Westpark

München entnazifiziert

München entnazifiziert

Der Münchner Bauunternehmer Leonhard Moll hat in der NS-Zeit lukrative Geschäfte mit dem Nazi-Regime gemacht, er wurde im Juni 1938 mit dem Abriss der Münchner Hauptsynagoge an der Herzog-Max-Straße beauftragt, 1944 erhielt seine Firma den Zuschlag für den Bau von Bunkeranlagen, in denen Düsenjäger der Firma Messerschmitt in Produktion gehen sollten.
Am Obersalzberg war sein Betonunternehmen an den Straßenarbeiten zu Hitlers Berghof tätig.
Zudem war die Leonhard Moll AG beim Bau diverser NS-Bauten, bei der Gestaltung des Münchner Königsplatzes (heute Standort des NS-Dokumentationszentrums) und bei der Errichtung des „Westwalls“ beteiligt.
Die Firma hat während der Kriegsjahre Zwangsarbeiter im großen Stil eingesetzt und ausgebeutet.

Seit 1990 trug eine Straße in Sendling zwischen dem heutigen Westpark und den Konzerthallen des Feierwerks den Namen des Bauunternehmers, begründet wurde die Ehrung damals vom Stadtrat mit dem Umstand, dass Moll nach dem Krieg Münchner Altersheime finanziell in großem Umfang unterstützte, zudem habe das Unternehmen der Stadt mit dem Polizeipräsidium, der Großmarkthalle, der Technischen Hochschule und dem Kuppelbau des Münchner Tierparks charakteristische Bauten hinterlassen. 1983 wurde die Internationale Gartenschau auf einem Teilgelände des ehemaligen Bauhofs des Unternehmens ausgerichtet – daraus ist der Westpark hervorgegangen, die großflächige Grünanlage ist heute insbesondere bei Sendlinger Bürgern ein beliebtes Naherholungsgebiet.
Auch das Feierwerk befindet sich heute auf dem ehemaligen „Mollgelände“.

Der Ältestenrat des Münchner Stadtrats hat im Zuge der späten Beschäftigung mit der Geschichte der Zwangsarbeiter in München im vorigen Jahr beschlossen, den „Leonhard-Moll-Bogen“ in „Landaubogen“ umzubenennen, Zitat: „Inzwischen hat sich die Sichtweise auf Personen und deren Aktivitäten in der Zeit des nationalsozialistischen Regimes erheblich verändert.“

Die Nachkommen Leonhard Molls sind nach wie vor im Baugewerbe tätig, im Jahr 2000 sind sie als eines der ersten deutschen Unternehmen dem Entschädigungsfond für Zwangsarbeiter „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ beigetreten.

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