Reingehört (301): Aimee Mann

Aimee Mann – Mental Illness (2017, Membran / Sony)

Aimee Mann meldet sich aus der kreativen Pause zurück, wie schön. Um die Jahrtausendwende hat sie mit ihren Beiträgen zum „Magnolia“-Soundtrack und ihrem großen Indie-Pop-Wurf „Bachelor No. 2 Or, The Last Remains Of The Dodo“ für gesteigerte Begeisterung in der Musikwelt gesorgt, neben diversen einnehmenden Folgearbeiten, denen in Fachkreisen grundlegend Respekt gezollt wurde, erschien 2005 das von Joe Henry produzierte, überzeugende Konzeptalbum „The Forgotten Arm“, auf dem die schlanke Blonde ihre eigenen Erfahrungen als Boxerin einfließen ließ, im Jahr darauf folgte mit einer belanglosen Weihnachtslieder-Sammlung der gefühlte schöpferische Tiefpunkt, damit befindet sich Frau Mann in prominenter Gesellschaft, der wandelnde Literaturnobelpreisträger-Witz und Sinatra-Nöler hat die geneigte Hörerschaft ein paar Jahre später mit seinem grauenvollen Sondermüll „Christmas In The Heart“ verprellt, nicht zum ersten und auch nicht zum letzten Mal, aber das ist eine andere Geschichte.
Nach fünf Jahren Funkstille meldet sich Aimee Mann mit einer ihrer stärksten Arbeiten zurück, „Mental Illness“ glänzt mit allem, was die Songwriterin aus Virginia seit jeher aus der Masse der singenden Sirenen heraushob, das feine Gespür für getragene Song-Epen, die dezente Verbindung zum schwer melodiösen, entspannten Folk-, Kammer- und Indie-Pop, gekrönt von dieser tiefenentspannten, mit einem Übermaß an Wohlklang und Eindringlichkeit gesegneten Singstimme, die wie stets gefühlvoll, melancholisch, ins Sentimentale driftend mit Hirn und Herz vorträgt, ohne je die Grenzen des Kitschs zu streifen.
Thematisch eine intelligente Auseinandersetzung mit den Schrullen, Ritualen und desillusionierenden Unzulänglichkeiten im alltäglichen Leben, von misanthropischen Anwandlungen bis hin zum Herzschmerz durchleuchtet Aimee Mann in elf kraftvollen, ausgewogenen Kompositionen die Ausprägungen der Seelenpein, ohne dabei der Depression Raum zu geben. Trotz thematischer Schwere Balsam für die Seele und den Gehörgang.
Feines Werk.
(**** ½ – *****)

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