Fred & Toody + Top Down + Stani Kirov @ Backstage Club, München, 2017-02-07

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Gitarrengeschrammel Deluxe: Den launigen Garagen-Rock-Dienstagabend eröffnete solistisch das Münchner Blues-Urgestein Stani Kirov mit seiner unnachahmlich direkten Art in der Anmoderation und einer Auswahl neuer Songs, der Fish’n’Blues-Aktivist der Glockenbachwerkstatt und Sänger/Gitarrist der wiederauferstandenen bayerischen Kult-Band Sparifankal 2 um ex-Zündfunk-Moderator Carl-Ludwig Reichert glänzte mit rauher Tonlage im Gesang, so, wie sich das im geerdeten Blues eben ziemt, und beherztem Anschlag seiner elektrisch verstärkten und herrlich roh verzerrten Akustikgitarre, eigenes Liedgut sowie eine mit Leidenschaft vorgetragene Folk-Blues-Version der Kinky-„Kinkster“-Friedman-Nummer „Twirl“, die uns Kirov als „Smalltown Girl“ verkaufte, wussten angenehmst einzustimmen im gut gefüllten Backstage-Club.
(**** – **** ½)

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Das amerikanisch-deutsch-neuseeländische Trio Top Down mit Stammsitz in der Dead-Moon-Heimat Portland/Oregon gab im Mittelteil eine wunderbare Vorstellung in Sachen LoFi-Power-Trash-Indie-Rock, die Band packt das Beste aus den energetischen Ausbrüchen der Crypt-Records-Bands vom Schlage Oblivians, Gories, New Bomb Turks oder den verehrten Beat Happening zusammen mit großen emotionalen Momenten aus dem Fundus von Garagenrock-Urvater Roky Erickson und liefert so mit flottem Punk-Pop-Gitarrenanschlag, stoischem Trommeln und euphorischem Gesang eine gelungene Vorstellung in Sachen geglückte musikalische Globalisierung im Handelssektor „Indie-Rock“. Dead-Moon-Legende Fred Cole hat 2016 die erste EP „Silver Ashes“ der Band wohltuend unüberhörbar mit seiner Handschrift versehen produziert, das Volle-Länge-Debüt „Rough Roads“ der talentierten jungen Schrammel-Musikanten kommt am 17. März via Voodoo Doughnut Recordings auf den Markt, man darf gespannt sein…
(**** ½)

Herzensband, seit jeher: Dead Moon, die Livekapelle der Achtziger und Neunziger in Sachen bezwingender und allumfassend beglückender Garagen-Trash-Rock schlechthin. Die Wiederbelebung des Ur-Trios Cole/Cole/Loomis im Jahr 2014 war leider nicht von langer Dauer, der unvergleichliche Trommler Andrew ist im März 2016 allzu früh den Folgen seiner Krebserkrankung erlegen, seitdem zieht das Ehepaar Fred und Toody Cole als Duo seine Kreise und hält die Erinnerung wach an eine große Band, Echoes From The Past quasi, am vergangenen Dienstag haben sie sich dankenswerter Weise nach vielen Jahren wieder mal nach München verirrt und beschworen auch im zurückgenommenem Tempo in einer Auswahl ihrer Greatest Hits ergreifende Erinnerungen und Eindrücke aus längst vergangenen Tagen herauf, aus einer großartigen Zeit somewhere far away.
Wem bei Perlen wie „It’s OK“, „Dagger Moon“, „Out In The Blue“, „Johnny’s Got A Gun“, „Dead Moon Night“ oder der von Toody Cole nach wie vor wunderbar schräg interpretierten Elvis-Reminiszenz „Can’t Help Falling In Love“ nicht die Tränen der Nostalgie-getriebenen Sentimentalität in den Augen standen, der war nie auf einem Dead-Moon-Konzert, diesen unwiederbringlichen 2+-Stunden-Trash-Messen, in denen die Band nie weniger als alles gab, schweißtreibende Abende, die das Kondenswasser im vollgepackten Substanz von den Wänden laufen ließ, in denen das Trio Hauptacts wie die Lemonheads in der Münchner Theaterfabrik locker aus der Hüfte geschossen an die sprichwörtliche Wand spielte, unwiederbringlich vorbei, und doch vermochten die ins Alter gekommenen Silbermähnen Fred & Toody die Magie dieser intensiven Konzertnächte noch einmal in ihrem reduzierten Duett-Vortrag am Dienstagabend zum Scheinen bringen, das Songmaterial ist ohnehin seit Jahrzehnten über jeden Zweifel erhaben, Toody grinst ihr Wolfsgrinsen wie eh und je, Fred Cole kreischt ohne Abstriche wie zu besten Zeiten um sein Leben und schrammt die Trash-Blues-Riffs auf seiner Gitarre in seiner ureigenen Spielart herunter, das alte Ehepaar ist sich nach so langer gemeinsam verbrachter Zeit on the road unvermindert gegenseitig und ihrer Musik aufs Herzlichste zugetan, eine Vertrautheit, die sich ohne Umschweife sofort auf das Publikum übertrug, nicht wenige dürften diesen emotionalen Konzertabend in tief empfundener Dankbarkeit verlassen haben.
Vorab stand die bange Frage im Raum: mag das Dead-Moon-Material ohne Schlagwerk funktionieren? Es mochte, über die Maßen.
(***** ½)

Very special thanks an Jürgen Franke / Substanz + International Booking Department.

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