Reingehört (222): Weasel Walter Large Ensemble

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„Igneity was composed in response to Henry Kaiser asking me if I would assemble a big band, rather than a small group, for us to play a concert with in New York. I had previously included him in the large ensembles I had led when I lived in Oakland, California. However, I had not yet tackled the format in New York City. There is certainly no shortage of excellent players around here, but unlike the Bay Area, logistics tend to be somewhat more complicated, especially when it comes to rehearsal. As such, I set about devising an hour long structure which would allow me to control the general momentum and the various densities inherent in the orchestration while granting the individuals maximum freedom.”
(Weasel Walter)

Weasel Walter Large Ensemble – Igneity: After The Fall Of Civilization (2016, ugEXPLODE)
Ab Anfang der Neunziger hatten die Flying Luttenbachers ihren festen Platz im Experimental-/Outsider-Kosmos, Bandgründer/Drummer Weasel Walter und sein personell permanent umstrukturiertes Musiker-Kollektiv haben der Hörerschaft mit ihrer abstrakten Fusion aus Noise Rock, Free-/Punk-Jazz, Metal, Experimental-Avantgarde, No-Wave und asiatischer Volksmusik einiges an Konzentration und Nerven abverlangt, nicht anders verhält es sich auf dem aktuellsten Output des rührigen Freak-Komponisten.
Zusammen mit einer ganzen Ladung an Bläsern und Gitarristen zelebriert Walter eine einstündige, anarchistische Free-Jazz-/Gitarrenlärm-Big-Band-Messe, Henry Kaiser ist auch mit von der Partie, der Meister der freien Improvisationsgitarre, den man auch von filigraneren Arbeiten mit unter anderem Slide-Gitarren-Gott David Lindley, dem Quartettprojekt French Frith Kaiser Thompson oder seinen Grateful-Dead-/Dark-Star-Interpretationen kennt, hier vermag auch eine Koryphäe wie er der infernalischen, wuchtig-dichten Kakophonie keine Struktur zu verpassen, zusammen mit dem Noise-Rock-Experten Alan Licht spielt er schwere, Blues-lastige, Pedal-verzerrte Gitarrenimprovisationen parallel zu den entfesselten Bläsersätzen.
Live mitgeschnitten in Brooklyn im April 2015. „New York Eye And Ear Control“ von Albert Ayler mit anderen Mitteln. Love it or leave it – uneingeschränkt gilt auch hier, was Freund Fredl zur Musik der Flying Luttenbachers anmerkte: „Eigentlich kannst es nicht anhören…“ ;-)))
(****)

Weasel Walter, Henry Kaiser &  Ed Rodriguez live @ archive.org

The Flying Luttenbachers live @ archive.org

Reingehört (221): True Widow

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True Widow – Avvolgere (2016, Relapse Records)
Das Trio aus Dallas/Texas beschreibt den eigenen Sound als „Stonegaze“, nicht das verkehrteste Etikett für diese stimmige Mixtur aus Noiserock, Shoegazer/Postrock, Postpunk und Sludge/Doom-Metal-Elementen. Auf ihrem vierten, dieser Tage erscheinenden Album „Avvolgere“ beeindruckt die Band mit schwer dröhnenden Geschützen, die düster, dräuend, im gedrosselten Tempo Bilder von nebelverhangenen Straßen, abgebrannten Stadtvierteln und ausgedörrten Feldern heraufbeschwören. Wuchtige Gitarrenfronten, oft feinst übereinander geschichtet, und polternd-finstere Bässe grooven sich in einer vermutlich in der Form so angestrebten Monotonie ein, das stoische Verharren in Gitarrenriff und Basslauf als Kunstform, und doch ist dem Album die Spannung nicht abzusprechen, dafür sorgen allein schon die Gesangsparts, die sich Bassistin Nicole Estill und Gitarrist Dan Phillips teilen.
Sinistere Klangräume, düstere Vorahnungen, schwarze Wolken, in einem ansprechenden Indie-Kontext, ohne das aufgesetzte Schwarzkittel-Trara, kommt gut.
(**** – **** ½)

Reingehört (220): Adam Torres

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Adam Torres – Pearls To Swine (2016, Fat Possum Records)
Diese Aufnahmen müssen was taugen, denn der Hörgenuss ist kein Geringer trotz der dargebotenen Sangeskunst, die gewöhnungsbedürftig, wenn nicht gar grenzwertig anmutet. Adam Torres aus der Breaking-Bad-Stadt Albuquerque/New Mexico veröffentlichte dieser Tage auf dem ehrwürdigen Fat-Possum-Label sein zweites Vollwerk, seine permanent ins pathetische Falsett abdriftende Stimme mag vordergründig mitunter gehörig auf den Zeiger gehen, irgendwann ist’s einerlei, zu wunderschön, getragen, melancholisch ist seine von einer tiefgründigen Atmosphäre getragene Folk-Musik mit Genre-typischen Inhalten wie dem „High Lonesome“-Roadmovie oder der Folker-Naturverbundenheit in „Mountain River“ plus einem deutlichen Hang zur Mystik, musikalisch gar gespenstisch-traumwandlerisch umgesetzt in dunkel-funkelnden Kleinoden, die eine perfekte Beschallung für den mit Macht herannahenden Herbst liefern.
Begleitet wird Torres auf diesem Werk unter anderem von der texanischen Songwriterin Aisha Burns mit ihrem Violinenspiel und Swans-Perkussions-Berseker Thor Harris, der bereits auf Alben von geschätzten Künstlern wie Lisa Germano, Bill Callahan und den Angels Of Light unter Beweis stellte, dass er auch die leisen Töne beherrscht.
Misra Records haben im Vorjahr das erstmals 2006 erschienene Debüt „Nostra Nova“ von Adam Torres wiederveröffentlicht, sollte man dann wohl auch mal reinlunzen…
(**** ½ – *****)

Soundtrack des Tages (147)

Improvisations-Space-/Trance-Rock aus Hessen von Zone Six. Diese Dröhnung und noch eine geballte Ladung mehr an Stoner-, Prog-, Doom-Rock, Heavy Underground und Psychedelic-Vollbedienung von den Bands Swan Valley Heights, The Loranes, Iguana, Wucan, Spaceslug, Spacelords, Stoabüüz, Ultima Radio und Palm Desert gibt es am 7. und 8. Oktober beim Freakinout Fest von Christian Spanheimer im oberbayerischen Nandlstadt (weltältester Hopfenanbauort!), weitere Infos unter freakinout-fest.de – dicker Kulturforum-Tipp, alle hin!

