Achtzigern war er zweifellos mit seinem unverwechselbaren Gitarrenspiel bei der New Yorker Indie-Vorzeigekapelle Sonic Youth, die seinerzeit neben Moore mit Bandkollegen Lee Ranaldo einen weiteren Meister der krachenden sechs Saiten in ihren Reihen hatte.
Seit der Bandauflösung 2011 tummelte sich Thurston Moore in diversen Projekten, zwischenzeitlich mit Chelsea Light Moving in einem neuen, kurzlebigen, vielversprechenden Band-Format, davor und danach zuweilen in experimentellen Kollaborationen, dann wieder in konventionelleren Rock-Songs verhaftet wie auf seinen aktuelleren Alben „Rock n Roll Consciousness“ und „The Best Day“.
Seit Mitte September ist mit dem Tripple-Box-Set „Spirit Counsel“ sein jüngstes Werk in den (virtuellen) Plattenläden zu haben, und mit der Live-Aufführung der beiden ausladenden Instrumental-Nummern „ALICE MOKI JANE“ und „8 Spring Street“ kamen Thurston Moore, seine langjährigen Begleiter, die My-Bloody-Valentine-Bassistin Debbie Googe und der englische Gitarrist James Sedwards, plus ein neuer Mann an den Drums als Steve-Shelley-Ersatz einer experimentellen, modernen Variante der eingangs zitierten ultimativen Sound-Kirche sehr nahe.
Thurston Moore strebte mit dem kollektiven Improvisieren vertrauter wie avantgardistischer Gitarren-Tunes in perkussiver Begleitung einen spirituellen Geisteszustand an – Kontemplation und Energie, die ihre Kraft ungebremst vom Bühnengeschehen in Richtung Auditorium ausstrahlte. In der ersten Nummer würdigte der Noise-Großmeister die Jazz-Größen Alice Coltrane, Moki Cherry und Jayne Cortez, allesamt selbst Klangforscherinnen, die mit ihrer Musik die höheren Bewusstseinszustände anstreben.
„8 Spring Street“ ist die New Yorker Adresse des Apartments, in dem Thurston Moore seinem Mentor Glenn Branca in den späten Siebzigern zum ersten Mal zu einer gemeinsamen Probe begegnete. Der Geist des im vergangenen Jahr verstorbenen Minimal-/Drone-Pioniers schien über dem kompletten Set zu schweben, zuforderst in schier endlosen, minimalistischen, hypnotisch sich permanent wiederholenden Gitarrenriff-Schleifen. Branca, sein „Guitar Orchestra“ und Moores frühe Mitarbeit an den Ensembles des Avantgarde-Komponisiten wurden in einer ausgedehnten Zugabe als maßgeblicher Einfluss auf den späteren Klangkosmos des Sonic-Youth-Gründers gewürdigt.
Ein Klangkosmos, den Thurston Moore in seinen aktuellen, Gesangs-freien konzertanten Aufführungen grandios ergreifend offensichtlich zur Gänze entfaltet. Eingangs ruhige Ambient-Klänge, die sich nach minutenlanger Gitarren-Mediation in Richtung gängige Indie-Rock-Riffs mit dem vertrauten Sonic-Youth-Klirren und -Dröhnen entwickeln, um nach mehreren, wiederholten Improvisations-Mutationen in zwischenzeitlichen, übersteuerten Feedback-Orgasmen zu explodieren. Dazwischen, danach, wiederholt Postrock-artige Crescendi, lärmend-hymnische Soundwände, experimentelles Bleistift-Spreizen zwischen die Gitarren-Saiten zum Erzeugen exotischer, asiatisch angehauchter Drone-Töne. Die schiere Wucht und die Vielfalt der tonalen wie atonalen Ausdrucksformen auf Thurston Moores 12-saitigem Fender-Instrument, der seine Mitmusiker wie das Publikum gebannt konzentriert beiwohnen und folgen, ist mit Worten kaum zu beschreiben, ansatzweise ist es auf dem aktuellen Tonträger erlebbar, den Klang-forschenden Genius und die Kraft der ausladenden Stromgitarren-Kompositionen wird man voll umfänglich nur in der Live-Version erfassen. Wohl denen, die am vergangenen Sonntagabend im Münchner Strom diesem erschütternden Beben beiwohnen durften. Wer Songs erwartete, könnte ein langes Gesicht zur Schau getragen haben, wer weiß. Die mit den offenen Ohren und der unvoreingenommenen Herangehensweise ernteten reichhaltig, pures Gold gar.

