Alternative Rock

Reingehört (315): Fatalists, Yagow

Fatalists – Wayward Navigation (2017, Bandcamp)

Die Herrschaften vom schottischen Trio Fatalists haben ihre eindringlichen Agnostiker-Hymnen für ihr drittes Album unter dem Dachgebälk einer Kirche in Edinburgh eingespielt, die Band lässt keine Zweifel hinsichtlich geschliffener Härte im Vortrag aufkommen, klirrend-schneidende Gitarren im Geiste des Postpunk, mutiges Ausprobieren im Psychedelischen und der verschleppte Rhythmus des Noise Rock stecken den Rahmen ab für den grimmig-eindringlichen Gesang und die Einsichten über Freud und Leid des Daseins – die neun Stücke nehmen es in ihren besten Momenten mit der ins Hirn fräsenden Eindringlichkeit von Mission Of Burma und der Kompromisslosigkeit der Frühwerke der Gang Of Four auf. Celtic FC, Single Malt, Rankin, Oxford Bar, Arab Strap, Mogwai, Schottland hat immer einen Stein im Brett, die Fatalists und ihre Vision des Alternative Rock sind ein Grund mehr für zugewandtes Wohlwollen in Richtung Caledonia.
„Wayward Navigation“ erscheint am 20. Mai bei Bandcamp.
(**** ½ – *****)

Yagow – Yagow (2017, Crazysane Records)

Bewusstseinserweiternde Drogen im Vinyl- und CD-Format: Yagow aus Saarbrücken schießt die Hörerschaft von der heimischen Wiedergabegeräte-Abschussrampe in die unendlichen Weiten des Kosmos, dorthin, wo Captain Kirk und Meister Yoda im Weltenraum die verbotenen Substanzen kreisen und den Herrgott einen guten Mann sein lassen, das saarländische Trio nimmt tiefenentspannt für sich ein mit entrückter, schwerer Psychedelic-Seeligkeit und melodischem Sternenglanz im Shoegazer-Format, mit Space-Drones und verhalltem Stoner Rock, die wie durch Nebel und Watte gefilterten, geisterhaften Sanges-Passagen tun ihr Übriges zum tonalen Weg-Beamen in andere Sphären. „Turn on, tune in, drop out“ zum Tummeln in den finsteren Ecken der Sonnensysteme oder so ähnlich…
Das Yagow-Debüt erscheint am 16. Juni beim Berliner Label Crazysane Records.
(**** ½ – *****)

Reingehört (308): Thurston Moore, The Afghan Whigs

Thurston Moore – Rock N Roll Consciousness (2017, Ecstatic Peace / Caroline Records)

5 lange aus der altbewährten Sonic-Youth-Schule. Thurston Moore schrammelt sich zu Beginn des fast 12-minütigen Openers „Exalted“ für seine Verhältnisse gefällig in Früh-Feelies-Manier hinein in seine über Jahrzehnte bewährte Spielart des Indie-, Alternative- und Experimental-Rock, um für den Rest der gut 40 Minuten dann dort zu landen, wo ihn die altgediente Hörerschaft seit jeher am liebsten sieht/hört: wandernd im versierten, abgeklärten, psychedelisch funkelnden Gitarren-Noise und Postpunk-No-Wave, das charakteristische Musizieren geprägt in jungen Jahren vom Minimal-Gitarren-Avantgardisten Glenn Branca und gemeinsam weiterentwickelt mit ex-SY-Bandkollege Lee Ranaldo, die Moll-lastigen, elegant dahinfließenden Klangschichten und dezenten Feedback-Verzerrungen nur sporadisch durch diese für ihn typischen, cool-unemotionalen Gesangspassagen ergänzend.
Bedingt durch die langen Laufzeiten der einzelnen Stücke drängen sich Vergleiche zur nahezu spirituellen Eleganz von Werken wie „Teen Age Riot“ oder „Total Trash“ vom Sonic-Youth-Meilenstein „Daydream Nation“ auf, Thurston Moore tritt erneut den Beweis an, dass kontemplatives, meditatives Versenken mittels krachig gespielter Stromgitarre keine unmögliche Übung sein muss. James Sedwards als zweiter Gitarrist, My-Bloddy-Valentine-Bassistin Debbie Googe und ex-Sonic-Youth-Drummer Steve Shelley assistieren formvollendet wie beim letzten „The Best Day“-Album und der 2014er-Konzertreise, dahingehend darf man in der Besetzung auf ein weiteres intensives Gitarren-Hochamt am 30. Juni im Münchner Strom hoffen.
(**** ½ – *****)

The Afghan Whigs – In Spades (2017, Sub Pop)

Mit der unsäglichen Eröffnungsnummer „Birdland“ unternimmt Herr Dulli den verkrampft-linkischen Versuch, das Erbe des verstorbenen Prinzen Rogers Nelson mit brachialer Überdrehtheit anzutreten, der in die Schockstarre treibenden, artifiziell verzerrten, ungenießbaren Electro-Soul-Nummer folgt Gottlob im weiteren Verlauf Qualitäts-steigernd der von den Whigs erwartetete, bewährte, Beton-harte Alternative-Rock-Grunge, der sich gerne und wie bei der anderen Dulli-Combo The Twilight Singers wiederholt vernommen in der schweißtreibenden Schwere des R&B- und Sixties-Soul-Grooves sowie den Bläsersätzen einer gediegenen Horn-Sektion als belebenden Beigaben bedient, den eine Spur zu oft in Indie-Stereotypen und im allzu bekanntem Gitarren-Mainstream verweilenden Songs steht dies mehr als gut zu Gesicht. Greg Dulli setzt sich in beschwörendem Lamentieren und mit intensiver Eindringlichkeit mit der Sterblichkeit, gescheiterten Beziehungen und den Abgründen der Drogensucht auseinander, unterm Strich eine passable Arbeit, die hinsichtlich Songmaterial leider nur sporadisch an alte Perlen der Band heranreicht, im Verbund mit bewährten Hauern etwa von den „Gentlemen“-, „Black Love“– oder „1965“-Alben sollten die neuen Nummern am 8. August in der Münchner Backstage-Halle allemal für einen gepflegten Krach-Abend herhalten.
(****)