Wovenhand + Emma Ruth Rundle @ Ampere, München, 2016-09-21

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Anfang/Mitte der Neunziger trieb in München mal eine Artcore-Band mit dem genialen Namen Schwermut Forest ihr Unwesen, das kaum genießbare Gedöns musste man seinerzeit das ein oder andere Mal im Vorprogramm von großen Indie-Nummern wie etwa Fugazi hinter sich bringen, aber wie gesagt, der Band-Name: sensationell.
In derart düsteres Gehölz führte uns auch ohne Umschweife am vergangenen Mittwoch die bezaubernde Songwriterin Emma Ruth Rundle aus L.A./California im Vorfeld zum anstehenden Wovenhand-Orkan, und aus diesen Wäldern sollten wir für den Rest des Abends nicht mehr so richtig herausfinden.
Neben ihren solistischen Arbeiten ist Rundle bei der amerikanischen Postrock-Institution Red Sparowes, der Experimental-Band Marriages und der Slowcore-Combo Nocturnes aktiv, die Gute kommt rum…
Die junge Frau von der amerikanischen Westcoast hat beim Verfassen ihrer Werke offensichtlich alles andere als Sonnenschein im Herzen, ihre Folksongs künden von der dunklen Seite des Lebens, spartanisch, hart und zupackend im Gitarrenanschlag, im weiteren Verlauf des Konzerts begleitet und bereichert durch die schwere Melancholie des Violinenspiels, verzweifelt, klagend, hypnotisch, mit dem Schicksal hadernd ist der Gesang der Amerikanerin, der irgendwo zwischen hoffnungsloser Entrücktheit, der intimen, mitternächtlichen, stimmlich-dunklen Erotik von Hope Sandoval/Mazzy Star und halluzinierender Pop-Psychedelic wandert.
Mit ihrem halbstündigen Vortrag sorgte Emma Ruth Rundle für eine der angenehmsten Überraschungen in jüngster Zeit hinsichtlich Konzert-Vorprogramm, der düstere Folk hätte auch über eine längere Distanz getragen, das begeisterte Publikum wäre mit Andacht dabeigewesen.
(**** ½ – *****)

Das Herantasten und Heranführen des Publikums an den Kern des eigenen musikalischen Kosmos war auch das Ding von David Eugene Edwards und seiner Southern-Gothic-Combo Wovenhand am Mittwochabend nicht, mit der geballten Wucht der jüngsten Aufnahmen wie etwa dem aktuell erschienenen Album „Star Treatment“ eröffnete die Band, die im Lineup hinsichtlich des letzten München-Konzerts um einen Keyboarder erweitert wurde.
Mit indianischen Beschwörungs-Riten und schweren Gitarren-Gewittern entfesselten Edwards und seine Mannen bereits zu Beginn einen Orkan, der die Zuhörer hineinzog in die Welt der Mythen der amerikanischen Ureinwohner, der religiösen Visionen und der staubtrockenen, düsteren, schweren Romantik des amerikanischen Südens. Vorbei sind die Zeiten, in denen der charismatische Edwards in der Frühphase von Wovenhand den dunkel funkelnden Appalachen-Alternative-Country-Geist seiner Vorgängerband 16 Horsepower in das Klangbild seines neuen Outfits herüberrettete und seine getragenen, beschwörenden Weisen zur halbakustischen Gitarre vortrug, Wovenhand sind konzertant endgültig in der finsteren, kochenden, bezwingenden, geradezu manischen „Tribal Psycho-Blues“-Welt des Gun Club angekommen, auch der treibende Underground-Blues der australischen Kult-Band Crime & The City Solution dient als Referenz zu den schneidenden Gitarren, Edwards selbst mischte beim Wiederaufleben der Combo um Simon Bonney im Jahr 2012 mit und dürfte einiges an Einflüssen aus dieser gedeihlichen Zusammenarbeit mitgenommen haben.
Bevor das Konzert mit „El-Bow“ vom „Refractory Obdurate“-Album und „King O King“ als einzige Zugabe den Schlusspunkt und furiosen Höhepunkt erreichte, zu dem vor allem Drummer Ordy Garrison wie bereits vor zwei Jahren im selben Saal mit virtuosem Schlagwerk-Donnern zu Hochform auflief, irritierte die Band im Mittelteil mit erratischen Ausflügen in psychedelischen Alternative-/Progressive-Rock, in diesen Passagen stand für Edwards vor allem das Predigen und Beschwören der Dämonen im Vordergrund, das begleitende Moog- und Wurlitzer-Georgel mochte nicht ungeteilt Wohlgefallen finden im vollgefüllten Ampere. Wird aber vermutlich niemanden vom Besuch abhalten, wenn Wovenhand beim nächsten Schamanen-Ritual ihren imaginären Totem-Pfahl in der Münchner Konzert-Landschaft aufstellen.
(**** ½)

Reingehört (219): Jóhann Jóhannsson

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Jóhann Jóhannsson – Orphée (2016, Deutsche Grammophon)
Feierlich-würdevolle, eindringliche Klaviermeditationen, dezentes Sampling und dunkel-schwere Streichinstrumente dominieren das thematisch an den Orpheus-Mythos angelehnte Konzeptwerk des isländischen Komponisten und Filmemachers Jóhann Jóhannsson, mit seinem Grenzgang zwischen Neoklassik und Ambient ist der Nordländer mittlerweile beim weltältesten Plattenlabel gelandet, die ehrwürdige Deutsche Grammophon ist ein perfekt passendes Forum für diese zeitlosen und erhabenen Klanggebilde, die unaufdringliches Electronica-Experimentieren und um ein Vielfaches mehr an getragenem Wohlklang bieten.
Stilelemente der seriellen und Minimal Music bereichern den im Grundton klassischen Ansatz, vereinzelte Sequenzen erinnern an Filmmusik, nicht weiter verwunderlich, im Œu­­re von Jóhannsson finden sich etliche Kompositionen für Theater, Dokumentationen und Kinoproduktionen.
Den krönenden Schlusspunkt setzt ein atemberaubendes Ausklingen mit der rein vokalen „Orphic Hymn“, der großartige Paul Hillier bietet hier mit dem Theatre Of Voices die von ihm erwartet-gewohnte, erstklassige Choralkunst.
Hörer, die sich für die bedächtig-dramatischen Werke des polnischen Komponisten Henryk Górecki, die Minimal Music des Engländers Michael Nyman oder den schweren Postrock des kanadischen Musikerkollektivs Godspeed You! Black Emperor begeistern können, greifen hier beherzt zu.
(*****)

Reingelesen (51): Thomas Adcock – Hell’s Kitchen

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„Meilenstein des harten Krimis – ein anarchisches Debüt, das sich gegen schnelles Lesen wehrt.“
(Matthias Kühn, Krimi-Couch)

„I’ll take Manhattan in a garbage bag
With Latin written on it that says
„It’s hard to give a shit these days“
(Lou Reed, Romeo had Juliette, 1989, New York)

„Angelo sagte: „Der Bursche ist ein wiehernder Scheißkerl, also hat er natürlich auch die Geschichte seines bescheuerten Lebens in Buchform rausgebracht, und natürlich ist es ein Bestseller. Und außerdem – und das denke ich mir jetzt nicht einfach so aus, Hock – ist dieser Vermieter drauf und dran, öffentlich bekannt zu geben, dass er sich um das Amt des Präsidenten bewerben will.“
(Thomas Adcock, Hell’s Kitchen, Kapitel 17)

Thomas Adcock – Hell’s Kitchen (1993, Haffmans/Heyne)

