Wolnzach

Donkeyhonk Company @ Stilwirt, Wolnzach, 2016-03-22

Donkeyhonk Company @ Stilwirt Wolnzach 2016-03-22 --- DSC01078

„So far I cannot say I’ve enjoyed listening to a band that I’m writing a review about as much as Donkeyhonk Company. They have spun their own web of music that reflects a cultural blend. I’d love to be able to say that I love one song more than the rest but as I look back at the list of tracks all I want is to listen to each again. The mix of instruments, the rough and gruff vocal tracks, and the lyrics all produce something that’ll not only leave your head spinning, but also make you wanting more. This is a band that I’d love to see live. I can envision them in a city I once called home, New Orleans, Louisiana. „
(Jeremy Frost, countrymusicnewsinternational.blogspot.de)

„Muddy-Roots“-Underground-Hardblues gibt es nicht nur im gleichnamigen Film von Marc A. Littler, im Gospel-Keller von Dad Horse Ottn, beim Reverend Deadeye in Denver/Colorado oder visualisiert auf den exzellenten Fotos von Shadow-Cowboy Sebastian Weidenbach, den gibt es auch beim Stilwirt zu Wolnzach im Herzen der schönen Hallertau, dort, wo nicht nur die Hopfen-Pflanzen wachsen und gedeihen, sondern offensichtlich auch hervorragende Musiker wie der Lametto, der sich am vergangenen Dienstag beim aus allen Nähten platzenden „Stil“ ein Stelldichein zusammen mit seinen Mitmusikanten Pedl und Wig von der Donkeyhonk Company gab.
Die Band ist uns erstmals 2013 unverhofft im Münchner Milla im Vorprogramm der begnadeten kanadischen Beefheart-Underground-Bluegrass-Formation Agnostic Mountain Gospel Choir über den Weg gelaufen, den stürmischen, beherzten, euphorisierenden Eindruck, den der damalige Auftritt und die bei der Gelegenheit eingefangene CD ‚Long Way Home‘ (2012, Reverbnation/Eigenvertrieb) hinterlassen haben, hat sich beim Auftritt des Trios in der immer wieder gern besuchten Kneipe vom Musiker-Wirt Muskel mehr als bestätigt.
Der geborene Frontmann Lametto legte im Verbund mit seiner druckvollen Rhythmus-Abteilung ohne großes Vorgeplänkel los mit seinem ultraflotten, aber immer versierten Banjo- und Gitarrenspiel, seinem irgendwo zwischen Tom Waits und Kurtl Cobain angesiedelten Organ und seiner unvergleichlichen Grimassen-Mimik, im Verlauf des Abends begeisterte die Band mit harten Underground-Blues-Versionen unter anderem vom Leadbelly-Klassiker „Where Did You Sleep Last Night“, einer hammerharten Interpretation von „The L & N Don’t Stop Here Anymore“, die ihresgleichen sucht (und von dem Stück gibt es wahrlich viele exzellente Einspielungen), sowie einer Art Speed-Blues/Flamenco-Version von „Jockey Full Of Bourbon“, das wir erst vor kurzem in verschärfter Geschwindigkeit bei Fly In The Ointment vernahmen, beim Tempo der Donkeyhonk-Version hätte es den alten Tom garantiert aus dem Sattel geschmissen. Bereichert wurde das kochende Uptempo-Swamp-Blues-/Underground-Country-Gebräu durch eigenkomponierte, oft sehr nachdenkliche Songs in bayerischer Mundart, die wohl für Nicht-Native-Speaker kaum ihre ganze Magie entfaltet haben dürften. Obwohl es eigentlich schier nicht mehr vorstellbar war, drehte die Combo gegen Ende des Konzerts die Tempo-Schraube nochmal um ein paar Windungen nach oben und präsentierte eine engagiert-euphorische, mit viel Wut im Bauch vorgetragene Ton-Steine-Scherben-auf-Speed-Version der Hausbesetzer-Ballade „Abend in der Stadt“, im Original 1996 von der ostdeutschen Polit-Band AufBruch veröffentlicht.
Der abschließende, rauschende, langanhaltende Applaus für die Musikanten war hochverdient, und für uns sollen hoffentlich nicht wieder fast drei Jahre ins Land gehen bis zum nächsten Underground-Speed-Blues-Hochamt der Donkeyhonk Company.
Im Wolnzacher Hopfenland liegen die Sümpfe Louisianas gleich um die Ecke…
(**** ½ – *****)

Die Donkeyhonk Company ist konzertant in nächster Zeit zu folgenden Terminen zu sehen:

07.04. Regensburg – Alte Mälzerei (Support Dr. Will)
05.05. Aichach – Berabecker Boandlbräu
06.05. Stadtbergen – Stadtfest
27.05. Dornstadt – Wutzdog Open Air
05.06. Gunzenhausen – Inges Bahnhofsstube
27.07. Solnhofen – Aktivmühle
20.08. Immeldorf – Open Air

Donkeyhonk Company / Homepage

The Dad Horse Experience @ Stilwirt, Wolnzach, 2016-01-12

„Let me eat when I’m hungry
Let me drink when I’m dry
Two dollars when I’m hard up
Religion when I die“
(The Moonshiner)

