Reingehört (304): Geir Sundstøl, Alasdair Roberts, John Craigie, Sean Rowe, Nadia Reid

Geir Sundstøl – Langen ro (2016, Hubro)

Obwohl seit über zwanzig Jahren im Geschäft, ist „Langen ro“ erst das zweite Album nach dem 2015er-Debüt „Furulund“ unter eigenem Namen des norwegischen Session-Gitarristen Geir Sundstøl, eine ruhig fließende, tiefenentspannte, umwerfend schöne Sammlung von Instrumental-Arbeiten im weiten Spannungsfeld von Ambient-Postfolk, Electronica, Minimal Music im Geiste von Steve Reich und John Adams, freien, an den Free Jazz angelehnten Improvisationen und artifiziellem Slide-Gitarren-/Sitar-Trance-Blues. Von den Begleitern auf dieser anregenden Klangreise dürfte zumindest der Keyboarder David Wallumrød der geneigten Hörerschaft bekannt sein. Die vielschichtige, grazile Arbeit, die wiederholte Male auch an getragene Filmmusiken erinnert, ist beim norwegischen Hubro-Label erschienen, der Firmen-Stempel mit der Eule allein ist ein verlässlicher Garant für die Erfüllung höchster Hörer-Ansprüche.
(*****)

Alasdair Roberts – Pangs (2017, Drag City)

Der Schotte Alasdair Roberts hat in vergangenen Zeiten unter dem Band-/Projekt-Namen Appendix Out musiziert, unter anderem mit Label-Kollegen wie Will Oldham und Jason Molina und seiner Landsmännin (oder heißt das politisch korrekt in dem Fall Landsfrauin??) Isobel Campbell kollaboriert, auf seinem aktuellen Album hält er eine gelungene Balance zwischen Alt und Neu, zwischen frei fließendem, zeitlosem Indie-Folk, beschwingten Folk-Rock-Rhythmen und der Jahrhunderte-alten kaledonisch-gälischen Musiktradition seiner Heimat. Die filigrane Instrumentierung und der mit charakteristischem Akzent gefärbte Minnesang entwickeln einen ureigenen Sog, der die Hörerschaft in Torfstecher-Gegenden und nebelverhangenes Hochland entführt, Steigerung des Durstes nach einem ordentlichen Schluck Single Malt inklusive… sehr ordentliche Arbeit zur Traditionspflege des British Folk im modernen Gewand.
(**** ½)

John Craigie – No Rain, No Rose (2017, Zabriskie Point Records)

Portland-Folker John Craigie hat eine handvoll befreundeter lokaler MusikerInnen in seine alte viktorianische Behausung zum gemeinsamen Aufspielen eingeladen, die Sessions finden sich auf diesem feinen Tondokument wieder, das sich aus einer stimmigen Mixtur aus beherzter Alternative-Country-Americana, New-Orleans-Cajun-Zitaten und traditionellem, virtuosem Bluegrass speist, inklusive ausgedehntem, ungeschnittenem Gefeixe der Vortragenden zwischen den Stücken, in relaxter Atmosphäre im Stile der berühmten „Will The Circle Be Unbroken“-Aufnahmen der Nitty Gritty Dirt Band und ihrer zahlreichen prominenten Begleiter. Neben Eigenkompositionen Craigies im Akustik- und Slide-Gitarren-, Banjo- und Fiddle-Vortrag findet sich auch eine wunderbar entspannte, staubige Holzveranda-Version des Stones-Klassikers „Tumbling Dice“. Schmeichelt sich gut in den Gehörgang, dieses unkomplizierte Bardentreffen.
(**** ½)

Sean Rowe – New Lore (2017, Anti- / Epitaph)

Der naturverbundene Rauschebart Sean Rowe aus dem Staate New York beeindruckt mit Bariton-lastiger, tief-voluminöser, raumgreifender Sangeskunst, versiertem Fingerpicking auf der Wandergitarre und ordentlichem Indie-Folk-Songwriter-Handwerk, gepaart mit einer unverkennbaren Liebe zu Sixties-Soul, Gospel und R&B, vor allem die reduzierten, nachdenklichen Balladen entfalten auf „New Lore“ ihren ureigenen Charme. In den opulenteren Folk-Rockern schielt der Naturbursche wiederholte Male mehr als nur dezent in Richtung Mainstream, das hätte nicht Not getan, der punktuelle Hang zur Überproduktion und zum zuviel Hineinpacken an melodischen Reizen lässt nicht uneingeschränkt in Begeisterungsstürme ausbrechen, eigentlich schade, da wäre mit weniger Zutaten weitaus mehr drin gewesen…
(****)

Nadia Reid – Preservation (2017, Basin Rock)

„Du bist so schön wie die Blume auf der Wiese, und so langweilig wie diese“ hat der Kommilitone mal vor vielen Monden der Kommilitonin als Ansage vor den Latz geknallt, der Spruch passt wie A… auf Eimer in Bezug auf das Zweitwerk der jungen neuseeländischen Indie-Folk-Songwriterin Nadia Reid. Die wunderbare Singstimme der talentierten Dame vermag auf Dauer das Gähnen ob der im ewigen Gleichklang versinkenden Balladen-Kunst nicht aus dem Antlitz zu vertreiben, auch einige wenige, im Tempo etwas flotter galoppierende, luftig-leichtgewichtigere Tondichtungen lassen nicht in die allgemeinen, allerorts angestimmten Jubel-Arien über dieses letztendlich doch sehr durchschnittliche Geplätscher einstimmen.
(***)

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