Adcock revisited, dank/wegen „The Donald“: Da hat die Realität mal wieder die Fiktion eingeholt. 1989 wird wohl mancher Leser der amerikanischen Originalausgabe von Thomas Adcocks fulminantem Krimiserien-Auftakt um den irisch-stämmigen New Yorker Cop Neil „Hock“ Hockaday mindestens ein belustigtes Schmunzeln nicht verdrückt haben, als die mögliche Bewerbung um das US-Präsidentenamt der Romanfigur Daniel „The Dan“ Prescott im Verlauf der Geschichte zur Sprache kam. Der im Krimi gezeichnete Immobilien-Unternehmer Prescott inklusive geschildertem Geschäftsgebaren und dem nach ihm benanntem Wolkenkratzer-Tower ist weitestgehend unverhohlen das fiktive Pendant zum aktuellen Präsidentschaftskandidaten der Republikanischen Partei Amerikas, dem Immobilienmagnaten-Clown Donald Trump. Nicht nur dieser Bezug zur aktuellen amerikanischen Politik macht das Buch lesenswert, „Hell’s Kitchen“ ragt neben seiner unverhohlenen Sozialkritik und Parteinahme für die Verlierer des Kapitalismus auch als Kriminalroman meilenweit heraus aus dem Sumpf mittelmäßiger, literarisch weitgehend anspruchsloser Publikationen, die heutzutage die Masse der Veröffentlichungen des Genres ausmachen.

Der Protagonist „Hock“ Hockaday kehrt nach gescheiterter Ehe in das Viertel seiner Kindheit zurück, das ehemals vor allem von irischen Einwanderern bevölkerte Hell’s Kitchen im westlichen Teil von Midtown Manhattan (heute bekannter unter dem Namen Clinton) ist in den neunziger Jahren Schauplatz der beginnenden Gentrifizierung des heruntergekommenen New Yorker Stadtviertels, der großstädtische Strukturwandel bildet die thematische Klammer im Roman, dubiose Immobiliengeschäfte und zweifelhafte Praktiken zum Entwohnen sanierungsbedürftiger Objekte inklusive korrupter Verbindungen in die Stadtpolitik führen zu Mord und persönlicher Rache, die Recherche lässt Hockaday tief eintauchen in die eigene und die Vergangenheit des Viertels, die dominiert war vom irischen Katholizismus inklusive Vollrausch, Bordellbesuch und anschließender Beichte, und seiner eigenen Mitgliedschaft in einer Jugendgang.

SCUM-Patrol-Mann Hockaday bezieht eine bezahlbare Wohnung im Viertel seiner Kindheit, kurz darauf werden sein Spitzel und Nachbar Buddy-O und der dubiose Mieteintreiber Griffith unsanft ins Jenseits befördert. Von seinem Vorgesetzten erhält er den Auftrag zum Personenschutz für den anonym bedrohten Harlemer Radioprediger Father Love, der während des ersten Treffens mit Hock von einem Auftragskiller lebensbedrohlich angeschossen wird. Der Lauf der Ermittlungen fördert zutage, dass die Fälle in Verbindung zueinander stehen. Die Fäden laufen im Sumpf dubioser Immobiliengeschäfte zusammen, in einer Zeit, als die Politik Reagans die Unterschicht weiter schwächte und Gestalten wie den Immobilienmakler Donald Trump in Position brachten. Trump konnte noch in den Achtzigern nahezu ausschließlich an weiße Klientel vermieten und damit trotz etlicher Klagen ungeahndet gegen amerikanisches Bürgerrecht verstoßen. Von der Stadt New York wurde er bereits in früheren Jahren protegiert und für ein Bauvorhaben in der Nähe der Grand Central Station für vierzig Jahre von der Grundsteuer befreit, der City Hall gingen dadurch in zehn Jahren an die 60 Millionen US-Dollar verloren, finanzielle Mittel, die für die Sanierung von Schulen und Krankenhäusern in jener Zeit dringend gebraucht wurden.
Mit der Verachtung des Ich-Erzählers Hockaday zur Politik der Neocons transportiert Autor Adcock das Anliegen, dass es ihm mit dem Roman nicht ausschließlich um die Erzählung eines düsteren, harten und stimmigen Krimis ging.

„Ich dachte daran, den Holy Redeemer zu suchen, um mal zu sehen, was er vielleicht über Ereignisse wusste, die zu dem vorzeitigen Tod von Buddy-O geführt hatten. Und ich sah mir King’s Row, meinen Lieblings-Ronald-Reagan-Film, in der Glotze an. Der Film, in dem er in zwei Teile zerschnitten wird.“
(Thomas Adcock, Hell’s Kitchen, Kapitel 2)

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In der Zeit der Handlung des Romans war Hell’s Kitchen ein bezahlbares Viertel für die Unterschicht, Kleinkriminelle, Prostituierte, Kneipenwirte und Arbeitslose konnten sich hier bei günstigen Mietpreisen über Wasser halten, wer durch das soziale Raster fiel, fand eine Bleibe in der kriminellen Anarchie des unterirdischen „Dschungel“, die aufgelassene Eisenbahntrasse zehn Meter unterhalb des Straßenniveaus gab es in der Zeit tatsächlich im Westen Manhattans, sie war Unterkunft für Obdachlose, Junkies und Alkoholiker, ein später begehrtes Areal für Immobilenspekulanten.
Das Trump-Abziehbild Prescott sorgt im Roman mit kriminellen Methoden für massiven Zuzug im „Dschungel“ und erhöht so den sozialen Druck im Viertel, Spekulationsobjekte in der Nachbarschaft werden von Mietern widerwillig geräumt, sie schaffen nach erfolgter Sanierung Platz für die überteuerten Wohnungen der Neureichen.

„Gewisse Familien draußen in Brooklyn verdienten sich mit Auftragsmorden ihre Brötchen, Erpressung war die Domäne der Mitglieder der Social Clubs von der Mulberrry Street, das Glücksspiel war den stets schick gekleideten Typen oben in Harlem vorbehalten, Safes knacken konnte jeder, da es damals wie heute ein Handwerk ist, das großes Geschick erfordert, für Provisionen und Schmiergelder waren das Rathaus und die überzeugten Anhänger unseres Systems des freien Unternehmertums zuständig, und die Wall Street besaß das Monopol für Bankausplünderungen auf Gentlemenart und aalglatte Schwindeleien – was wieder mal beweist, dass sich manche Dinge nie ändern.“
(Thomas Adcock, Hell’s Kitchen, Kapitel 18)

Mit Wucht und einer überraschenden Wendung serviert Adcock den Plot dieses entschleunigten, detailliert erzählten und gut recherchierten, beklemmend-finsteren Kriminalromans, der trotz düsterer Grundstimmung mit feinem Humor aufwartet und mehr als Lust macht auf die Fortsetzungen wie „Feuer und Schwefel“ oder „Der Himmel des Teufels“, die die Geschichte von Detective Hockaday und dem Viertel weitererzählen. Und mit Musik kennt sich Adcock auch aus, bereits auf Seite 8 erklingt „God Bless The Child“ von Billie Holiday, im weiteren Verlauf des Romans ergänzt um Anspielungen und Reminiszenzen an Hank Williams, Ray Charles und das New Yorker Vaudeville-Kabarett.