The Thurston Moore Group live dieser Tage, dringende Empfehlung: heute Abend in Frankfurt/Main, im Das Bett. Weitere Termine im alten Europa:

31.10.Antwerpen – Filter Festival
01.11.Den Haag – Crossing Border festival
02.11.Nantes – Soy Festival
03.11.Berlin – Festsaal Kreuzberg
09.11.Kortrijk – Sonic City Festival
10.11.Salford – The White Hotel

Bevor Meister Moore und die Seinen zu fortgeschrittener Stunde am Sonntagabend die Bühne des Strom-Clubs beehrten, durften die beiden jungen Engländerinnen Katharine Eira Brown und Theresa Wrigley vom Postpunk-Duo Rattle aus Nottingham für eine knappe, verschwendete halbe Stunde ihre Trommelkünste demonstrieren. Allzuweit war’s damit nicht her, um es kurz zu machen. Eine gemeinsam bespielte, repetitiv-druckvolle Uptempo-Rhythmik an der Grenze zur schnörkellosen Monotonie, zu der die Ladies sich das Hi-Hat teilten und Katharine Brown angelegentlich ihre beschwörenden Gesänge anstimmte. This Heat für Arme, die Beschallung zum rituellen Hypnose-Tanz vollgedröhnter Halbnackter ums Feuer. Da im Saal weder ein Feuer loderte (durch diesen Sound schon mal gar nicht entfacht) noch irgendwelche sedierten Entblößten rumturnten, war’s ein sich schnell abnutzendes Unterfangen – beim dritten Gähnen war der Trommel-Workshop durchgefallen…

Soundtrack des Tages (212): Der König ist tot, lang lebe der König!

Remember Elvis Aaron Presley: Heute vor 42 Jahren hat der King das Building verlassen, 42 Jahre war er damals im August alt, seitdem ist er nicht wieder zurückgekommen, wenn auch der ein oder andere frech behauptet, er wäre ihm später noch nächtens am Bar-Tresen des Heartbreak Hotel beim Heulen ins Bier oder in einem fetten Ami-Schlitten mit einer feschen Blondine an seiner Seite auf dem endlosen Highway der unerfüllten Teenager-Träume erschienen. Wie der alte Neil Young so schön anmerkte: Der König ist gegangen, aber er ist nicht vergessen – hier zum Gedenktag eine Auswahl an Song-Reminiszenzen aus dem reichhaltigen Fundus seiner musizierenden Verehrer. Schmalzt Euch die Locke & shake your pelvis, true lovers of rock and roll!

Die kalifornischen Hauruck-Punks The Vandals besangen in ihrer 1989er-Nummer „Elvis Decanter“ einen Krug full of whiskey in the image of the King – wie passend zum aufgeschwemmten Zustand des Las-Vegas-Entertainers der späten Jahre…

Der ewig hinter prominenteren Kollegen seiner Zunft wie Springsteen oder Warren Zevon in der zweiten Reihe anstehende New Yorker Songwriter Elliott Murphy erinnert sich in seiner wunderbaren Ballade „On Elvis Presley’s Birthday“ an eine großartige Zeit, als er mit seinem Dad im Cadillac am Geburtstag des King durch die Gegend peste: „My father liked Elvis and it was worderful / We drove trough black neighborhoods / On Long Island’s north shore / When Elvis was alive…“

1986 ignorierte die englische Punk-Band The Membranes auf ihrem Longplayer „Songs Of Love And Fury“ in einer 48-Sekunden-Nummer den desolaten Gesundheitszustand des Kings in seinen letzten Lebensjahren: „The Elvis I Knew Was No Junkie“, worauf ein alter Freund nach Vorspielen der Scheibe sarkastisch anmerkte: „The Junkie I Knew Was No Elvis“. Haha.
Die Membranes sind seit 2009 wieder aktiv, Sänger John Robb hat während der zwischenzeitlichen Band-Auflösung eine Handvoll an Musik-Dokumentationen in Buchform publiziert, unter anderem eine launige Oral History zum Thema „Punk Rock“. Was das alles mit dem King zu tun hat? Eher weniger. War ja nicht so das Ding der englischen Punks. „No Elvis, Beatles, or The Rolling Stones in 1977“ gaben The Clash in einem ihrer frühen Songs als Devise aus. Den Schwenk vom King zum Punk hat Musiker, DJ und Autor Peter Hook in seiner Band-Bio „Unknown Pleasures. Inside Joy Divison“ lakonisch dokumentiert: „August 16, 1977: The Buzzcocks sign to United Artists on the bar of the Electric Circus. Elvis Presley dies“. Ende alte Zeit, Anfang neue Zeit, Punktum. Haben beinharte Elvis-Fans wie Johnny Ramone oder Lux Interior jenseits des Atlantiks natürlich völlig anders gesehen…

