Reingehört (350): Tim Darcy

Tim Darcy – Saturday Night (2017, Jagjaguwar)

Der Kanadier Tim Darcy ist etatmäßiger Gitarrist und Sänger der bei Constellation Records veröffentlichenden Montreal-Art/Post/Noise-Punk-Kapelle Ought, auf seinem im Frühjahr erschienenen Solo-Debüt „Saturday Night“ lebt er seinen Hang für alle möglichen Spielarten des mal mehr, mal weniger abseitigen Indie-Folk aus, ein erkennbarer gemeinsamer Nenner der elf Kompositionen lässt sich kaum erkennen, die Eröffnungsnummer „Tall Glass Of Water“ mag noch den Eindruck der konventionellen Indie-Ballade erwecken, im weiteren Verlauf der Titelabfolge wird es dann gerne und oft auch mal schräger, anfangs noch vermehrt mit erkennbarem Hang zur Massen-kompatibleren Verträglichkeit, in den ausgeprägteren Extremen im zweiten Teil des Tonträgers sodann ein Ausleben in Richtung weirder, drogenverseuchter (?) Psych-Folk-Drone- und Ambient-Abgedrehtheit, mehr und mehr die Kunst der Tondichtung in Klanglandschaften als in strukturierten Songs ausübend.
Hörenswert in jeder Ausprägung, ob Wrekless-Eric-beeinflusstes Geschrammel, mit jugendlichem Jonathan-Richman-Leichtsinn gepaart, in Richtung NZ-/Flying-Nun-Indie-Folkrock driftend, verschnitten mit Sixties-Psychedelic-Hall und Drauflos-Schwadronieren im Geiste eines Mark E. Smith, gerne auch mit Schielen zu großen Indie-Pop-Momenten, oder eben auch abstraktes, reduziertes Rev-/Vega-/Suicide-Grundrauschen im freien Anti-Folk-Flow für die experimentierfreudigeren Gemüter – Darcy lässt auf dieser in sparsamer Instrumentierung dargereichten heterogenen Songsammlung keine klare Linie erkennen, das ist letztendlich auch irgendwo unerheblich, hinsichtlich Grenzen-Austesten, erratischem LoFi- und DIY-Ansatz und dadurch bedingter Kurzweil ist das Erstwerk des jungen Barden zu keiner Sekunde ein unspannendes, hinsichtlich exzentrischer Originalität sind dann aber doch an der ein oder anderen Stelle die Parallelen zu Verwandtem aus der Pop-Historie zu sehr erkennbar. „You Felt Comfort“ geht explizit durch die Decke und schwebt über dem Rest.
(**** ½)

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