„Welcher Mann?“
„Das spielt jetzt keine Rolle. Er ist auch tot.“
Lionel lächelte und sah sogar noch trauriger aus. Als wäre auf einmal die Luft aus ihm abgelassen worden.
„Tja, nur die Toten werden dir die Wahrheit sagen“, meinte er.“
(Thomas Adcock, Hell’s Kitchen, Kapitel 8)

In der Print-Ausgabe ist das Werk leider längst vergriffen, immerhin als Kindle-Edition ist es seit Anfang des Jahres unter dem neuen deutschen Titel „Der Dschungel“ in der Übersetzung von Jürgen Bürger wieder verfügbar.
Thomas Adcock hat insgesamt sechs Werke über den New Yorker Cop Hockaday geschrieben, die Folgen zwei bis vier sind seinerzeit beim Haffmans Verlag erschienen und heutzutage nur noch über das Antiquariat erhältlich, die letzten beiden Werke aus der Serie, „Thrown-Away Childs“ (1996) und „Grief Street“ (1998) harren bis heute vergebens der deutschen Übersetzung.

Thomas Adcock wurde 1947 in Detroit/Michigan geboren. Er war als Polizeireporter für diverse Zeitungen in Detroit, Minneapolis und New York tätig.
1984 veröffentlichte Adcock „Precinct 19“, eine Dokumentation über den Polizeialltag im Manhattan Upper East Side Revier, eine Art Vorläufer zu David Simons literarischer Realitiy-Doku „Homicide. A Year On The Killing Street“ über die Baltimore Police Department Homicide Unit, die teilweise als Vorlage für die erfolgreiche HBO-Serie „The Wire“ verwendet wurde.
Thomas Adcocks zweiter Hockaday-Krimi „Dark Maze“ (dt. „Feuer und Schwefel“) wurde 1992 mit dem renommierten Edgar Allan Poe Award ausgezeichnet.
Er ist mit der Schauspielerin Kim Sykes verheiratet und lebt mit ihr in Manhattan.

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Reingehört (218): Jack White

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Jack White – Acoustic Recordings 1998-2016 (2016, Third Man/Indigo)
In den Archiven Liegengelassenes, Alternativ-Versionen, Remixe, Rohfassungen von insgesamt 26 Songs im Doppel-CD-Format aus allen Schaffensphasen des musikalischen Wunderknaben Jack White, chronologisch aufbereitet und Sound-qualitativ ansprechend dargereicht.
Was als White-Stripes-Kracher funktionierte, geht auch mit Wandergitarre gut ins Ohr, der Indie-Garagen-Rock der Raconteurs besticht alternativ im Bluegrass-Gewand, viele Stücke kommen mit Orgel, Klavier und Getrommel ohnehin mit voller Band-Besetzung, allzu Lagerfeuer-romantisch wird es seltenst. Einige Nummern gehen mit Honky-Tonk-Piano als Soundtrack für den Westernsaloon durch (wer’s braucht), mehrheitlich glänzt White hier mit einem ureigenen Folk-Blues-Stilmix, den er gekonnt um den Geist der akustischen Aufnahmen des dritten Led-Zeppelin-Albums und Anklänge an den T-Rex-Glamrock der Frühsiebziger bereichert. Vorzeige-Musik-Kritiker Greil Marcus mag laut Linernotes zur Songsammlung Reminiszenzen an die Delta-Blues-Ikone Son House heraushören, der Country-, Folk- und Glam-Einschlag ist unüberhörbar und mitunter dominant.
Bereitet um ein Vielfaches mehr Freude als das zuletzt veröffentlichte Solowerk „Lazaretto“ (2014), das durch seine verfehlte Überproduktion im Nachgang zum vielversprechenden White-Solodebüt „Blunderbuss“ (2012, beide Third Man) mancherorts für lange Gesichter gesorgt hat.
(****)

C.Ladd @ Südstadt, München, 2016-09-15

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Schöne Begleitmusik zum langsamen Ausdampfen des Spätsommers an diesem wohl letzten lauen Abend hat uns am vergangenen Donnerstag der Kanadier C.Ladd aus Winnipeg/Manitoba in der Münchener „Südstadt“ aufgespielt, der derzeit im nordhessischen Kassel ansässige Songwriter beschreibt seine Einflüsse selbst in einer Bandbreite von Lou Reed über Pavement bis zu den Cramps, im Solovortrag mit eigener Begleitung an der Wandergitarre waren bei dem Konzert weitaus mehr Parallelen zum Alternative Folk des 1997 in jungen Jahren dahingeschiedenen Jeff Buckley erkennbar, zu beeindrucken wusste der Barde aus dem Süden Kanadas allemal mit seinem versierten Akustikgitarren-Spiel und einem Gesang, der rauchig-warm in der emotionalen Bandbreite zwischen fordernder Ansage, dräuender Verzweiflung und sporadischem, euphorischem Nach-Vorne-preschen unterwegs war. Mit punktuell platzierten Swing-Nummern, die gekonnt mit Elementen aus Acoustic Blues, Jazz und dezenten Ragtime-Andeutungen spielten, wusste Chris Ladd seinen beherzten Akustik-Folk-Vortrag stimmungsvoll aufzulockern, das leider etwas spärlich anwesende Publikum war gebührend Applaus spendend hörbar angetan vom Programm des sympathischen Musikers. Hätten ein paar Zuhörer mehr verdient, die griffigen, sofort ins Ohr gehenden Songs über den Sommer und dem dringenden Bedürfnis nach Ferien und Auszeit, die in ihrer unterschwelligen Melancholie perfekt in die Jahreszeit passten, in der es nun gilt, vom Sommer Abschied zu nehmen und hinüberzudriften, in die rauen Winde und langen Nächte des anstehenden Herbsts…
(**** 1/2)

C.Ladd / Homepage

Soundtrack des Tages (146)

„Der wunderbare Mandarin“ von Béla Bartók. Als Tanzpantomime 1926 in Köln uraufgeführt, weitere Darbietungen wurden seinerzeit von der rheinischen Runzelrübe Konrad Adenauer, damals Oberbürgermeister der Stadt, wegen angeblich unmoralischer Handlungen im Tanzausdruck verboten. Wird neben weiteren Werken des bedeutenden Vertreters der Moderne im Rahmen des ab 25. September stattfindenden Münchner Festivals „Bartók for Europe“ zu Ehren des ungarischen Neuerers der klassischen Musik zu hören sein.
Nähere Infos zum Festival hier.

