Volksmusik

Soundtrack des Tages (176): Senyawa

Noise-Leckerbissen von Rully Shabara und Wukir Suryadi aus Java: Ohren auf für den Ethno-Doom-Metal-Experimental-Folk des indonesischen Duos Senyawa. Das zweite Video ist der Kurzfilm „Calling The New Gods“ des französischen Dokumentar-Regisseurs Vincent Moon über die Band. Be strong or be wrong.

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Konzert-Vormerker: Ippio Payo + Širom

Ippio Payo + Širom: Experimentelles Instrumental-Doppelpack am 26. Juli in der Bergschmiede Sendling, Pfeuferstraße 38, Einlass ab 19.00 Uhr, Eintritt frei(willige Hutspende).

Josip Pavlov ist in der Münchner Musik-Szene THE man of many talents, Drummer bei den Grexits, Bass bei Majmoon, Gitarre bei Zwinkelman und Das weiße Pferd, Konzertveranstalter beim Maj Musical Monday in der Münchner Glockenbachwerkstatt, gibt kaum etwas an musikalischem Experiment in der Stadt, wo der rührige Multi-Instrumentalist nicht beteiligt wäre.
In der Bergschmiede, in der er bereits vor einer Weile zusammen mit seinem kongenialen Mitmusiker Dominik Lutter eine Kostprobe seiner akustischen Tonkunst mit Zwinkelman zum Besten gab, wird er am 26. Juli solo die Arbeiten seines Postrock-Projekts Ippio Payo vorstellen, die Vorstellung des demnächst bei Echokammer erscheinenden Debüt-Albums „All Depends On Nature“ findet sich hier.

Photo Copyright © by Nada Žgank

Den zweiten Teil des Abends wird die Band Širom aus Slowenien bespielen, die tonale Kunst des Trios bewegt sich in einem Spannungsfeld aus osteuropäischer Volksmusik und experimenteller, in Richtung Ambient driftender Instrumental-Klangwelten. Ana Kravanja, Iztok Koren und Samo Kutin beherrschen zusammen weit über zehn Instrumente und lassen die Inspiration und Erfahrung ihres jeweiligen Mitwirkens in anderen Bands wie ŠKM banda, Hexenbrutal, Najoua, Samo Gromofon und Horda grdih mit in ihre faszinierenden Tondichtungen einfließen. Ethno, World, Balkan-Folk und Experimental-Drone jenseits der ausgetretenen Pfade, man darf gespannt sein.

Reingehört (307): Ippio Payo, Zwinkelman, The Grexits

The Grexits – Δε Γκρέξιτς (2017, Echokammer / Gutfeeling Records)

Nikos Papadopoulos liefert auf dem Debüt-Album der Grexits eine betörende Mixtur aus der subkulturellen Rembetiko-Volksmusik Griechenlands und heftigem Garagen-Surf-Punk plus Artverwandtem aus dem angloamerikanischen Indie-Krach-Betrieb, maßgeblich unterstützt wird der Musiker von den befreundeten Münchner Band-Kollegen Josip Pavlov, Daniel Murena und Echokammer-Labelchef Albert Pöschl, die der interessierten Hörerschaft und den Konzertgängern der Isarmetropole durch ihr Mitwirken bei Bands wie Majmoon, Zwinkelman, Ippio Payo, Das weiße Pferd, Murena Murena oder 4 Shades bereits das eine oder andere Mal untergekommen sein dürften.
Der von der osmanischen Musiktradition beeinflusste Arme-Leute-Folk der Rembetiko, gerne als der „griechische Blues“ kategorisiert, eignet sich im Underground-Kontext durch seine Herkunft aus Hellas‘ Hafenstädten und die Songtexte über das harte Leben, Drogenerfahrungen, unglückliche Liebschaften, Kleinkriminelle und ihre Aufenthalte im Zuchthaus bestens als Beigabe zur gedeihlichen Sound-Collage mit dem Uptempo-Anschlag des Surf-Punk, der wuchtigen Direktheit des No Wave und dem schneidigen Gitarren-Trash-Ansatz, den die Band geschickt in ihrem radikalen Ansatz mit dieser speziellen Art der Mittelmeer-Folklore in psychedelischer Akzentuierung verwebt.
Die gelungene Veröffentlichung präsentiert in zehn Werken Eigenkompositionen aus der Feder von Nikos Papadopoulos, ein Surf-Punk-Instrumental von Albert Pöschl, Interpretationen traditioneller Rembetiko-Klassiker von griechischen Musikern wie dem Bouzoukispieler Iovan Tsaous, der 1942 während einer durch die deutsche NS-Besatzung ausgelösten Hungersnot ums Leben kam, und dem legendären Jiorgos Katsaros, der in den zwanziger Jahren in einigen Hollywood-Filmen als Hauptdarsteller mitwirkte und Schauspieler-Kollegen wie Chaplin und Bogart und den spanischen Klassik-Gitarristen Andrés Segovia zu seinen Bewunderern zählte.
Mit elektrisch verstärktem Rock’n’Roll-Instrumentarium retten die Grexits das Proletarier-Klagen aus den Hafen-Kaschemmen von Athen, Piräus und Thessaloniki in die Moderne der Neuzeit. Die Musik-Tradition der westlichen Pop-Welt kommt mit der Adaption des Punk-Klassikers „Attitude“ der Misfits zu Ehren, einer Version, die sich im Ansatz nicht allzu weit vom Original wegbewegt, sowie einer Dekonstruktion des Beatles-Hits „A Hard Day’s Night“ als schwergewichtige No-Wave-Akropolis, derartige stilistische Umwidmungen sind heutzutage wohl die einzig legitime Form, dieses über die Jahrzehnte totgespielte Songmaterial fürderhin guten Gewissens zu kredenzen.
Christos Davidopolous, seines Zeichens Münchner Optimal-Plattenladen-Chef und Trikont-Rembetiko-Sampler-Kompilierer, erzählt in den launigen Liner-Notes zum schmissigen Album, die er im Verbund mit dem allseits geschätzten Augsburger Autor Franz Dobler verfasste, unter anderem auch die Geschichte über die Geburtsstunde der Grexits bei einer Benefizveranstaltung für soziale Initiativen in Griechenland im Münchner Milla-Club, anno 2013.
The Grexits spielen demnächst live in München zu folgenden Gelegenheiten: am 22. Juli im Ampere und am 26. August im Rahmen des Sommer-Theatron-Festivals im Olympia-Park.
(*****)

