Reingehört (368): Oxbow

„Whatever we do, it will be an Oxbow record of Oxbow music, meaning a lot of people probably won’t like it.“
(Greg Davis)

Oxbow – Thin Black Duke (2017, Hydra Head)

Bereits im vergangenen Mai erschienen, zu der Zeit hat sich die Band auch in München zwecks Tonträger-Promo die Ehre gegeben, wie mit dem famosen Frühsommer-Konzert im Feierwerk hinterlassen Oxbow mit dem jüngsten Tonträger „Thin Black Duke“ – dem ersten Volle-Länge-Werk nach zehn Jahren – nachhaltigst Eindruck beim geneigten Hörer-Volk. Ohne viel Federlesens geht es von Sekunde eins weg unvermittelt hinein in die ganze Pracht und Fülle des Oxbow-Experimentalrock, der variantenreich wie eh und je mit den Elementen des Hardcore-Punk, No Wave, Free Jazz, Noise-Rock und artifiziellen Avantgarde-Blues spielt. Mit Grimm, forderndem Nachdruck und drohendem Unterton schwadroniert sich Frontmann Eugene S. Robinson durch seine Texte über den boshaften Protagonisten The Duke, einem in allen Songs des Albums präsenten, finsteren Erzähler, der in multiplen Persönlichkeiten zwischen heimatlosem Säufer, finsterem Mordbuben und etlichen weiteren Charakteren unterwegs ist, eingerahmt von massiver Tonal- wie Atonal-Druckbetankung der Herren Adams, Davis und Wenner, getreu dem auf die Spitze getriebenen Zappa-Motto „Make a Jazz Noise here“. Robinson hört sich selbst noch in betont gelangweilt hingeflüsterten Sanges-Passagen an wie der immer zum finalen Schlag bereite, die eigene Aggression angestrengt kontrollierende Amateur-Boxer, der er einst war – die kolportierten Anekdoten, in denen er in der Vergangenheit gegenüber respektlosem Konzertpublikum wiederholt handgreiflich wurde, glaubt man beim Vernehmen dieser Stimme unbesehen.
Oxbow-Gitarrist Niko Wenner schafft es in einem einzigen Song, Klassik-Orchestrierung, schweren Blues, Punk-Rock-Vehemenz, Jazz-Freigeist und Sixties-Schlager-Geplänkel unterzubringen, seine kompositorischen Fähigkeiten wurden irgendwo mal mit „Sgt Pepper“-Niveau verglichen, völliger Blödsinn wie geradezu ehrenrührige Frechheit, „Thin Black Duke“ wie auch das Oxbow-Frühwerk erinnert in seiner zentnerschweren Eindringlichkeit Gottlob zu keiner Sekunde an die in Töne gegossene Schlaftablette der notorisch-omnipräsenten Pilzköpfe, dafür sorgt allein schon der permanent unterschwellig mitschwingende Missklang im Werk der kalifornischen Noise-Pioniere, der spannungsgeladen immer wieder in große Klang-Epen-Kunst umschlägt, um sich im nächsten Moment erneut in latenter Dissonanz einzupendeln.
Mit „Thin Black Duke“ marschieren Oxbow in Sachen innovative Rockmusik und kontrolliertes Chaos ganz weit vorne weg. Schönheit liegt im Ohr des Hörers, oder so ähnlich…
(*****)

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