Reingehört (216): Okkervil River, Wilco, Nick Cave & The Bad Seeds

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Okkervil River – Away (2016, ATO)
Mitte der Nuller-Jahre haben sie nach einigen sehr passablen Frühwerken mit dem hervorragenden, von Tim Hardin inspirierten Indie-Folk-Rock-Album „Black Sheep Boy“ (2005) und noch viel mehr mit dem persönlichen All-Time-Favourite „The Stage Names“ (2007, beide Jagjaguar) und der dort enthaltenen Hymne mit dem genialen Titel „Our Life Is Not A Movie Or Maybe“ für wahre Begeisterungsstürme bei Presse und Hörerschaft gesorgt, seitdem arbeitet sich die Band um Songwriter Will Sheff mit den nachfolgenden Veröffentlichungen mal mehr, mal weniger erfolgreich an dem Vorhaben ab, an frühere musikalische Glanztaten anzuknüpfen. Zwischendurch gab es eine gedeihlich-gelungene Zusammenarbeit mit der texanischen Psychedelic-Rock-Legende Roky Erickson auf dem Gemeinschaftswerk „True Love Cast Out All Evil“ (2010, ANTI-), seit dem zuletzt veröffentlichen Konzept-Album „The Silver Gymnasium“ (2013, ATO) verstetigte sich die Formkurve der Band aus Austin/Texas wieder auf annehmbarem Level, auf „Away“ bieten Sheff und Co. unter Mithilfe von Folk-Lady Marissa Nadler und dem früheren Mitmusikanten und aktuellen Shearwater-Bandleader Jonathan Meiburg einen homogenen Stilmix aus gefälligen Indie-Folkrockern, melancholisch-nachdenklichen Balladen, die hinsichtlich musikalischem Gehalt uneingeschränkt zu überzeugen wissen, und psychedelisch gefärbten Indie-Pop-Klangbildern, letztere oft schwer Streicher-dominiert, im Geiste der Spät-Sechziger verhaftet und ab und an gefährlich in belangloser Easy-Listening-Nähe und/oder in zuviel opulentem Wohlklang-Schmalz getaucht.
Sheff verarbeitet in den Songtexten – mal wieder – persönliche Schicksalsschläge und Befindlichkeiten, insofern mehr Solo- als tatsächliche Band-Produktion der runderneuerten Combo-Besetzung, bereits der Titel des Openers „Okkervil River R.I.P.“ deutet schwer darauf hin, selber wird der Meister hierzu mit folgenden Worten zitiert: “It’s not really an Okkervil River album and it’s also my favorite Okkervil River album“ – ein zweites „Stage Names“ ist so oder so auch da nicht drin.
(****)

Nick Cave & The Bad Seeds – Skeleton Tree (2016, Bad Seed Ltd)
Die Begleitumstände zur Entstehung des Albums sind hinlänglich in der Presse dokumentiert worden: zur Zeit der Aufnahmesessions stürzt Nick Cave’s Sohn Arthur im Sommer 2015 unter LSD-Einfluss von einer Klippe in der Nähe des südenglischen Küstenorts Brighton und stirbt an seinen Verletzungen, ein trostloser Albtraum für Eltern und Angehörige, erwartet spartanisch-düster ist die Grundstimmung der aktuell veröffentlichten Arbeit des Australiers und seiner Bad Seeds, die auf „Skeleton Tree“ in der Besetzung Ellis/Casey/Wydler/Sclavunos/Vjestica vertreten sind. Die Wucht früherer Aufnahmen sucht man hier vergebens, der Großteil der Songs besticht durch finstere, Ambient-artige Klanggebilde und verstörende Drones, über die Cave seine lyrischen Betrachtungen/Gedanken/Meditationen über Verlust und Tod schweifen lässt. Der Hörer ist dankbar und verwundert, dass in diesem Kontext noch sporadisch-punktuelle Dur-Töne und Melodien erklingen, die so etwas wie schwache Hoffnung aufkeimen lassen. Die ergreifende Ballade „Distant Sky“, im Gesang von der dänischen Klassik-Sopranistin Else Torp begleitet, berührt emotional schwerst, ein Song wie etwa „Mercy Of Maria“ vom hervorragenden „Amsterdam Stranded“-Album der norwegischen Slowcore-/Alternative-Folk-Band Midnight Choir, über den der veröffentlichende Glitterhouse-Label-Chef Reinhard Holstein einst kund tat, er möchte ihn gerne auf seiner eigenen Beerdigung gespielt bekommen, damit wenigstens irgendwer weint.
Man hängt sich kaum zu weit aus dem Fenster, wenn man „Skeleton Tree“ im Nick-Cave-Kanon im Rang seiner besten Arbeiten wie „The Firstborn Is Dead“ (1985), „Your Funeral, My Trial“ (1986), „Tender Prey“ (1988, alle: Mute), dem zuletzt veröffentlichten „Push The Sky Away“ (2013, Bad Seed Ltd) oder dem zweiten Grinderman-Album (2010, Mute) einordnet.
Entfaltet im Winter dann seine ganze finster-morbide Pracht (Drohung und Versprechen).
(*****)

Wilco – Schmilco (2016, ANTI-/Epitaph)
Nö, irgendwie mag’s diesmal bei Wilco nicht funken. Geht schon mit der wenig originellen Anspielung im Titel auf Harry Nilssons schräges 1971er-Werk „Nilsson Schmilsson“ (RCA) los und wird im Inhalt nur unwesentlich lustiger. Jeff Tweedy und seine Mannen frickeln auf dem neuesten Werk im besten Fall gefällig entspannt vor sich hin, die beiden Auftaktnummern „Normal American Kids“ und „If I Ever Was a Child“ plus „We Aren’t the World (Safety Girl)“ gegen Ende des 36-Minuten-Gedudels kann man dahingehend auf die Positiv-Liste setzen, der Rest ist ein für diese verdiente Indie-/Alternative-Country-Band seltsam anmutendes, belanglos-uninspiriertes Geplätscher, in den schlimmsten Auswüchsen wie etwa „Someone To Lose“ befremdlich angelehnt an psychedelisch-verschwurbeltes Fab-Four-Geseier (das Album mit den vier Faschingsprinzen, William Burroughs, Marilyn Monroe, Bob Dylan, Lenny Bruce und vielen anderen Promis auf dem Plattencover und dem Fuß-einschläfernden Songmaterial, Ihr wisst schon… ;-)))
Was treibt eigentlich Tweedys ex-Uncle-Tupelo-Kumpel Jay Farrar derzeit? – Selten war für ihn die Gelegenheit günstiger, um mit einem halbwegs anständigen Album ein sauberes Konter-Tor zu erzielen.
(** 1/2 – ***)

Reingelesen (50): Willy Vlautin – Northline

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„Sie nahm seine Hand und sagte: „Ich denke, die Menschen brauchen einfach einen Ort zum Leben. Das braucht jeder. Es ist schwer, wenn Sachen sich verändern, die man kennt, wenn die Dinge schlimmer werden oder anders und man sich an die Zeiten erinnert, die einfacher waren oder sich wenigstens sicherer angefühlt haben und weniger hektisch. Für mich war es in Las Vegas so. Das alles sich verändert hat, und zwar zum Schlechteren.“
(Willy Flautin, Northline, Der Strip)

“Vlautin has written the American novel that I’ve been hoping to find.”
(George P. Pelecanos)

Willy Flautin – Northline (2010, Berliner Taschenbuch Verlag)

Es ist kein Roman für Ästheten, den Willy Vlautin mit seinem Zweitwerk im englischsprachigen Original 2008 beim Londoner Verlag Faber & Faber veröffentlichte. Er erzählt ohne Schnörkel im Stil des amerikanischen Realismus die Geschichte der jungen Allison Johnson. Aus einem zerrütteten Elternhaus stammend, hält sie sich mit einem Kellnerinnen-Job in Las Vegas mehr schlecht als recht über Wasser und hat neben einem massiven Alkoholproblem einen drogenverseuchten, gewalttätigen, rechtsradikalen Freund an der Backe. Als sie unfreiwillig schwanger wird, verlässt sie überstürzt die Stadt und versucht in Reno/Nevada (der Heimatstadt des Autors), ihre Probleme hinter sich zu lassen. Ihren neugeborenen Sohn gibt sie zur Adoption frei und stürzt dadurch in tiefe Depressionen, die sie bis zur Bewusstlosigkeit im Suff ertränkt.

