Reingehört (308): Thurston Moore, The Afghan Whigs

Thurston Moore – Rock N Roll Consciousness (2017, Ecstatic Peace / Caroline Records)

5 lange aus der altbewährten Sonic-Youth-Schule. Thurston Moore schrammelt sich zu Beginn des fast 12-minütigen Openers „Exalted“ für seine Verhältnisse gefällig in Früh-Feelies-Manier hinein in seine über Jahrzehnte bewährte Spielart des Indie-, Alternative- und Experimental-Rock, um für den Rest der gut 40 Minuten dann dort zu landen, wo ihn die altgediente Hörerschaft seit jeher am liebsten sieht/hört: wandernd im versierten, abgeklärten, psychedelisch funkelnden Gitarren-Noise und Postpunk-No-Wave, das charakteristische Musizieren geprägt in jungen Jahren vom Minimal-Gitarren-Avantgardisten Glenn Branca und gemeinsam weiterentwickelt mit ex-SY-Bandkollege Lee Ranaldo, die Moll-lastigen, elegant dahinfließenden Klangschichten und dezenten Feedback-Verzerrungen nur sporadisch durch diese für ihn typischen, cool-unemotionalen Gesangspassagen ergänzend.
Bedingt durch die langen Laufzeiten der einzelnen Stücke drängen sich Vergleiche zur nahezu spirituellen Eleganz von Werken wie „Teen Age Riot“ oder „Total Trash“ vom Sonic-Youth-Meilenstein „Daydream Nation“ auf, Thurston Moore tritt erneut den Beweis an, dass kontemplatives, meditatives Versenken mittels krachig gespielter Stromgitarre keine unmögliche Übung sein muss. James Sedwards als zweiter Gitarrist, My-Bloddy-Valentine-Bassistin Debbie Googe und ex-Sonic-Youth-Drummer Steve Shelley assistieren formvollendet wie beim letzten „The Best Day“-Album und der 2014er-Konzertreise, dahingehend darf man in der Besetzung auf ein weiteres intensives Gitarren-Hochamt am 30. Juni im Münchner Strom hoffen.
(**** ½ – *****)

The Afghan Whigs – In Spades (2017, Sub Pop)

Mit der unsäglichen Eröffnungsnummer „Birdland“ unternimmt Herr Dulli den verkrampft-linkischen Versuch, das Erbe des verstorbenen Prinzen Rogers Nelson mit brachialer Überdrehtheit anzutreten, der in die Schockstarre treibenden, artifiziell verzerrten, ungenießbaren Electro-Soul-Nummer folgt Gottlob im weiteren Verlauf Qualitäts-steigernd der von den Whigs erwartetete, bewährte, Beton-harte Alternative-Rock-Grunge, der sich gerne und wie bei der anderen Dulli-Combo The Twilight Singers wiederholt vernommen in der schweißtreibenden Schwere des R&B- und Sixties-Soul-Grooves sowie den Bläsersätzen einer gediegenen Horn-Sektion als belebenden Beigaben bedient, den eine Spur zu oft in Indie-Stereotypen und im allzu bekanntem Gitarren-Mainstream verweilenden Songs steht dies mehr als gut zu Gesicht. Greg Dulli setzt sich in beschwörendem Lamentieren und mit intensiver Eindringlichkeit mit der Sterblichkeit, gescheiterten Beziehungen und den Abgründen der Drogensucht auseinander, unterm Strich eine passable Arbeit, die hinsichtlich Songmaterial leider nur sporadisch an alte Perlen der Band heranreicht, im Verbund mit bewährten Hauern etwa von den „Gentlemen“-, „Black Love“– oder „1965“-Alben sollten die neuen Nummern am 8. August in der Münchner Backstage-Halle allemal für einen gepflegten Krach-Abend herhalten.
(****)

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4 Kommentare

  1. Lieber Gerhard,
    das macht Freude. Wieder eine richtig gute und launige Rezension. Vielleicht eine gute Ergänzung. Was ich bislang von Thurston Moore gehört habe, gefällt mir auch gut. Übrigens drüben bei der BBC gibt es die sog. „Thurston Moore Masterclass“ im Interview und live mit Gitarre. http://www.bbc.co.uk/programmes/articles/yslxmfgthJ0YDysHdCMX9H/6-things-we-learned-from-thurston-moores-masterclass Dort spricht er u.a. auch über Sonic Youth, Patti Smith und sein neues Album.
    Heute Abend heißt es dann wohl Daumen drücken.
    Liebe Grüße aus dem verregneten und zu kühlen Norden,
    Stefan

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    1. Vielen Dank, Stefan – und besten Dank für den BBC-Link – feine Sache!
      Daumen drücken hat gestern tatsächlich mal wieder geholfen, war ein wichtiger Dreier. Die Messe ist noch nicht gelesen, aber wenigstens ist wieder etwas Hoffnung.
      Liebe Grüße aus München, momentan tatsächlich mit Sonne,
      Gerhard

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      1. Da ist die BBC einfach schneller und kreativer.
        Das waren wichtige Punkte. Warten wir ab wie der Spieltag enden wird. St. Pauli ist so gut wie gerettet und wenn die Saison noch 15 Spieltage andauern würde, hätten sie vermutlich noch Aufstiegschancen.
        Gespannt bin ich auch wer Trainer beim BvB in der nächsten Saison sein oder werden wird. Aki Watzke hat heute ein Interview heraus gehauen wo er Risse zwischen ihm und dem Trainer bestätigte. Das klingt fast nach einem angekündigten Abschied. Und das vor dem Spiel gegen Hoffenheim 😉
        Hier ist es leidlich grau und kühl. Typisches Aprilwetter im Mai.
        Liebe Grüße und Dir die Sonne und ein schönes Wochenende,
        Stefan

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      2. Die BBC war schon oft das Maß aller Dinge, siehe John Peel, siehe Doku-Filme usw.
        Für Pauli war es eine optimale Rückrunde, inkl. einiger Schiedsrichter-Fehlentscheidungen und Hilfestellungen der Gegner zu ihren Gunsten ;-)) Aber wie es immer so schön heißt: wenn’s läuft, dann läuft’s…
        Beim BVB knirscht es schon länger, mal sehen, was da noch kommt.
        Liebe Grüße, morgen wird es hier wohl auch wieder grau und nass,
        Gerhard

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