Elektrik Kezy Mezy @ Viehhof-Kino Kultur-Festival, München, 2017-06-01

Das Open-Air-Kino im Viehhof hat am vergangenen Donnerstag im Münchner Schlachthof-Viertel zum siebten und und in diesem Jahr bedauerlicherweise letzten Mal für einen hoffentlich langen Biergarten- und Film-Sommer die Pforten am Areal an der Tumblingerstraße geöffnet, die Gentrifizierung schreitet in der Isar-Metropole unvermindert voran, künstlerische Freiräume und Begegnungsorte im öffentlichen Leben wie die Kino-Veranstaltung müssen sich alternativ ab 2018 einen neuen Austragungsort suchen, hinter den altehrwürdigen Schlachthof-Backsteingebäuden werden in kommenden Jahren die Baugruben ausgehoben, um darin ein weiteres Stück Münchner Subkultur zu beerdigen.
Als Festival-Eröffner lief der Dokumentarfilm „This Is Atomic Love“ von Heike Schuffenhauer und Marc Seibold über das – wie passend – leider vor einigen Jahren bereits dahingeschiedene Atomic Café, dem heimeligen Live-Club in der Münchner Innenstadt, in dem sich die durchreisenden internationalen wie auch lokalen Indie-Größen wie Pete Doherty, Wire, die Buzzcocks, The Wedding Present oder die Sportfreunde Stiller fast zwei Dekaden lang die Klinke in die Hand gaben.
Komplementär zur Film-Doku enterten vorab die beiden Musikanten von Elektrik Kezy Mezy die kleine Viehhof-Musikbühne zur Einstimmung in das Tages-Programm, ebenfalls ehemals im Atomic des Öfteren zur Beschallung unterwegs, mal wieder eine willkommene Gelegenheit zur Erbauung an der Trash-Kunst der Münchner Garagen-Beat-Institution.
Das Duo spakulierte dann auch nicht lange rum mit belanglosen Vorgeplänkel und stieg direktemang ein in die Herrlichkeit seiner energiegeladenen Aufführung, begleitet von wuchtigen Beats und sattem Saitenanschlag zelebrierte die Combo ihren herrlich zupackenden Versatz aus Garagen-Trash-Blues, der wie erwartet gekonnt und mit Liebe zum Detail die weiteren Einflüsse wie Tamla-Motown-Soul und verhallte Sixties-R’n’B-Anleihen, den Punk-Rotz der Combos aus dem Crypt-Records-Stall und den naturbelassenen Duett-Ansatz der Frühphase der Black Keys zitierte, Trommler Frank Feller schuf die solide Groove-Grundlage für die satten Licks, das virtuose Spiel mit den Wah-Wah-Pedalen im Hendrix-Stil und die intensive Stimm-Akrobatik von Sänger/Gitarrist Gregor Amadeus Böhm.
Feinstes Kezy-Mezy-Rock-and-Roll-Entertainment aus der Garage, das gerne die anberaumte Stunde an Konzertdauer hätte überschreiten dürfen. Bleibt abzuwarten, ob in diesem Sommer im Rahmen der Kino-Veranstaltung nochmal ähnlich Beherztes auf der Musik-Bühne vor dem Müllcontainer im Viehhof-Biergarten geboten wird…
(**** ½ – *****)

Hinterlasse einen Kommentar (Hinweise zur Prüfung von Spam-Kommentaren und Speicherung der IP-Adresse: siehe Datenschutzerklärung)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.