„Auf dem Tisch hatten sie Knarren ausgelegt. Das Tischtuch war eine scheiß Nazifahne. Wir haben so Bier getrunken und sind ins Reden gekommen, und eigentlich wollten sie nur ein paar Latinos klatschen, mehr nicht. Keine speziellen, einfach rumfahren und auf irgendeinen armen Scheißer einprügeln.“
(Willy Flautin, Northline, Flying J)

In den hoffnungslosesten Momenten klammert sich Allison an imaginäre Zwiesprachen, die sie mit dem von ihr verehrten US-Schauspieler Paul Newman hält, aus den fiktiven Dialogen holt sie sich die Kraft zum Weiterkämpfen in der harten Welt der amerikanischen Low-Budget-Jobs. Dem Leser wird en passant eine Übersicht über die Filme Newmans vermittelt, quasi Bonus und einziger Nebenstrang in einem ansonsten konsequent stringent erzählten Roman.
Mit schlechtbezahlten Bedienungs- und Telefondrücker-Jobs schafft sich die junge Frau ein ausreichendes finanzielles Polster, mit dem sie sich eine eigene Wohnung – wenn auch in einer schäbigen Gegend – und eine überschaubare Grundversorgung im alltäglichen Leben leisten kann. Und ein paar Dollar finden sich auch noch in der Kasse, um den Tintenkünstler zu bezahlen, der das Hackenkreuz-Tattoo übersticht, welches sie von ihrem Rassisten-Ex Jimmy verpasst bekam.
Im weiteren Verlauf findet Allison langsam wieder in das soziale Leben zurück, sie pflegt freundschaftliche Kontakte zu gesellschaftlich Gestrandeten aus ihrem Umfeld wie der fettleibigen, fresssüchtigen Kollegin aus dem Telefonisten-Büro und einem psychisch ebenfalls schwer angeschlagenen Restaurant-Gast, mit dem sich eine Beziehung zum Open-End-Schluss des Romans entwickelt, einer der wenigen hoffnungsfrohen Lichtblicke in dem ansonsten weit von jeglicher Heiterkeit entfernten, harten, oft geradezu schmerzhaft ungeschönt erzählenden Werk, das in seinen deprimierenden Geschichten keinen Gedanken in Richtung Sozialromantik aufkommen lässt. Der American Dream findet schlichtweg nicht statt oder ist längst ausgeträumt, das Leben der Roman-„Heldin“ als New-Economy-Verliererin bleibt bedeutungslos, der vielzitierte White Trash eben, dem Vlautin hier ein literarisches Denkmal setzt. Eine das Lesen lohnende Sozialstudie, die den Bildungsbürger schonungslos daran erinnert, dass auch in den westlichen Gesellschaften gilt, wovon Billy Bragg bereits vor vielen Jahren in seinem Song „Waiting For The Great Leap Forward“ gewarnt hat: „The Third World is just around the corner“

„Ihre Zähne waren braun, und sie hatte sich in diesem Jahr drei ziehen lassen. Sie hatte das Gesicht einer Frau, die jeden Tag trank und dann vergaß, etwas zu essen. Sie nahm eine Marlboro aus der Schachtel auf ihrem Schoß und zündete sie sich an.“
(Willy Flautin, Northline, Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit)

Trailerpark-USA, das Leben der hoffnungslosen Unterschicht, zerstörte Wirtschafts- und Sozial-Strukturen, massive Alkohol- und Drogen-Probleme, Fast Food, Entwurzelung und die triste Atmosphäre von Spielautomaten-Hallen, die Spätfolgen der für die US-Mittelschicht verheerenden Wirtschafts- und Fiskalpolitik der Reagan- und Bush-Jahre bilden den Rahmen für diesen in seiner tendenziellen Schlichtheit doch fulminanten Roman, welchen der Produzent der ausgezeichneten HBO-Serie „The Wire“, Krimi-Schwergewicht George P. Pelecanos, für den wichtigsten der Nuller-Dekade hält.

Der 1967 in Reno/Nevada geborene Autor Willy Vlautin hat bisher vier Romane veröffentlicht, die alle auch ins Deutsche übersetzt wurden. Stilisitisch wird er von Kritikern mit Autoren wie John Steinbeck und Raymond Carver verglichen.
Vlautin ist seit über 20 Jahren Sänger, Gitarrist und Songschreiber der amerikanischen Alternative-Country-Band Richmond Fontaine, die seit 1996 bisher elf von Kritikern und Fans hochgelobte Alben veröffentlichte.

Die englischsprachige Erstausgabe von „Northline“ enthielt als Bonusmaterial eine CD mit Musik von Willy Vlautin und Mitgliedern seiner Band, sie ist nach wie vor bei Bandcamp verfügbar.

Reingehört (215): The Lavender Flu

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The Lavender Flu – Heavy Air (2016, Meds)
Bereits Anfang des Jahres unters Volk gebrachtes Debüt der Band um den Gitarristen Chris Gunn, der in früheren Jahren bei der Portland/Oregon-Punk-Combo The Hunches mitmischte. In Heimarbeit im freien Experiment über mehrere Jahre eingespielt und zusammengelötet. Dreißig meist recht knapp in klassischer Pop-Song-Länge gehaltene Kleinode, die Freunden des schrägen Indie-DIY-Pop, der psychedelischen Fuzz-Gitarre und des hingeschrammelten Sixties-Garagenrock hiermit wärmstens ans Herz gelegt seien.
Der Songzyklus atmet auf äußerst charmante Weise den Geist von verschwurbelt-unvollkommenen Eigenproduktionen wie den frühen Half-Japanese-Aufnahmen, im eigenen Keller zusammengefrickelten LoFi-(Post-)Punk-Songs und den bizarr-schönen, depressiven Pop-Epen und kaputten Folk-Balladen des genialen Outsider-Wirrkopfes Daniel Johnston.
Wie ein versierter Trapezkünstler hält die Band auf dem Album eine gelungene Balance zwischen freiem, losgelösten, mit schwerem Hang zur Kakophonie neigenden Musizieren/Improvisieren und Song-orientiertem Material, dass dem Werk die individuelle Note gibt.
„All killer, no filler“, das lässt sich hören, über die volle Doppel-LP-Distanz.
(**** ½)

Reingehört (214): Nils Petter Molvær

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[Buoyancy: the ability or tendency of something to float in water]