Songs mit dem Titel „Velvet Elvis“ gibt es auch von fragwürdigen Pop-Weibsen wie Alex Winston und Kacey Musgraves, deren schleimiger Sondermüll zum Thema nichts mit der schmissigen Nummer von Scott Davison gemein hat, 1986 auf dem feinen Sampler „Welcome To Comboland. A Collection Of Twelve Artists From North Carolina“ veröffentlicht.

Das brachiale US-Noiserock-Trio Killdozer verhackstückte vor dreißig Jahren den Elvis-Hit „Burnin‘ Love“ aus der Feder des Country-Songwriters Dennis Linde auf ihrer grandiosen Coverversionen-Sammlung „For Ladies Only“, auf der sich neben weiteren Nachgespielt-Perlen auch die einzig erträgliche Fassung des Don-McLean-Schmachtfetzens „American Pie“ findet (die ja auch irgendwie was mit dem King zu tun hat). Killdozer waren eine super Live-Band, kaum jemandem trieb es die Halsadern so schön beim Brüllen heraus wie dem krakeelenden Basser Michael Gerald…

Dem „King’s Call“ folgte 1980 der wenige Jahre später selbst viel zu früh dahingeschiedene Thin-Lizzy-Leader Phil Lynott auf seinem ersten Album ohne Stammformation, „Solo In Soho“. Der irische Hardrock-Bassist, Sänger und Songwriter wurde bei der Nummer von Mark Knopfler an den Stromgitarren-Saiten begleitet, passte wie A… auf Eimer, der ehemalige Dire-Straits-Vorsteher ist mit Nummern wie „Calling Elvis“ und „Back To Tupelo“ selbst bekennender Elvis-Verehrer.

Dass „Tupelo“ von Nick Cave und seinen Bad Seeds von der Geburt des Kings handelt, weiß mittlerweile wahrscheinlich selbst der letzte Southern-Gothic-Hinterwäldler am Mississippi, egal, ein großer Post-Blues-Wurf war die Singles-Auskopplung vom 1985er-Album „The Firstborn Is Dead“ allemal – auch der Longplayer-Titel eine Elvis-Referenz, by the way und falls noch nicht bekannt…

The Residents, die lange Zeit großen Unbekannten des amerikanischen Multimedia-Undergrounds, widmeten Elvis 1989 mit „The King & Eye“ ein Konzept-Album mit experimentellen Elektro-Bearbeitungen seiner bekanntesten Schlager. Bereits Ende der Siebziger machten sie sich auf ihrer „Duck Stab!“-EP im Song „Elvis And His Boss“ Gedanken zum frühen Abgang des Königs: „Straight to the top / I’ll never stop / I’ll die before my day“.

Großen Elvis-Imitator-Sport bieten seit Ende der Achtziger Sänger Tortelvis und seine kalifornische Cover-Combo Dread Zeppelin„best known for performing the songs of Led Zeppelin in a reggae style as sung by a 300-pound (140 kg) Las Vegas Elvis impersonator“. Nach wie vor aktiv und vermutlich nach wie vor die vom Roadie umgehängten Seidentücher im King-Style ins Volk werfend. Hier die Zeppelin-Nummer „Black Dog“ aus der Feder von Jones, Page & Plant im „Jamaika goes Las-Vegas-Trash“-Crossover:

Zum Schluss King Elvis himself mit dem Led-Zep-Klassiker „Stariway To Heaven“. Den Treppenaufgang zum Himmel hat er am 16. August 1977 dann wie allseits bekannt direktemang selbst genommen – eine der tot-gespieltesten Nummern des Siebziger-Stadion-Rock, passt ja auch irgendwie zum Thema…