Reingehört (355): The Almost Boheme

The Almost Boheme – Consecrations (2017, Der Präsident Geht Fremd)

My very good friend k.ill hat nach Monaten des Feilens, Mit-sich-Ringens, Neu- und Umarrangierens den Weg aus dem Studio raus gefunden und veröffentlicht dieser Tage den von Fans, Groupies, Friends and Neighbours sehnlichst erwarteten zweiten Longplayer in Nachfolge zum Debütwerk aus dem Jahr 2013.
Der Münchner Songwriter trägt auf „Consecrations“ seine beseelten, bereits bei zahlreichen LiveAuftritten in der Vergangenheit bewährten Neofolk- und LoFi-Indie-Pop-Kleinode in geerdeter Entspanntheit vor, mit einem Schuss Melancholie dem dahinschwindenden Sommer und vergangenen Zeiten nachspürend, in abgeklärter Nonchalance und gebührender Distanz das sinnentleerte Leben von „Mrs. Farmlife“ bedauernd, nachdenklich und mit Empathie das Dilemma des „Girl From Palestine“ reflektierend, in den latent beschwingteren Werken mit einem charakteristischen, charmanten Augenzwinkern, bar jeglicher Arroganz den ganzen Grattlern und Britschen in seinen aus dem Leben gegriffenen Kurzgeschichten signalisierend, dass er sie in ihrem Agieren und in ihrem Bemühen völlig durchschaut hat.
Das bereits auf dem Almost-Boheme-Erstwerk „Loss. man, woman, men & women“ enthaltene „Veneer Of Love“ erstrahlt im neuen Glanz, der Münchner Songwriter brilliert in der aktuellen „Hill“-Version als Alternative-Country-Crooner und verbeugt sich gekonnt wie würdig vor hochgeschätzten, altgedienten Genre-Vertretern vom Schlage Kris Kristofferson oder Willie Nelson, eine Handvoll weitere Songs vom 2013er-Debüt bekommen ebenfalls einen neuen, frischen Anstrich, warum auch nicht, selbst ein Lowell George hat sich auf dem Little-Feat-Debüt und dem „Sailin‘ Shoes“-Nachfolgewerk die Freiheit genommen, seine Trucker-Hymne „Willin'“ in zwei alternativen Versionen zu präsentieren, der alte Teufel Fritz hätte hierzu vermutlich völlig richtig angemerkt: „Wenn’s der Wahrheitsfindung dient…“
Das konzertant bereits des öfteren zu Gehör getragene, handverlesene Fremdwerk ergänzt die wunderbare Songsammlung formvollendet, „Dirty Old Town“ aus der Feder des nordenglischen Labour-Aktivisten, Folk-Songwriters und Dichters Ewan MacColl geht als abgespeckte und sich auf das Wesentliche konzentrierende Standard-Version im Geiste der Pogues durch und wird bei jedem erneuten Durchlauf und mit jedem Pint oder 4cl-Hochprozenter besser, beim Lynyrd-Skynyrd-Klassiker „Simple Man“ hingegen geht die Reise weit fort vom hergebrachten 70er-Southern-Blues-Rock, hin zur erhabenen, eindringlichen Pastorale.
Die durch Talent und Stimmvolumen zu Janis-Joplin-hafter Wucht befähigte Sendlinger Ausnahmesängerin Patricia Schmid nimmt sich im Duett-Gesang und in den Background-Vocals bewusst zurück und harmoniert damit umso stimmiger mit der entspannt-entschleunigten Balladen-Klangwelt und der sonor-grummeligen, inzwischen weit mehr an Leonard Cohen als an Lou Reed gemahnenden Sangeskunst k.ills, so auch der sporadisch beigesteuerte filigrane Bass von Produzent Christian Höck und die dezenten Besen und Rhythmen von Session-Drummer David Junior, der in der Vergangenheit bereits die Trommelstöcke für Größen wie Rod Stewart oder den englischen Indie-Folker John Smith schwang.
„Consecrations“: 13 großartige Meditationen in Moll über das Leben, die Liebe und das Cruisen mit der neuen Karre durch die wilden Nächte von Paris. Eine Platte wie ein guter Freund, so wie Musikant k.ill himself für einige, die das Glück haben, ihm bei den Streifzügen durch die Münchner Nacht über den Weg zu laufen…
„Consecrations“ erscheint am kommenden Freitag beim Münchner Label Der Präsident Geht Fremd und ist ab November auch als Sonderpressung im blauen Vinyl zu haben.
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