Reingehört (372): Chris Forsyth & The Solar Motel Band

Chris Forsyth & The Solar Motel Band – Dreaming In The Non-Dream (2017, No Quarter)

Tolles Post-irgendwas-/Psychedelic-Rock-Konglomerat von Chris Forsyth und seiner Solar Motel Band: der Musiker aus Philadelphia versteht es meisterhaft, US-amerikanische, durch jeweils charakteristisch-stilbildende Gitarristen geprägte Institutionen wie Grateful Dead, Crazy Horse, Dream Syndicate oder Television mit englisch geprägtem Früh-Siebziger Prog-/Kunst-Rock, instrumentalem Postrock-Ansatz und Space-/Krautrock-Anleihen in Einklang zu bringen, ohne irgendwelche schmerzhaften Brüche im Sound-Fluss wie in der Titelzusammenstellung zu offenbaren.
In den beiden zentralen Werken des aktuellen Albums nehmen sich Forsyth und seine Mitmusiker ergiebig Zeit zur Ausformulierung der musikalischen Vision, der Opener „History & Science Fiction“ lässt den ersten Teil des instrumentalen, von konterkarierender Rhythmusgitarre begleiteten, melodisch dominierten Indie-Rock-Flow in Van-Der-Graaf-/Roxy-Music-Frühphasen-angelehnte Art-Rock-Klangopulenz englischer Provenienz inklusive David-Jackson-/Andy-Mackay-verwandtem Gebläse übergleiten, eine 11-minütige, eindrückliche Demonstration des Zitierens wie individuellen Arrangierens ausgesuchter Blüten der progressiven Rockmusik.
„Have We Mistaken The Bottle For The Whiskey Inside?“ vermengt reduziert-trashigen, stoischen Garagenrock mit dem neo-psychedelischen Paisley-Underground-Ansatz in dessen gespenstischster Ausprägung und versieht den ausgedehnten Gitarrenrocker mit einer dezenten, dunklen Blues-Note, im Folgenden frönt die Band im über 15-minütigen Instrumental-Titelstück ausgiebigst dem Space-Rock, inklusive gedehnt repetitiven Elementen, monotonen Bassläufen und entsprechendem, Effekt-heischendem Sci-Fi-Gefiepe, Wurlitzer-Gezirpe, Electronica-Gepfeife und Kraut-artigem Improvisations-Theater, Philadelphia-Ortsnachbar Jeff Zeigler besorgte die Schrauberei an den Synthie-Gerätschaften. „Two Minutes Love“ zum entspannten Ausklang ist in etwa das, was der Titel verspricht, auch hinsichtlich knapp bemessener Song-Länge, hingehauchte, verträumte wie völlig entschlackte Gitarren-Farbtupfer als unaufgeregte Instrumental-Balladenkunst.
Chris Forsyth und die Solar Motel Band offenbaren auf dem aktuellen Album ein exzellentes Gespür für die Rock-Historie und geben mit Deutungsansatz wie Fortschreibung Hoffnung und Anregung für den psychedelischen, Gitarren-dominierten Indie-Sektor.
(*****)

Chris Forsyth Live mit der Solar Motel Band, dem Nick Millevoi Duo und Loren Connors  nyctaper.com.

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