Wim Wenders

Sebastião Salgado: Genesis @ Versicherungskammer Kulturstiftung

„In „Genesis“ sprach die Natur durch meine Kamera zu mir. Und ich durfte zuhören.”
(Sebastião Salgado)

„Vögel, die sich von Fischen nähren; ihre Exkremente sind der Anfang einer Oase, die Menschen bewohnen können, bis eine nächste Lava alles erstickt.“
(Max Frisch, Der Mensch erscheint im Holozän)

„Wenn wir diesen Planeten noch weiter zerstören, zerstören wir damit die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder. Globale Erwärmung ist eine todernste Angelegenheit. Ich spiele so ziemlich jedes Benefizkonzert, dessen Geld in den Schutz von Himmel und Erde investiert wird. Nach wie vor glaube ich daran, dass es wichtig ist, dafür mit aller Kraft einzutreten.“
(Willie Nelson, Mein Leben: Eine lange Geschichte)

Das Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung in der Münchner Maximilianstraße präsentiert aktuell die Fotoausstellung „Genesis“ des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado.
Die Ausstellung zeigt rund 250 großformatige Meisterwerke der Schwarz-Weiß-Fotografie, die sich thematisch mit der von der Zivilisation unberührten Tier- und Pflanzenwelt und den Lebensräumen indigener Völker auseinandersetzen.
Salgado war für die Aufnahmen neun Jahre unter anderem in der Arktis, in diversen afrikanischen Staaten, der Wildnis Nord- und Südamerikas, in der sibirischen Tundra und in den Wäldern Indonesiens unterwegs. Die Ausstellung wurde erstmals 2013 im Natural History Museum in London gezeigt.
„Genesis“ ist eine visuelle Hommage an den blauen Planeten. Der Fotograf Sebastião Salgado dokumentiert in seiner Fotokunst die überwältigende Schönheit und die Artenvielfalt unserer Erde. Sein beeindruckender, großformatiger Bilderzyklus hat sich zum Ziel gesetzt, über das Medium Fotografie das Bewusstsein für die Kostbarkeit der letzten unberührten Winkel der Erde zu schärfen. Das „Genesis“-Projekt ist Sebastião Salgados Appell an die Zivilisation, einen Teil des Planeten in seiner Ursprünglichkeit und faszinierenden Diversität zu bewahren.

Sebastião Salgado und seine Frau haben das „Instituto Terra“ gegründet, das sich für die Wiederaufforstung von gerodeten Wäldern und den Naturschutz einsetzt. Auf seiner Bulcão-Farm in Brasilien hat er zweieinhalb Millionen Regenwaldbäume pflanzen lassen, wodurch sich das lokales Klima und der Wasserhaushalt in dem Landstrich nachhaltig geändert haben und der Versteppung Einhalt geboten wurde.

Sebastião Salgado, ehemaliger Kriegs- und Krisenfotograf und früheres Mitglied der Agentur Magnum, ist in den letzten Jahrzehnten durch umfassende Foto-Zyklen wie „Workers“, „Migranten“ und „Afrika“ und vor allem durch den preisgekrönten Dokumentarfilm „Das Salz der Erde“ des Regisseurs Wim Wenders aus dem Jahr 2014 bekannt geworden, eine Besprechung zum Film im Kulturforum findet sich hier.

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung © Sebastião Salgado / Amazonas Images / Kunstfoyer

Kunstfoyer
Versicherungskammer Kulturstiftung
Maximilianstraße 53, 
80530 München
Bis 24. Januar 2016.
Öffnungszeiten:
Täglich 09–19 Uhr
Eintritt Frei.

Versicherungskammer Kulturstiftung / Homepage

Instituto Terra / Homepage

Das Kino Museum Lichtspiele, Lilienstr.2, 81669 München, zeigt begleitend zur Ausstellung den Wenders-Film „Das Salz der Erde“ jeweils in der Sonntags-Matinee, Infos unter www.museum-lichtspiele.de

Das Salz der Erde

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Die meisten Spielfilme von Wim Wenders finde ich sterbenslangweilig, aber dass er die Kunst des Dokumentarfilms beherrscht, hat er bereits mit dem Musikfilm „Buena Vista Social Club“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Mit der Doku über den brasilianischen Sozialfotografen Sebastião Salgado ist ihm zusammen mit Co-Regisseur und Salgado-Sohn Juliano Ribeiro ein cineastisches Meisterwerk gelungen. Anhand der einzelnen Projekte Salgados wird zum einen seine Biografie erzählt und zum anderen sein fotografisches Werk dokumentiert. Vor allem die Berichte über seine Arbeiten in der Hungerregion Sahelzone, den Genozid und die Flüchtlings-Katastrophe im Zusammenhang mit dem Ruanda-Konflikt in den neunziger Jahren und die Dramen im Rahmen der jugoslawischen Staatsauflösung gehen dem Zuschauer extrem an die Nieren.
Der Film findet ein versöhnliches Ende in den Berichten über die Wiederaufforstungsaktion für den brasilianischen Regenwald, die Salgado zusammen mit seiner Ehefrau Lélia initiiert hat, und sein letztes großes Fotoprojekt „Genesis“, mit welchem er die Artenvielfalt dieser Welt fotografisch dokumentiert.
Eine dicke Empfehlung für jede/n, der sich auch nur ansatzweise für Fotografie und/oder die grundlegenden Probleme unseres Planeten interessiert.


Das Salz der Erde / Homepage