Ippio Payo – All Depends On Nature (2017, Echokammer)

In einer knappen halben Stunde entfächert der Münchner Allrounder Josip Pavlov mit Unterstützung des Drummers Tom Wu unter dem Bandnamen Ippio Payo in sechs Stücken einen bunten, schwerst beeindruckend-überwältigenden Strauß aus der wunderbaren Welt des instrumentalen Postrock und der Kraut-Psychedelic.
In „Companions“ interpretiert er das Genre als repetitiven Indie-Rocker im nervösen Feelies-Kontext, die Hypnose-Spielart des Postrock, quasi. „Ankommen“ trifft im tiefenentspannten Flow als relaxter Hawaii-Ethno-Slide-Blues ein, man sieht die Blumen-bekränzten Mädels im Bast-Rock förmlich vor dem inneren Auge mitgrooven, Musik, die derart positiv besetzte Assoziationen heraufbeschwört, kann nicht genug gelobt werden.
Im weiteren Verlauf steigert sich das Duo in einen betörenden Krautrock-Fluss, im herrlichen „Terra Meter“ nehmen Pavlov und Wu den Hörer mit auf einen düster funkelnden, psychedelischen Space-Trip, angereichert und formvollendet durch beigemischte Electronica-Würze von Tobias ‚Hopsing‘ Laemmert, die ausgiebigen 7 Minuten hätten jedem Longplayer der Kölner Experimental-Pioniere Can zur Ehre gereicht. „Fisherman“ würdigt die Kraut-/Ambient-Variante der Chicago-Schule aus dem Hause Tortoise und „I Owe You A Dinner“ beginnt als einfach strukturierte Klangmeditation, die den Postrock in die finale, rauschhafte Kontemplation überführt.
Josip Pavlov, a man of many talents, ist auch bei den Grexits (siehe oben) als Drummer, bei Zwinkelman (siehe unten) und Das Weiße Pferd als Gitarrist und bei der Münchner Postrock-Band Majmoon als Bassist zugange, wie Ippio Payo alles durch die Bank empfehlenswerte Münchner Bands/Projekte, man darf getrost gespannt sein, was als nächstes kommt von diesem Ausnahme-Musiker.
„All Depends On Nature“ ist derzeit bei den Konzerten von Ippio Payo erhältlich, ab November 2017 via Echokammer dann auch im gut sortierten Fachhandel und Versand.
In München spielen Ippio Payo live am 1. Juni in der Roten Sonne einen Warm-Up-Gig für das Noise Mobility Festival in der Glockenbachwerkstatt (3. – 5. Juni), Josip Pavlov präsentiert einen Solo-Auftritt am 26. Juli in der Bergschmiede (ex-Galerie gUT, ex-Bienenorden), zusammen mit dem wunderbaren slowenischen Weltmusik-Trio Širom.
(***** – ***** ½)

Zwinkelman – Hallo Lullu / GoldWert 7“ (2017, Echokammer)

Josip Pavlov, once more: zusammen mit seinem kongenialen Gitarren-Partner Dominik Lutter veröffentlicht er demnächst den ersten Zwinkelman-Tonträger und fängt damit die reine Schönheit der minimalistischen Live-Vorträge ein, das Instrumental-Duo wurde an dieser Stelle bereits in jüngster Vergangenheit ob ihrer berückenden Support-Konzerte für die amerikanische Indie-Legende Chris Brokaw und die südkoreanischen Ausnahme-Postrocker Jambinai 잠비나이 gewürdigt, mit der ersten Single dürfen sich die Freunde der gepflegten Akustikgitarre und des filigranen Postrock-Ansatzes künftig zwei feine Zwinkelman-Arbeiten als Tonkonserve zur heimischen Nachbetrachtung und zum Schwelgen im tonalen Wohlklang angedeihen lassen – wie stand hier vor Kurzem zu lesen:
„Das Duo beschreitet neue Wege des instrumentalen Ausdrucks, indem es abstrahiert und loslässt vom gängigen Postrock. Keine Gitarrenwände, keine explodierenden Lärm-Fontänen, kein altbekanntes Laut-Leise-Auf-und-Ab: Zwinkelman und ihr alternativer akustischer Routenplaner für das Beschreiten instrumentaler Klanglandschaften führt in ruhig-kontemplativer, nahezu meditativer Manier heran an die Erweiterung der Hörgewohnheiten.“
Das Release-Konzert zur Single steigt am 13. Juni in der Münchner Polka Bar, Pariser Straße 38, Zwinkelman haben für diesen Abend den Klangkünstler Jason Arigato zwecks Gastauftritt geladen.
(*****)