Alternative Rock

Reingehört (425): Mooner

Mooner – Tabiat (2017, Bhang Records / Plastic Head / Outer Battery Records)

Einmal mehr richtet sich der Blick begeistert nach Fernost. Einmal mehr zur Kenntnis nehmend, dass auch in Gegenden außerhalb der heimischen oder weitaus stärker auf dem Radar befindlichen englischsprachigen Musikmärkte eine stramme Stromgitarre gepflegt wird und auch der asiatische Underground-Musikant weiß, wo in Sachen einnehmender Krach-Beschallung der Bartl den Most holt.
„Tabiat“ ist das Debütwerk des Quartetts Mooner aus Bandung/West-Java, einer All-Star-Supergroup, aus Musiker_Innen von The Slave, The Sigit, Sigmun und Sarasvati formiert, allesamt Combos, die sich in der Szene des heimatlichen indonesischen Inselreichs großer Bekannt- und Beliebtheit erfreuen, in unseren Breitengraden indes bis dato weitgehend unbekannt geblieben sind.
Die Lady und die drei Langhaarigen von Mooner haben hinsichtlich UK-Siebziger-Jahre-Prog-Rock sorgfältigst ihre Hausaufgaben gemacht wie – nach eigenen Worten – bei der von der Band verehrten indonesischen Seventies-Legende Shark Move, Marshella Safira, M. Absar Lebeh, Rekti Yoewono und Pratama Kusuma haben augenscheinlich auch beim flotteren Achtziger-Grunge des Öfteren aufmerksam zugehört, die Wah-Wah-Gitarre und den ein oder anderen weiteren Pedal-Trick von Gott Hendrix und die satt dröhnende Saitenkunst von Schwarzsabbath-Iommi verinnerlicht, auf der Basis packen sie ihre Spielart von Kraut-Rock, tonnenschwerer Stoner-Robustheit und vor allem einer geballten Ladung an psychedelischen Hard-und-Heavy-Feinheiten drauf, die sich gedeihlich mit Einflüssen aus dem indischen Raga und mittelöstlichen folkloristischen Musiktraditionen vereinen, womit der Tonträger gar nicht mehr anders kann als im internationalen Format zu glänzen – sieht man von den Texten ab, die in Malaiisch oder Sundanesisch hier kaum jemand zum Mitträllern befähigt sein dürfte.
Tabiat“ ist bereits im April 2017 beim kleinen indonesischen Indie-Label Bhang Records erschienen und dank weiterer Auflage durch Outer Battery Records in New York seit Dezember letzten Jahres auch in den Fokus der westlichen Hörerschaft gerückt.
(**** ½ – *****)

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Reingehört (420): Bardo Pond

Bardo Pond – Volume 8 (2018, Fire Records)

Das minutenlange Mäandern und zähe Voranschreiten in den Tiefen des Stoner Rock, das verschlungene Dahindriften in schwer zu ergründenden Psychedelic-, Kraut- und Space-Universen und in der weiten Welt des zentnerschweren Noise und Drone als ausgedehnte Sound-Trips sind einmal mehr die dominierenden Charakteristika des neuen, dieser Tage erscheinenden Longplayers der US-amerikanischen Dropout-Institution Bardo Pond um die Gibbons-Brüder Michael und John, die Band schreibt ihre im Jahr 2000 mit selbst-veröffentlichten Tonträgern gestartete, weitaus mehr von Experiment und Improvisation als ihre regulären Veröffentlichungen geprägte Volume-Serie weiter.
Sich bis in die letzten Hirnwindungen fräsende, dröhnende Endlos-Gitarrenläufe, voluminöse, von Verzerrungen und Feedbacks durchzogene Riffs und eine die Schwere des diffusen Sounds nochmals um etliche Tonnen steigernde Midtempo-Rhythmik durchziehen in vierzig Minuten fünf ausladende, in die Länge gedehnte Exerzitien der Neo-Psychedelia-Experten aus Philadelphia.
Isobel Sollenberger bereichert bedauerlicherweise nur einmal im Album-beschließenden „And I Will“ die ansonsten instrumentalen Trips mit ihrem entrückten, wie aus einer anderen Welt herüberhallenden, Elfen-ähnlichen Gesang, ansonsten trägt sie mit der Querflöte zur gleichsam dunkel-psychedelischen wie euphorisierenden Klangfarben-Explosion bei, das Holzblasinstrument wird im Progressive-Rock-Kontext schwer vermutlich bis ans Ende aller Zeiten ungewollte Erinnerungen an das Gebläse eines Ian Anderson bei seiner bis heute nicht tot zu kriegenden Combo Jethro Tull aufkommen lassen.
Der Soundtrack für den transzendenten Roadmovie ins Nirvana oder zur inneren Einkehr, oder einfach nur ein gelungenes, funkelndes Beispiel dafür, dass die Auswüchse des Shoegazerns nicht zwingend wie sonst oft die Füße im angestarrten Schuhwerk zum gelangweilten Einschlafen bringen müssen…
„Volume 8“ ist seit vergangenen Freitag im gut sortierten Bauchladen des Akustik-Drogenhändlers Ihres Vertrauens zu erwerben.
(**** ½ – *****)

Reingehört (415): Half Japanese

„You do need cords to plug the guitar in but that’s pretty much it.“
(Jad Fair)

Half Japanese – Why Not? (2018, Fire Records)

Anders als bei sogenannten Volksparteien, Dauer-darbenden Fußball-Bundesligisten aus dem hohen Norden der Republik und kryptischen Bitcoin-Notierungen zeigt der Trend bei Jad Fair und seiner Combo Half Japanese dieser Tage eindeutig nach oben. Entgegen den in jüngster Zeit veröffentlichten Ergüssen, mit denen sich die Band für ihre Verhältnisse in den gängigen Langweiler-Einheitsbrei beliebiger US-Indie-Bands einreihte und kaum mehr die pure Freude am Abhören der Tonträger aufkommen ließ, besinnen sich Fair und Co auf „Why Not?“ auf ihre Qualitäten wie in der eigenen glorreichen Vergangenheit gezeigt und liefern durchaus Ansprechendes, dass sich am extrem angeschrägten Indie-Pop und Art/Noise-Punk früherer Glanztaten orientiert, an unkonventionellem Alternative Country, trashigem, windschiefem Balladen-Stoff und mit verstimmten Gitarren und neben der Spur getrommeltem Rhythmus-Gepolter vorgetragenem Alternative-Weirdness-Gewurstel im Stile eines indisponierten Jonathan Richman oder schlecht gelaunten Gordon Gano, die limitierten musikalischen Fähigkeiten mit viel Charme und einer bunten Wundertüte an lustig-absurden Ideen kompensierend.
Das quengelnde, nölende, die Nerven strapazierende Sangesorgan Jad Fairs ist ohnehin wie gehabt die Wegscheide für das Daumen-rauf- oder -runter-Verdikt zu jeder Scheibe der Band, so hier selbstredend nicht anders, und damit bleibt für alte Freunde der Band nichts weiter, als zum LoFi-Geschrammel der jüngst erschienenen dreizehn neuen Songs ein beherztes „Warum nicht?“ in die Runde zu schmettern. Alleinstellungsmerkmal weitgehend zurückerobert, Trendwende gelungen, bis auf Weiteres. Können SPD und HSV nur träumen von…
(**** ½ – *****)