Harte Zeiten, Brüder und Schwestern im Herrn, die nach Trost verlangen, den uns wie viele Male zuvor der aus Kirchweihe/Bremen angereiste Kellergospel-Barde Dad Horse Ottn aka The Dad Horse Experience spendete, am vergangenen Dienstag im Stilwirt zu Wolnzach im Herzen des bayerischen Hopfen-Landes Hallertau. Die Jahrzehnte-alte Kultkneipe von Musiker und Wirt Schorsch „Muskel“ Appel hat sich in den letzten Jahren zur Dad-Horse-Hochburg entwickelt, und so nahm es nicht wunder, dass unser liebster Reverend seine Messe in vollbesetztem Wirtshaus lesen/singen konnte, aufmerksamen Ohren wurde die frohe Kunde der Erlösung zuteil mittels alter Klassiker wie „Gates Of Heaven“, „Kingdom It Will Come“, „Waiting At The Turnpike“, „Dead Dog On A Highway“, geliebter Traditionals wie dem von Ottn in genial-unnachahmlicher Art vorgetragenen „Moonshiner“, Hank-Williams- und Freddy-Fender-Coverversionen („I Saw The Light“, „Lost On The River“) und nicht zuletzt den exzellenten neuen Predigten der aktuell erschienenen Dad-Horse-Songsammlung mit dem Kilometer-langen Titel ‚Eating Meatballs On A Blood-Staind Mattress In A Huggy Bear Motel‘ (2016, Sacred Flu), bei denen sich Dad Horse Ottn mitunter aus dem Korsett des Kellergospeling herauswagte und die E-Banjo-begleiteten Stücke via Verzerrung in Hendrix-artige Psychedelic-Dimensionen katapultierte, Cowboy-Hut ab dafür.
Gegen Ende der beschwingten Erweckungs-Veranstaltung ließ es sich Wirt Muskel wie immer nicht nehmen, seinen Bremer Gast auf der Blues-Harp zu begleiten und verabreichte so dem DHE-Auftritt eine weitere, besondere musikalische Note.
Selbstredend versäumte es Ottn auch dieses Mal nicht, die Wolnzacher vor beispielsweise aus dem nahen Ingolstadt anreisenden Drogen-Händlern und Jugendverderbern zu warnen, aber die Hallertauer wären ja gefeit vor derartigen Anfechtungen, wenn der Dealer kommt mit dem „Stoff, der die Arme schneller macht (für was auch immer das gut sein soll)“, denn die Dad Horse Experience leistet seit Jahren hinsichtlich Drogen-Prävention unermüdlich wertvolle Arbeit.
Pure Freude hat er wieder bereitet, der Ausflug in die eigene Vergangenheit, zum Stilwirt, dort, wo der Frontberichterstatter vom Kulturforum in jungen Jahren so manchen Abend bei Sound, Bier und Kippen verbrachte, und so freuen wir uns bereits auf das nächste Mal, wenn in der schönen Hallertau Keller-Gospel „from the Left of Heaven“ angezeigt ist.
(*****)

Old DHE-Kulturforums-Stuff: hier, hier und hier.

The Dad Horse Experience spielt heute in der Hausbar in Tübingen, am 15. Januar im Platanenhof in Basel und nach der Italien-Tour von 16. bis 29. Januar zu folgenden Terminen:

30. Januar – Kempten, Myskylounge/13th Floor
31. Januar – Wetzlar, Cafe Vinyl
20. Februar – Bonn, Bonn-Stomp @ Pantheon Casino
21. Februar – Koblenz, Expo-Opening, Galerie Mehrkunst
28. Februar – HB-Vegesack, Pop-Gottesdienst
11. März – Bremen, Kioto/Lagerhaus
25. März – Berlin, Bassy Cowboy Club
26. März – Rostock, tbc
23. Juni – Waardamme/Belgien, Muddy Roots Festival

The Dad Horse Experience / Homepage

The Dad Horse Experience @ Stilwirt, Wolnzach, 2014-11-25

„If one third of music was half this good what a world we’d have!“
David Fair (Half Japanese)

Da war er wieder, unser liebster Bremer Wanderprediger Dad Horse Ottn, also known as The Dad Horse Experience, und hat uns den Keller-Gospel of the Walking Dad gesungen, beim dafür wie geschaffenen und wieder voll besetzten Stilwirt zu Wolnzach im Herzen der Hallertau. Gerne haben wir die Reise auf uns genommen, um uns durch seine Predigten die gähnende Leere erträglicher zu machen – „die gähnende Leere in unserem Leben, die wir Morgens nicht mit Müsli und Abends nicht mit billigem Bier füllen können“.
Ausgestattet mit Banjo, Basspedal und Kazoo und phasenweise kongenial unterstützt von Stilwirt Schorsch „Muskel“ Appel an der Blues-Harp, gelingt es Ottn auf’s Vortrefflichste, der amerikanischen Tradition des Gospels seine eigene Variante entgegenzusetzen und damit unsere Seelen zu reparieren und die Sch**** in Gold zu verwandeln.
Seit neuestem Filmstar (“Hard Soil, The Muddy Roots of American Music”; dazu demnächst mehr), ist sich Ottn nicht zu schade, Aufklärungsarbeit hinsichtlich der schädlichen Wirkung rauschhafter Mittel für die Jugend aus Wolnzach und aus den umliegenden, namenlosen Dörfern zu leisten, damit der Nachwuchs fürderhin gewappnet ist gegen die Anfechtungen fahrender Substanzen-Verticker, die – kommend z.B. aus einem Schurkendorf wie dem nahen Pfaffenhofen – die Welt mit ihren süchtig-machenden Stoffen verderben wollen.
Auf den rechten Pfad der Tugend zurückgeführt, bleibt das Gefühl, dass das Konzertjahr erst durch eine Dad-Horse-Predigt so richtig rund wird. Oder wie Ottn selber sagen würde: „War das geil oder war das geil?“
In unseren Breitengraden wieder konzertante Erbauung am 20. Januar 2015 im Münchner Ausstellungspark, Schwanthalerstraße 158.

The Dad Horse Experience / Homepage
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