Post-Rock

Reingehört (394): The Chapel Of Exquises Ardents Pears

The Chapel Of Exquises Ardents Pears – TorqueMadra EP (2017, The Chapel Of Exquises Ardents Pears)

2016 hat sich die britische Postrock-Band Stems mit ihren französischen Kollegen von Anathème für ein gemeinsames Projekt zusammengefunden, unter dem gemeinsamen Namen The Chapel of Exquises Ardents Pears entstand die EP „TorqueMadra“, live in ausgedehnter und berauschender Form unter anderem beim diesjährigen Dunk!Festival im belgischen Zootegem aufgeführt, auf Tonträger nicht minder berückend. Das Länder-übergreifende Projekt ergeht sich in einem Spannungsfeld zwischen minimalistischer, Cello-dominierter Neoklassik und dem voluminösen Klangbild des Postrock in wechselweiser Erhabenheit wie ausuferndem Ungestüm und lässt damit Vergleiche zum Werk der kanadischen Götter von Godspeed You! Black Emperor zu, ohne sich dem Vorwurf des Epigonentums aussetzen zu müssen, dafür hat das Brexit-ignorierende Kollektiv weitaus zu viele eigene Ideen im Klang-Entwurf.
Die EP hat einen gewichtigen Nachteil: die 4 Stücke von „TorqueMadra“ bringen es gerade mal auf knapp über 20 Minuten Spielzeit, und damit ist das gute Werk viel zu kurz ausgefallen, gerade, wo sich’s am Schönsten im tonalen Flow schwelgen lässt, ist es bereits wieder vorbei mit der Herrlichkeit. Es bleibt die Hoffnung auf einen ausgedehnteren Klangrausch via Tonträger in der Zukunft (und vielleicht auf eine Wiederholung der konzertanten Pracht beim kommenden dunk!Festival im Mai 2018).
(*****)

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Reingehört (388): Gunn-Truscinski Duo

If I were forced to put what John and Steve play into a genre I would simply call it „music“. There’s a quality of timelessness to it without being nostalgic that is impossible to manufacture.
(Kim Gordon)

Gunn-Truscinski Duo – Bay Head (2017, Three Lobed Recordings)

Gibt eine Handvoll Musiker, denen kann man blind vertrauen. Der amerikanische Indie-Gitarrist Steve Gunn ist in jedem Fall so einer – ob mit modernem, unaufgeregtem Alternative-/Cosmic-American-Rock auf seinen Soloalben, im strengeren Country-/Bluegrass-Rahmen mit den Black Twig Pickers oder im Improvisations-artigen, freien Instrumentalflow wie auf der jüngsten Kollaboration mit dem Drummer und langjährigen Weggefährten John Truscinski, der in Brooklyn ansässige Ausnahmemusiker liefert permanent ohne Abstriche Qualität und Erbauliches.
Das Gunn-Truscinski Duo ist erstmals 2010 mit vier exzellenten Kompositionen auf der in Kleinstauflage limitierten „Sand City“-LP in Erscheinung getreten, seitdem sporadisch auf ein paar weiteren Tonträgern und zu konzertanten Zusammenkünften. Das Duo versteht sich blind im Entwickeln der einnehmenden Klangkonstrukte, oft kristallisiert sich in den einzelnen Werken aus eingangs abstraktem Ambient-Drone eine klare Struktur heraus durch Führung der Gitarre, die sich auf dem aktuellen Album in berauschender Psychedelic, ausladendem Cosmic-American-Höhenflug, filigranem Akustik-Gitarren-Gezupfe und arabisch-orientalischer Trance-Mystik ergeht, weitaus komplexer und vielfältiger, als man das gemeinhin von Duo-Aufnahmen erwarten darf. Sich wiederholende Melodien-Muster und die sich steigernde Intensität des Vortrags wie die stoisch-robuste Rhythmik erinnern an Genre-typische Elemente des Postrock, auch der hypnotische Charakter einiger Instrumental-Übungen des Albums passen dahingehend gut ins Bild, man täte dem Tonträger aber unrecht, ihn stilistisch auf eine einzige Spielart zu fixieren, eine reichhaltige Bandbreite an losgelöstem Blues, Gitarren-Jazz, Experiment, östlichen Anklängen und bewährten Rock-Riffs greift beim Zusammenspiel des Gunn-Truscinski Duo ineinander. Ray Manzarek von den Doors hatte in den Sechzigern Momente in seinem Orgelspiel, in dem er sich völlig in seiner Musik verlor, Steve Gunn tut es ihm dahingehend an der Gitarre auf „Bay Head“ wiederholte Male nach und präsentiert so die reine Schönheit seiner tonalen Kunst.
(*****)

Gunn-Truscinki Duo Live @ nyctaper.com.