Nils Petter Molvær – Buoyancy (2016, Okeh)
Der norwegische Trompeter Nils Petter Molvær, ausgewiesener Pionier des elektronischen Jazz-Grenzgangs, weiß auf seinem aktuellen Album „Buoyancy“ mit einem ausgewogenen Fusion-Repertoire über weite Strecken zu überzeugen, neben dem – bedauerlicherweise punktuell an nervtötendes 70er-/80er-Miles-Davis-Getröte angelehnten – meditativen Trompetenspiel besticht das dieser Tage erschienene Album vor allem durch seine entspannt-atmosphärischen Space-Rock-Höhenflüge, die durch verzerrte Prog-Rock-Gitarren dominierten, von dezenten Beats, Trance- und Ambient-artigen Soundstrukturen spannend unterfütterten Jams sollten auch im Rock-Musik-konsumierenden Lager auf offene Ohren und Gegenliebe treffen. Weitaus mehr frei fließendes, gruppendynamisches Zusammenwirken als begleitendes Musizieren für einen Ausnahmemusiker war bei den Aufnahmen offensichtlich das Grundkonzept, ein für andere Stile und Einflüsse offener Jazzer ist Molvær sowieso seit jeher, im vorliegenden Fall hätte etwas weniger Miles-Gehupe und eine Prise mehr „Dark Star“-Grateful Dead oder „Crazy Diamond“-Pink Floyd die Aufnahmen noch weiter nach vorne gehauen, so reicht es nicht ganz für den Reigen seiner herausragenden Werke wie „Khmer“ (1998), „Solid Ether“ (2000, beide ECM) oder „Er“ (2005, Okeh), für anregendes Lauschen indes ist der Stoff allemal hinlänglich brauchbar…
(****)

Reingehört (213): Wovenhand

KULTURFORUM Wovenhand @ Ampere, München, 2014-09-14 www.gerhardemmerkunst.wordpress.com (24)

Wovenhand – Star Treatment (2016, Glitterhouse / Sargent House)
In der aktuellen Septemberausgabe seines Mailorder-Katalogs bewirbt das Glitterhouse-Label das neue Wovenhand-Album unter anderem mit dem folgenden unfreiwillig humorigen, zudem grammatikalisch recht abenteuerlichen Satz: „Wovenhand’s neuntes Album, das den Titel „Star Treatment“ ist das 9. Album.“ [sic] Wer hätte das gedacht, das neunte Album ist tatsächlich bereits das neunte der Band ;-))) Damit aber genug der sinnentleerten Kalauer, dafür ist die neue Arbeit von David Eugene Edwards und den Seinen eine viel zu ernste Angelegenheit.
Der schillernd-rätselhafte Schamane bedient seine Jünger einmal mehr mit einer bezwingenden, tiefgründigen Mixtur aus Alternative Country, Americana und düsterem Folk als tragfähige musikalische Grundausstattung und einer schier unendlichen Palette an ergänzenden Beigaben aus Drone Metal, Ambient und Industrial, in der er seine ganze schwere Pracht in Form von treibenden Southern-Gothic-Rockern, intensiven, psychedelischen Beschwörungen und tiefgründigen, getragen-ergreifenden Balladen entfaltet.
Selten hat der ex-16-Horsepower-Vorsteher seine spirituellen Erfahrungen und seine unkonventionelle, kompromisslose, von alttestamentarisch-christlichen Schriften und indianischen Mythen geprägte Weltsicht stilistisch vielschichtiger, ausgewogener und in ihrer wuchtigen, sporadischen Härte eindringlicher zelebriert.
Und selten gehen biblische Allegorien, der jahrhundertealte Geist der Native Americans und zentnerschwerer Alternative Rock schöner zusammen als auf einem Wovenhand-Tonträger.
Bibelstunde goes Dark Underground, da fängt auch der übellaunigste atheistische Ungustl zu meditieren an, und David Eugene Edwards gibt als Sinnspruch ein ultimatives „Give up your dead!“ mit auf den Weg…
(*****)

Intensivste konzertante Beschwörung des mysteriösen, dunklen amerikanischen Südens am 21. September im Münchner Ampere und heute Abend im Frankfurter Zoom.

Weitere Termine:

15.09.2016 – Bern – ISC
16.09.2016 – Zürich – Bogen F
17.09.2016 – Wien – Flex
18.09.2016 – Budapest – A38
20.09.2016 – Salzburg – Rockhouse
22.09.2016 – Leipzig – Connewitz
23.09.2016 – Berlin – Heimathafen
24.09.2016 – Hamburg – Reeperbahn Festival

The Brian Jonestown Massacre @ Strom, München, 2016-09-02

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Das Strom hat sich per Aushang für ein ausverkauftes Haus bedankt, und die, die sich um ein Ticket im Vorfeld bemüht haben und auch zum um einige Tage auf ein späteres Datum verlegten Konzerttermin Zeit fanden, sollten ihren Besuch nicht bereuen. Der inzwischen in Berlin lebende Band-Vorsteher Anton Newcombe wusste bereits im Vorjahr im Verbund mit der bezaubernden Tess Parks an gleichem Ort schwerst zu begeistern, im Rahmen des einzigen Deutschland-Konzerts der kurzen Europatournee mit seiner Stammcombo The Brian Jonestown Massacre hat er vergangene Woche erneut die Herzen der Zuhörerschaft innerhalb kürzester Zeit im Sturm erobert.
Publikumswünsche mochte Newcombe nicht annehmen, nach zweieinhalb Stunden Rundum-Glücklich-Paket mit der Band-eigenen Mixtur aus Velvet-Underground-Geschrammel, heulend-melodischen Psychedelic-Rock-Gitarren in Anlehnung an die Besten ihres Fachs wie The Jesus And Mary Chain, Galaxie 500 und Spacemen 3 und tollen Folk-Rock-Tunes als Grundgerüst der Songs ließen die bis zu acht Mann auf der Bühne versammelten Musiker keine Wünsche mehr offen, in der über 30 Stücke fassenden Setlist dürfte aus dem reichhaltigen Œuvre des seit 1990 aktiven Musikerkollektivs aus San Francisco für jeden etwas dabei gewesen sein.
Neben der begeisternden Werkschau an sich wusste vor allem Bandleader Newcombe selbst mit unterhaltsamen Anekdoten am Rande und Tambourine-Spieler Joel Gion mit an Eiswürfel-pissen grenzender Coolness im Auftreten und geschmeidig-formvollendeten Gesten in seinem Perkussions-Spiel auf das Angenehmste zu unterhalten.
Manchmal kann ein konventionelles Indie-Rock-Konzert das Erfrischendste seit Erfindung von Club-Mate sein und im Nachgang zum vortäglichen Hörgewohnheiten-Erschüttern in Form der Sunn-O)))-Volldröhnung war’s geradezu Balsam für die geschundenen Gehörgänge. Super, dass es dem Anton im Münchner Strom-Club so gut gefällt, das Publikum hat es ihm an dem Abend in Form von frenetischem Applausspenden herzlichst gedankt.
(*****)

Reingehört (212): Rhyton

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Rhyton – Navigating By Starlight (2016, Mie)
Zwei ellenlange, instrumentale Space-Rock-Übungen des Experimental-Trios aus Brooklyn. Die Herren Shuford, SeiTang und Smith ergehen sich in frei fließenden Gitarren-Psychedelic-Improvisationen, die jedem Grateful-Dead-Fan in Reminiszenz an das ausgedehnte, von Deadheads schwerst verehrte „Dark Star“-Jam-/Impro-Soundexperiment das Herz aufgehen lassen.
Im zweiten Stück des Tonträgers, dem 22-Minuten-Epos „Skylla & Charybdis“, lebt die Band erneut ihr Faible für die griechische Mythologie aus, die bereits auf der exzellenten Scheibe „Kykeon“ (2014, Thrill Jockey) ausgiebigst zum Tragen kam, im aktuellen Fall aber deutlich losgelöster von jeglichen gängigen Strukturen der Komposition und des Vortrags. Selten sind sie in konservierter Form der bezwingenden hypnotischen Präsenz ihres Live-Improvisations-Rausches näher gekommen.
Wer je erlebt hat, welch verbalen Ergüsse eines bis unter die Halskrause dichten Dave Shuford zu überstehen sind, ehe man durch käuflichen Erwerb in den Besitz eines Rhyton-Tapes am Merchandising-Tisch der Band nach einem Konzert kommt, darf sich glücklich schätzen, hier einfach per Mausklick in den Genuss der ausufernden Space-/Psychedelic-Preziosen zu kommen.
„Turn on, tune in, drop out“, wie der Leary seinerzeit so schön zum Besten gab.
(*****)

Rhyton live @ nyctaper.

Reingehört (211): Cool Ghouls

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Cool Ghouls – Animal Races (2016, Empty Cellar)
Dritter Longplayer der Cool Ghouls aus San Francisco. Dem inzwischen zum Sextett angewachsenen Haufen Eklektizismus in Sachen Sixties-Garagen-Rock und Psychedelic-Pop zu unterstellen, wäre geradezu eine Untertreibung. Die Combo glänzt mit einer treibend-melodischen Variante des Flower-Power-beeinflussten Jangle-Gitarren-Pop, den ältere Semester in den späten Achtzigern vor allem bei neuseeländischen Bands des Flying-Nun-Labels wie den Sneaky Feelings, The Clean oder den Bird Nest Roys zu schätzen wussten. Manchmal braucht es tatsächlich nur die Besinnung auf bewährt-tradierte Pop-Töne, um ein schmissiges Album unter’s Volk zu bringen. Man würde so gerne zum Verriss ansetzen ob dieser absolut rückwärts gewandten Spielart des Indie-Gitarren-Pop und kriegt es doch nicht in die Tastatur gehackt bei soviel wunderbaren Melodien und untrüglichem Gespür für die richtige Mixtur aus Harmoniegesang, verhallten Sounds und treibenden Sixties-Beats…
(****)

Sunn O))) + Big | Brave @ Hansa39, München, 2016-09-01

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„Die Stimmung? So hoffnungsfroh wie ein Spaziergang mit Michael Gira durch ein geplündertes Dorf im Dreißigjährigen Krieg“ hat die Spex im letzten Jahr zum Album „Au De La“ des kanadischen Trios Big | Brave geschrieben, die Assoziation kommt ungefähr auch hin für das Eröffnungskonzert des Abends im Hansa39 des Münchner Feierwerks am vergangenen Donnerstag, welches die Band aus Toronto für eine gute halbe Stunde zum Besten gab, und doch sollte sich der über weite Strecken gelungene Mix aus No Wave Hardcore, Sludge-Metal, zäh-stoischem Noiserock und Lydia-Lunch-verwandtem Geschrei im Vergleich zu dem, was da im Nachgang noch kommen sollte, wie der reinste Ponyhof-Kindergeburtstag ausnehmen. Wie auch immer, das im Tempo reduzierte, vor allem auf brachialen E-Gitarren gestützte Herummäandern auf Nerven und Gehörgängen der bereits zahlreich anwesenden Zuhörerschaft wusste im ersten Eindruck durchaus zu überzeugen, Efrim Menuck von den kanadischen Postrock-Göttern Godspeed You! Black Emperor hat sich als Produzent oben genannten Tonträgers auch schon um die Combo angenommen, wird also schon was dran sein, an dem Krach…
(****)

Kuttenbrunzer-Drone-Metal, mystisch verbrämter Mönch-Firlefanz oder doch die ganz große Kunst-Offenbarung in Sachen grenzensprengendes Musiktheater? Kalt gelassen hat’s wohl niemanden, was die Experimental-Experten Stephen O’Malley und Greg Anderson aus Seattle/Washington mit ihrem Drone-Metal-Projekt Sunn O))) unter Mithilfe ihrer Wegbegleiter Attila Csihar, Tos Nieuwenhuizen und des zeitweiligen Earth-Keyboarders Steve Moore im vollbesetzten, Trockeneis-durchwehten Hansa39 veranstalteten. Der mittelalterliche, Sektierer-hafte Kuttenaufzug und das theatralische Zeitlupen-Herumgestikulieren mag manchen peinlich berührt an Metal-Residents denken lassen, im musikalischen Bereich hatten die fünf Musiker jedoch ohne Zweifel absolut Unkonventionelles zu bieten. Schwere, düstere, von den schleifend-dröhnenden Gitarren-Feedbacks dominierte, sich permanent wiederholende Experimental-Drones beschallten aus dem massiven Verstärker-Halbrund den Raum, oft nur rudimentär durchbrochen von Krautrock-artigen Minimal-Music-Anschlägen am Fender-Rhodes-Keyboard, elektronischen Samplings, finsteren Höllengesängen und kurzem, wohltönendem, erlösendem Posaunengetröte. Klanglandschaften und Soundgebilde, die die Grenzen jeglicher gängiger (Rock-)Musik weit hinter sich lassen, Töne statt Songstrukturen, Verharren und Meditieren in permanent wiederholten, finsteren Stromgitarren-Verzerrungen, Ganzkörper-erschütternde Bässe, Ambient trifft Black Metal, die hoffnungslose, abstrakte, Hörgewohnheiten zerrüttende Krach-/Klangorgie gepaart mit den optischen Eindrücken hat Bilder von Hexen-/Ketzerverbrennungen und Exorzismen im Kopf entstehen lassen. Gebannt-hypnotisiert nimmt man Anteil an der Aufführung und fragt sich nach hundert Minuten tonal-atonalem Stahlbad doch: Braucht’s das?
Eines jedoch ist unstrittig: wuchtiger, vollumfänglicher, lauter, bildgewaltiger hat lange niemand mehr so irritiert (und ihre Jünger begeistert) wie Sunn O))).
Dass diese Drone-Metal-Nummer auch ohne das Kostümierungs-Brimborium perfekt funktioniert, hat der Wahl-Isländer Ben Frost beim diesjährigen Münchner Frameworks-Festival im vergangenen Frühjahr eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
(****)

Sunn O))) live @ nyctaper.com / southernshelter.com